Die Tränen des Wassermanns

© Santos-Aman

1. Kapitel – Ein Wunder

Wenn die Hühner an diesem Morgen nicht so laut gestritten hätten, und das, wegen eines winzigen Wurmes, der, obwohl seiner karmischen Bestimmung noch nicht gerecht geworden, den Tod durch Verzehr, dieser besagten Hühner, erleiden sollte, und wenn der Hund meines Nachbarn nicht so hoheitsvoll gejault hätte, weil er nach wie vor der Annahme war, dass er im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren werden würde, was ihn äußerst unangenehm berührte, wäre ich an der Kreuzung meines spirituellen Lebens sicher eine andere Richtung gegangen. Da ich jedoch nicht wusste, was dieser Tag an Überraschungen für mich bereit hielt, vollzog ich die ersten Handlungen, wie ich sie jeden Morgen zu tun pflegte.

Nachdem ich mir den faden Geschmack, der Nacht, aus dem Mund gewaschen hatte, schickte ich mich an, meinen spirituellen Tageswecker, den Kaffee, schluckweise in mich aufzunehmen. Wenn dieser, mein Erwecker, doch nur einmal die Weisheit eines indischen Gurus, oder mein Postbote, der jeden Morgen pünktlich um neun Uhr dreißig erschien, einen direkten Draht zum lieben Gott hätte, letzterer mir doch endlich eine zukunfts- und richtungweisende Nachricht, des besagten, zukommen lassen würde, erlebte ich sicherlich zum ersten Mal in meinem Leben einen multidimensionalen Orgasmus, der mich in die Sphären des Universums katapultieren würde. Wie auch immer, dieser Morgen, der mit so hoffnungsvollen Gedanken begann, vollzog sich in der Praxis, wie all die vergangenen, die nur eines übrig ließen, die Hoffnung nicht zu verlieren, am Ende doch noch den Pfad gen Himmel zu entdecken, um wie eine Taube, in diesen einzufliegen.

Was blieb mir also anderes übrig, als mich dem üblichen Tagesablauf, der mich meist nicht erfüllen konnte, hinzugeben. Nachdem ich die fünfte Tasse meines Erweckers in mich aufgenommen hatte, erinnerte ich mich daran, dass fünf mir liebgewordenen Schafe auf der Weide warteten, um mich in ihrem allmorgendlichen Zeremoniell, durch lautes meckern zu begrüßen. Sollten sie es bis heute noch nicht wissen, Schafe sind von Natur aus demütig dumme Tiere. Ich selbst habe miterlebt, dass eines dieser Tiere, welches in einen eiskalten Bach gesprungen war, durch den Schock der Kälte, sich in diesen hineinlegte und nicht mehr aufstand, obwohl dieses Schaf jegliche Möglichkeiten hatte, den Bach aus eigenen Kräften wieder zu verlassen, blieb es liegen und ergab sich seinem Schicksal. Dieses Tier überließ es meiner Eingebung, es mit größter Anstrengung aus dem Wasser herauszuzerren, um anschließend blökend davonzulaufen. Genau dieses Schaf, sollte meinem bis dahin nur aus Hoffnung bestehenden Leben, eine völlig neue Richtung gebe. Eine Richtung, die ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen, so nicht ausgemalt hätte. Aber wie sagen die so genannten Esoteriker, jeder bekommt genau das, was er benötigt. Ich, für meinen Teil, benötigte wohl, um meinen spirituellen Weg weiter zu entwickeln, genau dieses Schaf.

Nachdem ich meine fünfte Tasse Kaffee leer getrunken hatte, machte ich mich auf, um, in der zum Haus gehörenden Scheune, einen Eimer Futter für meine Schafe zu holen, um ihnen damit ihre morgendliche Freude zu erfüllen. Da die Weide, auf der die Schafe zu grasen pflegten, unmittelbar am Hause lag, konnten diese, nachdem ich das Haus verlassen hatte, mich sofort sehen. Ihr Geblöke war recht eigenwillig und nicht zu stoppen, bis zu dem Zeitpunkt, da ich ihnen den Eimer mit Futter direkt vor die Nase gestellt hatte. “Danke” hörte ich jemanden sagen, “Bitte”, antwortete ich und blieb verdutzt, über meine Reaktion, stehen. Konnte eines meiner dummen Schafe etwa sprechen, dachte ich . “Wenn du glaubst, dass ich dumm bin, hast du dich aber gewaltig geirrt” hörte ich die Stimme weiter sprechen, “ab heute werde ich dir helfen, all dies, was du bisher noch nicht verstanden hast, zu verstehen, denn heute Nacht waren zwei Engel, und der, der hinter ihnen stand, bei mir und haben mir aufgetragen, dich auf deinem weiteren Weg zu begleiten. Dafür sei es aber notwendig, dich über einiges aufzuklären, was du bisher noch nicht in Erfahrung gebracht hast.” Au Backe, dachte ich, jetzt hat es mich aber vollkommen erwischt. Irgend etwas war hier scheinbar nicht in Ordnung. “Wenn hier etwas nicht stimmt, so liegt das alleine an dir”, hörte ich mein Schaf weiter reden, “nur an dir alleine. Dir ist eine Möglichkeit gegeben worden, und du nennst das nicht in OK. Akzeptiere also, dass dein dummes Schaf keineswegs dumm ist, sondern auserwählt wurde, dir das Universum näher zu bringen. Lege deinen Stolz ab und setze dich einen Augenblick neben mich, damit ich dir erzählen kann, was sich heute Nacht hier zugetragen hat und warum ich auserwählt wurde, dir das näher zu bringen, wonach dich seit langem dürstet. Also glaube nicht, dass ich vernebelt sei, sondern nimm das an, was du ansonsten auch nicht für unwahrscheinlich hältst und zwar das, dass in einem Moment etwas geschehen kann, was ein Mensch mit seinem herkömmlichen Verstand nicht zu begreifen in der Lage ist. Also stelle dich über deinen Verstand und höre mir zu.”

“Da standen also heute Nacht zwei leuchtende Engel vor meinem Stall und sprachen, Friede sei mit dir. Du bist auserwählt, dem zuzuhören, der hinter uns steht und all das, was du durch ihn erfährst, an deinen Freund weiterzugeben. Denn der, der hinter uns steht, wird dir Sprache verleihen, so dass du all das, was du von ihm erfährst, weitergeben kannst. Also höre mir zu, damit auch du dein Karma hier auf Erden auflösen kannst.” So sprachen die Engel zu mir und alsdann hörte ich dem zu, der hinter ihnen stand. Zehnmal schaute er mich an, und mit zehnmal zehn Worten überschüttete er mich und zehnmal musste ich acht geben, dass ich nicht einschlief. Nach zehnmal zehn Worten war es dann vorüber. Ich begriff, dass die zehnmal zehn Worte zehnmal zehn Möglichkeiten beinhalteten zehnmal zehnmal etwas anderes zu verstehen. Du kannst mir also glauben, nachdem die zwei Engel, und der dahinter, verschwunden waren, ging es mir wohl nicht anders als es dir nun geht. Aber du weißt ja, Aufträge werden deshalb vergeben, um sie anschließend auch zu erfüllen. Höre mir nun zu. Das erste was er mir auftrug an dich weiterzugeben, war, eine Möglichkeit, das Karma aufzulösen. Folgendes, so sagte er, ist hierbei zu beachten.”

Ihr könnt mich nun auslachen oder nicht, und doch fing das Schaf an, mich darüber aufzuklären, wie ich mich von der Geißel des Karmas befreien könnte. Dies sollte wie folgt geschehen.

Kapitel 2 folgt :)


© Santos-Aman


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Kommentare zu "Die Tränen des Wassermanns"

Re: Die Tränen des Wassermanns

Autor: possum   Datum: 05.02.2018 0:50 Uhr

Kommentar: Lieber Santos, dies verstehe ich voll und ganz, in den Tieren oder der stillen Natur und alles was sich einordnet in den Kreis des Seins findet man viele Antworten, oftmals ohne zu suchen! Liebe Grüße !

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