Die Geschichte vom hässlichen Tannenbäumchen

Eine Weihnachtsgeschichte für kleine und große Leute
Ausgedacht und aufgeschrieben
von Dieter Geißler
( Ähnlichkeiten sind rein zufällig )


Hallo und guten Tag, liebe Mädchen und Jungen.
Ich freue mich euch auch hier wieder zu sehen.
Euer Geschichtenerzähler Dieter hat euch auch heute wieder eine Geschichte mitgebracht.
Diese handelt von einem Tannenbäumchen, dass ein schöner Weihnachtsbaum sein wollte.
Begonnen hat alles in einer Baumschule. Nein, nein, dort lernen die Bäume nicht lesen und schreiben.
Eine Baumschule ist eine Gärtnerei, in der Bäume und Sträucher aufgezogen werden, bis diese dann in Gärten, Parks und im Wald ausgepflanzt werden können. Also in einer solchen Baumschule wurden kleine Tannenbäumchen in Töpfen aufgezogen.
Als diese groß genug waren, um im Wald ausgepflanzt zu werden, wurden sie aus den Töpfen genommen, die Erde von den Wurzeln abgeschüttelt und vorsichtig, mit den anderen Setzlingen, in eine Kiste gelegt.

Die Kisten wurden auf ein Auto geladen und in den Wald gefahren, wo sie eingepflanzt werden sollten.
Hier warteten schon mehrere Frauen und Männer auf die Ladung, um die Setzlinge in den Waldboden zu bringen. An der Stelle, wo unser Bäumchen eingepflanzt werden sollte, standen schon andere Tannenbäume. Es waren Tannen, die schon fast so groß waren, um als Weihnachtsbaum gefällt zu werden. Aber auch kleinere Bäume, die noch ein paar Jahre wachsen mussten, standen hier. Unser Bäumchen war also noch ein „Baby-Baum“ und hatte noch viel Zeit, bis es als Weihnachtsbaum in einer Wohnstube stehen würde.
Zunächst aber wurde unser Tännchen vorsichtig eingepflanzt.
Nun begann die Zeit des Wartens, bis so ein Bäumchen die richtige Größe hat, um ein Weihnachtsbaum zu werden.
So stand es Tag und Nacht im Wald und wartete und wartete.
Der warme Sommerregen half dem Bäumchen zu wachsen. Aber es gab auch Sturm, Frost und Schnee. Die kleine Tanne brauchte all ihre Kraft, um den Gefahren der Natur zu widerstehen. Und es schaffte es, es wiederstand.
Interessant war für unser Bäumchen die Unterhaltung mit den anderen Bäumen. So erzählten die größeren den kleineren, dass sie einmal bei den Menschen in ihren Häusern stehen würden. Sie würden zum Weihnachtsfest bunt geschmückt werden. Beim Kerzenschein würden sie glänzen und die Kinder würden strahlende Augen bekommen.
Das gefiel unseren Bäumchen auch, und so träumte es nachts davon, auch so ein schöner Weihnachtsbaum zu werden.
Zum Ende eines Jahres kam immer der Förster mit seinen Waldarbeitern in den Wald und sie suchten die schönsten Bäume aus, die als Weihnachts- baum in der Stadt verkauft werden sollten. So ging es Jahr für Jahr.
Als unser Bäumchen auch fast so groß war, um als Weihnachtsbaum gefällt zu werden, sagte es eines Tages zu den anderen Bäumen :
„Ich freue mich schon auf den Förster, wenn er mich dieses oder vielleicht auch nächstes Jahr aussucht. Dann werde ich sicher ein schöner Weihnachtsbaum“.
Da lachten die anderen Bäume und sagten zu unseren Bäumchen:
„Du, ein Weihnachtsbaum? Schau dich doch einmal an. Du bist doch
hässlich, du bist krumm und an der einen Seite fehlen dir ja Zweige. Du wirst nie ein Weihnachtsbaum“. Eine andere Tanne sagte: „Ich bin gut gewachsen, ich habe schöne breite Äste und bin rundherum schön gewachsen. Ich werde der schönste Weihnachtsbaum, den es je gegeben hat“ .
„Gib doch nicht so an, du eitle Grünpflanze“, antwortete unser Bäumchen ganz traurig.
Jetzt war es wirklich traurig, ließ seine Äste hängen, und aus seinem Stamm drangen kleine Tränen aus Harz.
Das Bäumchen schaute sich an und musste zugeben, dass es nicht das schönste Bäumchen war. Aber hässlich ? Nein, das wollte es nicht sein und es gab sich alle Mühe, noch weiter richtig zu wachsen. Es wollte ein Weihnachtsbaum werden.
Eines Tages war es wieder einmal so weit. Der Förster kam mit seinen Waldarbeitern. Er besah sich die Bäume und zeigte auf die Bäume, die gefällt werden sollten, um ein Weihnachtsbaum zu werden. Auch der eitle Baum wurde ausgesucht.
Nun kam der Förster unserem Bäumchen immer näher, und schaute es sich an. Es freute sich, dass der Förster es so genau ansah. Doch dann erschrak es, als der Förster zu seinen Leuten sagte: „Dieses krumme Bäumchen könnt ihr auch gleich mitfällen. Daraus wird sowieso kein Weihnachtsbaum. Aber als Reisig kann man es noch verwenden“.
Jetzt liefen den Bäumchen große Harztränen aus dem Stamm, und es verließ ihn nun ganz und gar der Mut.
Das Bäumchen wurde gefällt und mit den anderen Bäumen auf einen großen Lastwagen geladen. Der Lastwagen brachte sie dann in eine Stadt, zum Marktplatz, wo sie dann abgeladen wurden.
Als die Bäume nun so dastanden und warteten was geschehen sollte, schaute sich unser „noch“ Bäumchen um.
Es sah ein Haus mit einem hohen Turm, wo Glocken läuteten. Es war die Kirche der Stadt.
Auf dem Marktplatz war ein kleiner Weihnachtsmarkt mit weihnachtlich geschmückten Buden.
In der Mitte des Platzes stand eine ganz große Tanne mit vielen bunten
Glaskugeln und mit vielen Lichtern. Als unser Bäumchen nun diesen wunderschönen Weihnachtsbaum sah, da wurde es wieder ganz traurig. Es wusste ja, dass es nie als Weihnachtsbaum in einer Wohnung stehen würde. Man würde ihm die Äste abschneiden und als Reisig verkaufen. Es wünschte sich aber, dass seine Zweige wenigstens auf einen Tisch kämen, und mit einer Kerze und Weihnachtsschmuck geschmückt würden.
So standen die Bäume nun da und warteten, dass die Menschen sie kaufen würden. Eines Tages, es war schon dunkel und der Marktplatz lag in einem bunten Lichterschein, waren viele Menschen an der Stelle, wo die Bäume verkauft wurden. Sie liefen durch die Reihen von Tannen und schauten diese und jene Tanne an, bis sie sich für einen der Bäume entschieden haben, der bei ihnen in der Wohnung als Weihnachtsbaum zu Fest stehen sollte. Unser Bäumchen wurde nicht beachtet und darüber war es sehr traurig.
Da sah unser Bäumchen eine Frau und einen Mann mit einem kleinen Mädchen in ihrer Mitte. Der Mann nahm einige Bäume in die Hand, und beide begutachteten jeden einzelnen, und verglichen sie miteinander.
Das Mädchen unterdessen lief umher und schaute zu, wie die anderen Leute sich ihre Bäume aussuchten. Und sie sah zu, wie der Verkäufer die gekauften Bäume durch einen großen Trichter schob. Wenn sie dann hinten aus dem Trichter heraus kamen, waren diese in einem Netz verpackt.
Als nun kein Kunde mehr beim Verkäufer war, sah das kleine Mädchen, wie der Verkäufer eine Gartenschere nahm und zu unseren Bäumchen ging.
Er nahm das Bäumchen in die Hand und wollte dessen Äste abschneiden.

Das Mädchen stand daneben, schaute zu und fragte den Mann:
„ Was machen sie da?“. Der Verkäufer antwortete dem Kind: „ Diesen hässlichen Baum kauft ja keiner. Schau ihn dir doch an, krumm und Zweige fehlen. Ich schneide die Äste ab und verkaufe nur diese“.
„Das dürfen sie doch nicht machen, es ist doch auch ein Weihnacht –bäumchen“, sagte das Mädchen.
Das Bäumchen war erst traurig, weil ihm die Äste abgeschnitten werden sollten. Aber nun war es erstaunt, was das Mädchen sagte und freute sich darüber. Das Mädchen unterdessen versuchte den Verkäufer zu überreden,
das Bäumchen so zu lassen. Aber da sich der Verkäufer nicht darauf einließ, kam es zu einem Streit.
Das Mädchen war ganz aufgeregt und versuchte mit allen Mitteln den Verkäufer davon abzuhalten, die Zweige von dem Bäumchen ab- zuschneiden. Da beide immer lauter stritten, wurden die Eltern der Kleinen aufmerksam.
Sie hatten sich nämlich in der Zwischenzeit einen Baum für ihr Wohnzimmer ausgesucht. Sie wollten ihn gerade einpacken und bezahlen, als sie das Wortgefecht ihrer Tochter mit dem Verkäufer bemerkten.
Als die Eltern nun zu ihrem Kind kamen, sagte das Mädchen ganz aufgeregt: „ Mama, Papa, ihr dürft nicht zulassen, dass der Mann das Bäumchen kaputt macht. Bitte sagt es ihm, auf mich hört er nicht.“
Der Verkäufer erklärte den Eltern, warum er diesem Bäumchen die Zweige abschneiden wollte. Aber das Mädchen schrie dazwischen: „ Nein, nein, da dürfen sie nicht. Bitte sagt es ihm doch.“
Nun versuchten die Eltern ihr Kind zu beruhigen und sagten zu ihm: „Christine, schau dir doch das Bäumchen an, es ist wirklich nicht schön.“
„Papa, bitte kauf es doch, ich will nicht, dass es kaputt gemacht wird“, so das Mädchen.
Der Verkäufer sagte: „Das ist doch eine hässliches Geschöpf, das nur noch als Reisig taugt!“
Auf einmal schrie die Kleine den Verkäufer an: „Du bist auch nicht gerade schön und dir schneidet auch keiner die Ohren ab.“
Das Mädchen erschrak über den gerade ausgesprochenen Satz. Auch die Eltern, der Verkäufer und andere Kunden, die inzwischen dazu gekommen waren, sahen sich an.
„Christine?“, sagte die Mutter und schüttelte den Kopf.
Christine entschuldigte sich: „Tut mir leid. Ich wollte sie nicht beleidigen. Aber das Bäumchen will doch auch nur ein Weihnachts- baum sein“, sagte es ganz traurig, und tränen liefen ihr über das Gesicht.
„Papa? Kauf es doch, ich bezahle es auch aus meinem Sparschwein. Bitte Papa, bitte Mama?“ bettelte nun das Mädchen.
Nun mussten doch alle lächeln, wie sich das Kind für dieses Bäumchen einsetzte. Papa nickte mit dem Kopf: „Also gut, du Quälgeist.“ Zum Verkäufer sagte er: „ Den nehmen wir auch noch, was soll er kosten?“
Man sah dem Verkäufer an, dass er sich Gedanken machte. Dann sagte er: „Du bist ein unglaubliches Kind, was soll man nur dazu sagen? Ich weis nicht, ob ich es verstehe, aber nehme diese Krücke, oh Entschuldig- ung, die hübsche Weihnachtstanne mit. Ich schenke sie dir. Ist das in Ordnung?“.
Das Mädchen war über den Sinneswandel des Verkäufers erstaunt, und freute sich riesig darüber.
Die Eltern bezahlten ihren ausgesuchten Baum und bedankten sich beim Verkäufer. Auch Christine bedankte sich höflich.
Der Verkäufer verpackte die beiden Bäume.
Das Mädchen war glücklich, man konnte es ihr richtig ansehen.
Man wünschte sich gegenseitig ein schönes Weihnachtsfest und dann fuhr die Familie mit zwei Weihnachtsbäumen nach Hause.
Das Bäumchen vergoss aus Freude über das Geschehene große Harz- tränen.
Zu Hause angekommen wurden die Bäume in den Schuppen gestellt und einen Tag vor Heiligabend fand unser Bäumchen in Christines Zimmer einen schönen Platz.
Der Papa half dabei, den Baum in einen Christbaumständer zu stellen, damit das Bäumchen einen festen Stand hatte und nicht umfallen konnte.
Der Baum wurde so gestellt, dass man gar nicht bemerkte, dass dem Bäumchen einige Äste fehlten.
Mama brachte Christine aus dem Keller den Christbaumschmuck. Dieser war noch von der Oma, und war schon viele Jahre alt.
So schmückte Christine nun, mit voller Freude, ihr Bäumchen.
Mit ihren Papa wurden zuerst die elektrischen Kerzen angebracht, und dann schmückte das Mädchen, ganz vorsichtig, den Baum mit den alten Glaskugeln. Diese waren etwas ganz besonderes, sie stammten aus der Zeit, wo Oma und Opa noch ganz jung waren, und ihre Mutter selber noch ein kleines Kind war.
Alle waren so schön bunt und glitzerten. Christine hängte zuerst die runden
Kugeln an den Baum. Dann kamen die Tannenzapfen und Glocken dazu, diese sahen aus, als läge frischer Schnee auf ihnen.
Aber am besten gefielen dem Mädchen die bunten Glasfiguren. Es waren kleine Engelchen, Weihnachts- und Schneemänner.
Christine jedoch fand die bunten Glasvögelchen am schönsten. Sie wurden an die Zweige gezwickt, schillerten in allen Farben und hatten einen wunderschönen langen Schwanz, der biegsam war. So schönen Baumschmuck hatte sie noch nie gesehen. Und das schönste daran war, das nur sie solchen Schmuck hatte. Solche Figuren waren am Weihnachts- baum, den ihre Eltern geschmückt hatten nicht.
Noch etwas Lametta über die Zweige verteilt, und fertig war ihre Weihnachtstanne.
Er sah sehr schön aus. Nein, das Bäumchen war nicht hässlich.
Christine rief ihre Eltern, als sie mit der Arbeit fertig war.
Mama und Papa kamen ins Kinderzimmer und freuten sich mit Christine über den schön geschmückten Baum.
Sie umklammerte ihre Eltern und sagte zu ihnen: „ Schaut nur, ist er nicht schön, ich habe den schöööööönsten Weihnachtsbaum der Welt.“
„ Ja, du hast Recht. Es ist der schönste Baum, den ich je gesehen habe.“ sagte die Mutter und drückte ihre Tochter ganz fest und gab ihr einen Kuss auf die Stirne. Und Papa murmelte: „ Hartnäckigkeit setzt sich halt doch durch.“ Und alle fingen an zu lachen.
Und unser Bäumchen?
Nun war es doch noch ein richtiger Weihnachtsbaum. Es war so stolz. Er reckte die Äste so gut er konnte, dass er noch schöner aussah.
Der Wunsch des Bäumchens, eine schöne Weihnachtstanne zu werden, war nach vielen traurigen Stationen doch noch in Erfüllung gegangen.
Es wurde ein wunderschönes Weihnachtsfest.
So liebe Kinder, das war meine heutige Geschichte.
Ich hoffe sie hat euch gefallen.
Ich wünsche euch allen, und auch euern Eltern, Großeltern und Geschwistern ein schönes Weihnachtsfest und einen fleißigen Weihnachtsmann.
Vielleicht sehen wir uns ja wieder einmal, wenn es eine neue Geschichte vom Geschichtenerzähler Dieter gibt.
Tschüss und frohe Feiertage.

DG 21.11.2011


© Dieter Geißler - Alle Rechte vorbehalten, besonders das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung. Kein Teil des Textes darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder verarbeitet, vervielfältigt und verbreitet werden.


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