Er saß da, still, beobachtend, abwartend und wusste immer noch nicht, wie ihm geschehen war. Er war nicht allein, sondern in einer Gruppe, sozusagen unter seinesgleichen. Manchmal war es still und manchmal unsagbar, fast unerträglich laut.
Dann kamen Leute vorbei, zuerst eine junge Familie...und gingen weiter, ein Pärchen, das nur sich wollte ...und zuletzt eine ältere Dame. Die gefiel ihm..., aber auch sie ging weiter.
Wieder war es still und die Pfleger kamen vorbei; sie füllten Wasser auf, und schon waren auch sie weg.
Er träumte, träumte von einer Familie, nicht zu groß, aber immerhin und von einem schönen Zuhause, am liebsten mit Garten, wo er spielen konnte.
Dann kam wieder eine Dame vorbei, diesmal mittleren Alters. Sie blieb am Zaun bei ihm stehen. "Du bist aber ein Lieber." Er verstand sie nicht, aber die Melodie der Stimme war angenehm. "Ich würde dich gerne streicheln, ohne Zaun. Aber mit Zaun ist das ja fast gar nicht möglich", schnurrte sie. Oder doch? Er drückte sich an den Zaun, als sie die Finger hindurchgeschoben hatte und er genoss es. `Endlich ein Mensch, der ihn mag und wenn es noch so wenig war wegen des Zauns.`
Dann bellte er, laut und kräftig, wedelte mit dem Schwanz, und der Funke war übergesprungen.
Die Frau wollte den Hund zu sich nehmen. Sie hatte sich entschieden. Bald brauchten sie keinen Zaun zwischen sich mehr.
Aber in seinem neuen Zuhause lehnte er kategorisch alle Zäune ab.


© Karin Schaffer


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Kommentare zu "Am Zaun"

Re: Am Zaun

Autor: Jens Lucka   Datum: 11.11.2025 14:27 Uhr

Kommentar: In unserer Nähe befindet sich ein großes Tierheim und ich kenne so einige Leute, die sich dort in ein Tier verliebten und mit nach Hause nahmen. Dann beginnt die echte Liebe, Zuneigung und Fürsorge.
Deine Geschichte beschreibt es sehr schön.

Liebe Grüße von Jens

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