Der unsichtbare Käfig

Die Ketten der Moderne sind nicht aus Eisen.
Sie sind aus Miete und Schulden.
Sie sind aus Lebensmittelpreisen und Kreditraten.
Sie sind aus dem Summen der Kaffeemaschine um fünf Uhr früh.

Ein Mann sagt: „Ich habe mir mein Auto selbst verdient.“
Doch das Auto ist aus Raten zusammengesetzt, die in seiner Brust klappern wie Knochen.

Eine Frau sagt: „Ich habe mir mein Studium erarbeitet.“
Doch ihr Rücken ist gebeugt von den Zinsen, die sie atmet,
und ihre Träume sind verpackt in Kreditverträge.

Die Angst sitzt im Nacken aller,
flüstert: „Wenn du fällst, ist niemand da, der dich hält.“


© 2025 Johann Grafeneder. Alle Rechte vorbehalten.


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Kommentare zu "Der unsichtbare Käfig"

Re: Der unsichtbare Käfig

Autor: akilegna   Datum: 12.08.2026 16:44 Uhr

Kommentar: Ja, Johann, Schulden können schon wehtun. Darum vermeide ich das- allerdings ging einmal mein Auto genau dann auch noch kaputt, als ich gerade umgezogen war und neue Möbel in Raten abzahlen musste...Hat aber alles gut geklappt. Zum Glück.
Liebe Grüße
Angelika

Re: Der unsichtbare Käfig

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 12.08.2026 17:56 Uhr

Kommentar: Liebe Angelika,

danke dir für deine Worte — und ja, manchmal trifft es einen genau in den Momenten, in denen man ohnehin schon zu viel tragen muss. Dass bei dir damals alles gut ausgegangen ist, freut mich wirklich. Dieses Glück hat nicht jeder, und genau deshalb wollte ich im Text zeigen, wie eng viele Menschen heute leben müssen und wie schnell ein kleiner Schlag das ganze System ins Wanken bringen kann.

Es ist schön, wenn etwas gut ausgeht.
Aber es ist wichtig zu wissen, warum es überhaupt so gefährlich werden konnte — und in welchem System wir leben, das Menschen oft ohne Netz und doppelten Boden lässt.

Danke dir fürs Lesen und für deinen Kommentar.
Liebe Grüße,
Johann

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