Die Tränen des Wassermanns K.3

© Santos-Aman

3. Kapitel
Das innere Mysterium

“Weiß du eigentlich dass deine und meine Seelen identisch sind”, fragte mich das Schaf,” dass sie nach dem gleichen streben, nach Erlösung? “Glaube nur nicht, dass ich dir diesen Schmarren abnehme” antwortete ich,” als Mensch bin ich doch wesentlich weiter entwickelt also du und selbst unter den Menschen bin ich schon dort, wo andere noch nicht einmal hin riechen können. Ich bin wach, ich habe Erkenntnis, andere lullen sich doch nur in ihren Illusionen ein und glauben, durch irgend welchen Hokuspokus, erleuchtet zu sein. Ich weiß zwar, dass ich noch nicht Erleuchtet bin, doch manchmal habe ich das Gefühl, schon sehr nahe daran zu sein. Mein Schaf hörte mir mit großen traurigen Augen zu und sprach leise, jedoch betont, “solltest du weiterhin solch erleuchteten Quatsch von dir geben, wir dir sicher im nächsten Moment ein Heiligenschein über deinem Kopf wachsen, mit dem du dann in der Lage bist, den Unsinn, den du gerade von dir gegeben hast, als solchen auch zu erkennen. Auf jeden Fall ist mir in meinem bisherigen Leben noch kein hochmütigerer Mensch, als du es bist, über den Weg gelaufen.” Diese so deutlich gesprochenen Worte, trafen mich wie eine Ohrfeige, mitten ins Gesicht. War ich doch der Ansicht, dass all meine Absichten eher aus einer demütigen Haltung resultierten. Außerdem stand geschrieben, dass ein Mensch sein Licht nicht unter einen Scheffel stellen sollte. Dies versuchte ich bisher tunlichst zu vermeiden. Immer dann, wenn ich mit Menschen zusammentraf, glaubte ich, sie überzeugen zu müssen, dass sich ihr Leben in eine falsche Richtung entwickelte. Ich war in der Lage, so glaubte ich bisher, diesen Menschen dass notwendige Werkzeug mit auf den Weg geben zu müssen, um fortan im wachen Zustand einen spirituellen Urknall zu erleben. Und nun, meint doch mein wiederkäuendes Schaf, dass es noch nie einen hochmütigeren Menschen als mich erlebt hätte. Eventuell verwechselte es ja auch Demut mit Hochmut, dachte ich so still in mir. “Glaube nur nicht dass ich dämlich bin” drängte das Schaf da in meine Gedanken hinein, ” gewiss kann ich Hochmut von Demut unterscheiden, diese Gabe ist dir allerdings nicht mit in die Wiege gelegt worden. Sollte es in deinem Innersten etwas leiser vor sich gehen, könntest du eventuell das Weinen deiner Seele vernehmen. Sie wird durch deinen Hochmut so sehr unterdrückt, dass sie kaum mehr vernehmbar ist.” Erstaunt über solche Worte fragte ich,” hat dir der, der hinter ihnen stand das geflüstert, oder woher sonst hast du all diese Weisheiten. Willst du nun mein Guru sein, der, der mich belehrt und zurechtweist?” Irgendwie konnte ich mir das alles nicht so recht vorstellen. “Wenn du endlich von deinem hohen Sockel heruntersteigen könntest, um zuzuhören, versuchen würdest an dir statt an andern Veränderungen vorzunehmen, bestünde die Möglichkeit, dass deine Fragen zu Antworten werden. Aber zuerst einmal solltest du lernen, dass du nicht der bist, für den du dich hältst.” So sprach das Schaf und sah mich dabei so durchdringend an, dass ich glaubte, es wolle mich hypnotisieren. “Habe ich nicht nötig, du wirst schon selbst dahinter kommen, was der, der hinter ihnen stand, mir aufgetragen hat, dir weiter zugeben und da es scheinbar von großer Eile ist, musst du dich wohl zum ersten Mal in deinem Leben so richtig anstrengen um voran zu kommen. Ansonsten, so sagte er, wird er dich für immer verlassen, deine Seele allerdings, wird weinen bis in alle Ewigkeit.”

Guter Rat war teuer, dachte ich. Was hatte ich denn bloß falsch gemacht, war ich denn nicht immer bereit gewesen, andere zu manipulieren, dass sie endlich auf den richtigen Weg fanden und war ich auch nicht immer bereit anderen das aufzuzwingen, was ich für rechtens erachtete . Habe ich ihnen nicht die Tränen genommen, wenn sie verzweifelt waren, ihnen Wasser gereicht wenn sie dürsteten? Ich war es doch der mir ihnen das Brot teilte, obschon es nicht mein Brot war und auch nicht unbedingt mein Wasser. Und was da ganz tief in mir los war, das wusste keiner, nicht einmal ich selbst. Die Gelegenheit nach innen zu gehen hatte ich mir ja schließlich auch genommen. Zu laut waren die Schreie von außen, ich wollte sie hören. Denn im Prinzip ist es einfacher das Geschrei anderer zu vernehmen, als das zaghafte Flüstern meiner eigenen inneren Stimme. Was war also jetzt zu tun? Sollte ich tatsächlich auf die Ratschläge meines Schafes hören, das angeblich mit dem, der hinter ihnen stand, über mein Schicksal gesprochen hatte, Anweisungen bekam, diese mir verständlich zu machen, oder sollte ich einfach aus diesem skurielen Traum erwachen? War es denn ein Traum oder wollte ich nur nicht wahrhaben, dass für den, der hinter ihnen stand, nichts unmöglich ist, dass er sogar die Fähigkeit besaß, mein Schaf hellsichtig und sprechend zu machen, um mir zu zeigen, wie klein ich eigentlich bin, dass ich aus seiner Sichtweise nicht einmal die Größe eines Sandkorns hatte. Das innere Mysterium war für mich fast unerreichbar. Wie nur, konnte ich zu diesen Geheimnissen vordringen? ” Paperlapap, du mir deinem innern Mysterium,” sagte das Schaf, “denke doch nicht mysterischer als es ist. Stelle dir vor, es ist eine Arbeit. Die sich in erster Linie außen gestaltet. Nach und nach wird, je größer deine Anstrengung, deine innere Welt zum Vorschein gelangen. Der Misthaufen deiner allzu geprägten Persönlichkeit, wird durch konsequente Arbeit an dir selbst, nach und nach abgetragen. Dadurch gelangt das Wesentliche mehr und mehr ans Licht. Im Moment kannst du noch nicht einmal erahnen, was das innere Mysterium eigentlich bedeutet. Wenn du dich bemühen willst, dann sieh zu, was du erst einmal in deinem äußeren Leben verändern kannst. Gestern, zum Beispiel, hast du dich über mich geärgert, da ich den Kopf durch den Maschendraht gesteckt hatte. Solltest du so etwas noch einmal bemerken, kannst du versuchen zu verstehen, dass hier auf der Wiese kaum noch Gras wächst, doch außerhalb des Zaunes, das Gras nur so sprießt. Warum glaubst du sonst, dass ich meinen Kopf dort hinaus recke und warum erscheint es dir angebracht, mir eine auf die Nase zu hauen? Stelle dir einmal vor, du hast Hunger, würdest deinen Kühlschrank öffnen um dir etwas zu Essen herauszuholen und deine liebe Gemahlin würde dir dafür eine Ohrfeige geben, da ja noch ein Topf mit Essen, von vorgestern, auf dem Herd steht. Wäre dies nicht eigenartig für dich? Beginne also deine Gedanken, Emotionen, Triebe und Handlungen zu beobachten um diese anschließend in den Griff zu bekommen. Nicht sie sollten dich, sondern du solltest sie beherrschen. Bevor du dir also Gedanken über dein inneres Mysterium machst, beobachte dein Äußeres Leben, denn dieses wird dir sicherlich Möglichkeiten aufzeigen, intensiv daran zu arbeiten, um letztendlich an der gesamten Evolution des Universums teilhaben zu können”.

Große Worte, wenn nicht sogar weise Worte wurden da gesprochen. Worte, die keine Schatten vorauswarfen, sondern mein jetziges Leben, das aus den Resultaten meiner Vergangenheit entsprangen, beleuchteten. Zu meinem Schaf mich wendend, sagte ich ” in Zukunft werde ich wohl versuchen, deine Ratschläge zu befolgen, herausfinden, wie es möglich ist statt zu reagieren, zu handeln.” Was für ein Tag, dachte ich, vielleicht wäre es doch besser gewesen, gar nicht erst aufzustehen. “Du hast noch immer die Möglichkeit dich wieder hinzulegen, weiter zu schlafen und deinen Illusionären Träumen nachzuhängen, “sagte das Schaf, ” aber dann wirst du meine Stimme nicht mehr vernehmen.


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