4. Geänderter Alltag
Tims Tage verlaufen nun wesentlich ausgeglichener als in den ersten Wochen nach seinem Ausstieg vom Fußballspielen. Es macht ihm alles wieder mehr Spaß. Ob in der Schule oder beim Hausaufgaben erledigen, es bleibt immer ein wenig Zeit, sich mit Freunden zu treffen und etwas zu unternehmen oder einfach eine Partie Schach zu spielen.
Heute hat er endlich seine erste Partie mit Lena. Gleich nach der Schule machen sie sich auf den Weg zu ihrem Gartenhaus. Dort haben sie die Möglichkeit, ihr Spiel in aller Ruhe zu genießen. Schon auf dem Weg dorthin hat Tim einige Fragen.
„Wie lange spielst du eigentlich schon Schach und hattest du früher schon die Möglichkeit, mit Freunden zu spielen?“
Mit einem Lächeln im Gesicht geht sie auf die direkten Fragen von Tim ein.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin genau wie du ein Neuling und ich habe mich bisher nur über Literatur informiert und mit einem Programm gespielt, dass mich nie gewinnen ließ.“
Nun müssen beide doch lachen und gehen beschwingt in Richtung Garten weiter. Dann schwenkt Lena an einem Einfamilienhaus auf die Einfahrt zu und steuert quer über den Hof zu einem am Ende befindlichen Garten mit kleinem Gartenhaus zu.
„Hier wohne ich und am Gartenhäuschen habe ich in diesem Sommer oft gesessen. Es ist mein Lieblingsplatz geworden.“
„Das glaube ich gern. Es ist hier wirklich schön.“
Dann nimmt er an einem Tisch Platz und Lena holt das Spiel aus dem Gartenhaus. Für das erste Spiel hat sich Tim viel vorgenommen. Heute kann er sehen, ob sich seine Vorarbeit gelohnt hat. Lena hat den ersten Zug und mit einem Lächeln beginnen sie ihre erste gemeinsame Partie.
Die ersten Züge spielen beide wie erwartet schnell. Danach sind sie sichtlich nachdenklicher und das Spiel gewinnt an Spannung. Tim bekommt langsam Schwierigkeiten. Mit jedem Zug kommt er dem Schachmatt näher.
Da kommt ein Vorschlag von Lena: „Wir sollten uns am ersten Tag nicht übernehmen und hier abbrechen.“
„Aber du hast doch gleich gewonnen.“
„Du könntest aber auch noch die Partie für dich entscheiden und so haben wir am ersten Tag beide gewonnen.“
Sie lächeln sich an und räumen das Spiel ein. Bevor Tim sich verabschiedet fragt ihn Lena mit einem süffisanten Lächeln:
„Hast du schon einmal genauer darüber nachgedacht, in der Schule einen Schachclub zu gründen?“
„Ein wenig schon. Vielleicht sollten wir uns als Erstes mit einem Anschlag an der Infotafel ins Gespräch bringen und sehen, ob es mehrere Interessenten dafür gibt?“
Am nächsten Morgen geht Tim noch vor Schulbeginn ins Sekretariat. Er möchte sich informieren, ob es Aktivitäten in Richtung Schachclub gibt und ob er einen Aufruf an der Infotafel starten kann. Auf seine Frage, ob es dann gegebenenfalls die Möglichkeit einer Raumnutzung geben würde, antwortet die Sekretärin mit einem strahlenden Lächeln:
„Da wird sich sicher etwas finden lassen, aber vielleicht solltest du dich erst einmal mit dem Sportlehrer Herrn Poland unterhalten. Ich glaube, er wird dich sicher bei deinem Vorhaben unterstützen.“
„Vielen Dank für die Information“, erwidert er strahlend und ist schon auf dem Weg zu seinem Klassenraum. Hier suchen seine Augen zuerst nach Lena. Sie steht an einem Fenster und ist in einem lebhaften Gespräch mit Jana, einer sonst sehr ruhigen Mitschülerin.
„Lena, der Besuch im Sekretariat hat neue Möglichkeiten eröffnet!“, unterbricht er die beiden Mädchen.
„Schön, und ich habe mit Jana die erste Mitstreiterin für einen Schachclub gefunden.“
In einem lebhaften Gespräch planen die Drei die Verwirklichung ihres Traums. Tim nutzt die nächste große Pause, um mit Herrn Poland ins Gespräch zu kommen, während Lena nun vollends im Klassenteam angekommen ist. Nur Rico ist erstaunt, wie schnell man vom euphorischen Fußballspieler zum begeisterten Schachspieler werden kann.
Die Gründung eines Schachclubs an der Schule spricht sich schnell herum. Tim ist erstaunt, wie viele Schüler sich schon mit dem Spiel beschäftigen und Herr Poland teilt die Anmeldungen in Altersklassen und Leistungsstufen ein. Hierbei stellt sich die sofortige Mitwirkung einer weiteren Lehrerin als äußerst notwendig heraus.
5. Das andere Leben
Der ‚Ball‘, den Tim angeschoben hat, nimmt Fahrt auf. Es entwickelt sich ein lebendiges Clubleben. Der Schachclub gibt Tim die Möglichkeit seine Vorstellungen umzusetzen und gleichzeitig bleibt ihm genügend Freizeit für andere Dinge. Ein besonderer Höhepunkt liegt heute vor ihm. Sein Freund Rico ist zu Besuch im Club. Tim baut ein Spiel auf und zeigt ihm, wo die Figuren zu Beginn platziert werden müssen.
„So, und nun gehen wir langsam Zug für Zug ans Eingemachte“, beginnt Tim die Partie.
„Hoffentlich gibst du mir eine kleine Chance“, erwidert Rico mit einem Lächeln.
„Aber klar, hier verliert keiner. Wir wollen doch nur testen, ob das Spiel auch etwas für dich wäre.“
Dann gehen sie jeden Zug mit Erklärung weiter und klären dabei die spezielle Spielweise eines Schachspiels. Da Rico sich vorher im Internet ein wenig schlau gemacht hat, sieht sein Spiel gar nicht so schlecht aus. Bald hat sein Freund die erlaubten Züge von Bauer, Turm oder Springer verinnerlicht und es scheint ihm auch ein wenig Spaß zu machen.
Nach diesem Grundlehrgang gehen sie beide gut gelaunt zum Sportplatz. Rico hat heute Training und Tim hat ihm schon vor einigen Tagen versprochen, zum ersten Mal seit seinem Karriereende, beim Training dabei zu sein. Der Empfang seiner ehemaligen Spielkameraden ist, entgegen seiner Befürchtung, sehr freundlich. Nach seinem begeisternden Empfang wollen viele wissen, wie sein Projekt Schachclub vorankommt und berichten ihm von den Entwicklungen im Verein. Der Trainer hat einiges in der Mannschaft umgestellt und die Neuzugänge machen sich gut. Die Einladung, doch beim Training teilzunehmen, lehnt Tim mit einer humorvollen Bemerkung ab:
„Lieber nicht. Ihr würdet staunen, wie schlecht meine Ballbehandlung geworden ist.“
Darauf gibt es ein allgemeines Gelächter und die Jungs drehen erst einmal ein paar Platzrunden. Anschließend folgen die normalen Technikeinheiten und zum Schluss natürlich noch ein kleines Fußballspiel. Noch vor dem Trainingsende winkt Tim seinem Freund noch einmal zu und begibt sich nach Hause.
Hier erwartet ihn schon ungeduldig seine Mutter:
„Wo warst du denn so lange? Du hattest inzwischen einen Anruf und einen Besuch.“
„Wer war denn hier?“
„Eine junge Dame, blond und nett!“
Tim weiß eigentlich genau, wer ihn besuchen wollte, gibt es doch kaum Freunde, die da infrage kämen.
„Was wollte Lena denn?“
„Das wird sie dir später erzählen. Sie kommt nachher noch einmal vorbei.“
Dabei lächelt seine Mutter und freut sich, dass Tims Leben in den vergangenen Wochen viel ausgeglichener geworden ist. Tim ist über den ungeplanten Besuch von Lena sichtlich erfreut und erzählt seiner Mutter noch, wie er seinen Nachmittag mit Rico verbracht hat.
„Und wer hat angerufen?“
„Herr Poland, er wollte dich dringend sprechen und auch er wird sich noch einmal bei dir melden. Worum es geht, wollte er dir persönlich sagen.“
Tim bleibt aber keine Zeit, darüber nachzudenken, denn dann klingelt es auch schon.
„Bin dann mal weg“, ruft Tim begeistert und läuft zur Tür.
„Lena“, empfängt er seinen Gast lautstark.
„Ja, wen hast du denn sonst erwartet?“
„Niemand anderes, ich freue mich einfach sehr über deinen Besuch.“
Dann erzählt sie ihm den Grund ihres zweimaligen Erscheinens. Herr Poland hat sie angerufen und gebeten, sich am nächsten Morgen vor Schulbeginn bei ihm zu melden. Mittlerweile sitzen sie auf einer Bank vor dem Haus von Tims Eltern. Sie spekulieren, was es wohl in der Schule so wichtiges geben wird, als seine Mutter mit dem Telefon in der Hand an der Haustür steht: „Herr Poland.“
Schnell greift er sich das Telefon. „Guten Tag, Herr Poland. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Dann sieht Lena wie Tim dem Lehrer am Telefon aufmerksam folgt. Dann hört sie nur noch: „Ich werde da sein. Tschüss!“
Mit einem Lächeln fasst Tim das Gespräch kurz zusammen: „Ich darf morgen früh vorm Unterricht bei ihm sein. Genaues hat er nicht gesagt.“
Dann schauen sie sich lächelnd an und werten noch die Geschehnisse des Tages aus. Beim Abschied sind sie weiterhin gespannt, was auf sie am nächsten Tag wartet.
Am nächsten Morgen ist Tim nicht gut ausgeschlafen. Da ihm die Sache mit Herrn Poland nicht aus dem Sinn ging, hat er unruhig geschlafen. Was mag Herr Poland von ihnen wollen? In den letzten Monaten war er endlich zur Ruhe gekommen. Er kann sich endlich Zeit für viele Dinge nehmen und das Schachspiel ist für ihn sowieso alternativlos geworden. Sollte diese Ausgeglichenheit nun ins Wanken kommen?
Auf dem Weg zur Schule trifft er wie jeden Morgen Rico und ein wenig später Lena. Sein Freund ist mit ein paar Worten informiert. Lena scheint auch nur wenig geschlafen zu haben. Kurz vor der Schule wendet sich Tim noch schnell an seinen Freund: „Gehst du schon vor, wir müssen noch etwas besprechen?“
„Aber klar. Bis später.“
Dann besprechen sie noch einmal ihre Vorgehensweise, denn sie wollen sich auch weiterhin nur gemeinsam um die Entwicklung des Schachclubs kümmern und keine weiteren Aufgaben übernehmen. Mit dieser gemeinsamen Einstellung gehen sie wie geplant zum Treffen mit Herrn Poland.
Mit leichtem Herzklopfen, denn sie ahnen nicht, was sie erwartet, klopft Tim an die Lehrerzimmertür und sie gehen hinein. Dort erwartet sie Herr Poland auch schon.
„Guten Morgen, schön, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid.“
„Guten Morgen, Herr Poland“, flüstern beide und nehmen vorsichtig am Tisch Platz.
Dann erfahren sie, warum sie eingeladen worden sind. Ein langjähriger Schachgroßmeister des Landes hat von ihrer Gründung des Schachclubs und den vielseitigen Aktivitäten gehört und möchte die jungen Initiatoren gern unterstützen. Dabei hat er neben einer Unterstützung des Clubs auch an einer Würdigung der Arbeit von Lena und Tim gedacht.
Die Beiden sehen sich fragend an.
„Und was heißt das?“, fragt Tim unsicher.
„Wie diese Würdigung aussieht, weiß ich auch nicht genau, aber ich darf euch im Namen des Schachgroßmeisters zu einem Besuch bei ihm in die Landeshauptstadt einladen, wo euch eine Überraschung erwartet.“
Der Mond zerbricht im Teich zu Silberstücken,
Ich schau hinaus mit eingetrübten Blicken.
Wo ist die Liebe? Werd ich einsam sterben?
Mein wundes Herz, es blutet aus den [ ... ]
Stille, Blätter flüstern einen letzten Gruß
bevor sie sanft zur Erde gleiten.
Es trägt sie ein zärtlicher Wind,
er bittet sie zum Tanz, ihrem letzten Tanz.
Trinke ein Glas Cola mit Milch.
Du suchst den Sinn?
Dann springe vom Sofa drei mal in die Luft.
Vielleicht bleibste ja an der Decke hängen.
Vielleicht bist du ja Spiderman.
Du wirst [ ... ]