Tiedet war ein kleiner schwarzer Fleck. Er lebte auf einem alten Blatt Papier, ganz unten in der Ecke. „Warum bin ich schwarz?“, fragte er sich oft. „Ich möchte bunt sein! So wie die anderen – rot, gelb, blau, grün!“
Die Farben kicherten. „Du bist doch ein Fleck! Flecken sind nun mal schwarz.“ Aber Tiedet ließ sich nicht entmutigen. Er rollte sich zusammen, sprang vom Blatt und machte sich auf den Weg.
Zuerst traf er Rot. „Ich bin die Farbe der Liebe und der Wut“, sagte Rot stolz. „Kann ich ein bisschen von dir haben?“, fragte Tiedet. „Nur, wenn du auch liebst und wütend sein kannst.“ Tiedet nickte. Und ein kleiner roter Punkt erschien in seiner Mitte.
Dann traf er Gelb. „Ich bin die Farbe der Sonne und des Lachens.“ „Ich lache manchmal!“, rief Tiedet. Gelb kicherte und schenkte ihm einen leuchtenden Streifen.
So ging es weiter: Blau gab ihm Tiefe, Grün schenkte ihm Hoffnung, Violett flüsterte ihm Geheimnisse ins Ohr.
Am Ende war Tiedet nicht mehr nur ein Fleck. Er war ein bunter Wirbel aus Geschichten und Gefühlen. Die anderen Farben staunten. „Du bist nicht wie wir – du bist mehr.“
Tiedet lächelte. „Ich bin immer noch ein Fleck. Aber jetzt bin ich ein Fleck, der leuchtet.“Die Farben, die ihn einst ausgelacht hatten, blickten nun neugierig auf ihn. „Du bist immer noch ein Fleck“, sagte Blau. „Aber du bist irgendwie… anders.“
Tiedet nickte. „Ich bin nicht geboren, um bunt zu sein. Aber ich habe gelernt, dass Buntsein nicht nur Farbe ist – sondern das, was man erlebt.“
Die Farben wurden still. Rot erinnerte sich an seinen ersten Streit. Gelb dachte an das Lachen, das einmal wehgetan hatte. Grün spürte eine alte Sehnsucht. Violett schloss die Augen und lächelte.
„Vielleicht“, sagte Rot, „sind wir Farben, aber du bist eine Geschichte.“
„Und Geschichten“, sagte Gelb, „sind manchmal viel bunter als wir.“
Tiedet wurde nicht berühmt, weil er leuchtete. Sondern weil er verstanden hatte, was Farbe wirklich bedeutet.
Kinder begannen, ihn zu malen – nicht als Fehler, sondern als Begleiter ihrer Fantasie.
Und wenn jemand fragte: „Was ist das da in der Ecke?“ dann antworteten sie: „Das ist Tiedet. Er ist ein Fleck. Aber er wollte bunt sein. Und jetzt ist er es – auf seine ganz eigene Weise.Tiedet kehrte zurück. Zurück zu dem alten Blatt Papier, ganz unten in der Ecke, wo alles begonnen hatte.
Die anderen Flecken sahen ihn. „Du bist doch Tiedet!“, rief einer. „Der, der bunt sein wollte.“ „Der, der einfach losgegangen ist.“
Tiedet lächelte. „Ich bin immer noch ein Fleck. Aber ich habe Farben getroffen, und sie haben mir Geschichten geschenkt.“
Die Flecken rückten näher. „Und? Hat es wehgetan?“ „Manchmal“, sagte Tiedet. „Aber es war schön. Denn jedes Gefühl hat mir eine Farbe gegeben.“
Ein kleiner grauer Fleck trat vor. „Ich möchte auch bunt sein“, flüsterte er. Tiedet nickte. „Dann komm. Ich zeige dir den Weg.“
Und so wurde Tiedet nicht nur bunt, sondern auch ein Begleiter. Ein Freund für alle, die sich schwarz fühlten und trotzdem träumten.
Beschreibung des Autors zu "Ein kleiner schwarzer Fleck, der lieber bunt sein möchte"
Tiedet ist ein kleiner schwarzer Fleck, der sich nach Farbe sehnt. Auf einem alten Blatt Papier fühlt er sich fremd und unbeachtet – bis er sich auf eine Reise begibt, um herauszufinden, ob auch ein Fleck bunt sein kann. Unterwegs begegnet er den Farben Rot, Gelb, Blau, Grün und Violett, die ihm jeweils ein Stück ihrer Welt schenken – aber nur, wenn er ihre Gefühle versteht und lebt. So verwandelt sich Tiedet nicht durch Magie, sondern durch Begegnung, Mut und Gefühl. Am Ende ist er nicht einfach bunt – sondern ein Wirbel aus Geschichten, der zeigt, dass auch das Unsichtbare leuchten kann. Eine poetische Kindergeschichte über Selbstannahme, Vielfalt und die Kraft innerer Farbe.
Kommentar:Hallo Grafeneder Johann,
eine erfrischende farbenfrohe Geschichte. In unserer augenblicklich schwarz-weißen Welt ist jeder Farbspritzer eine Wohltat.
Liebe Grüße Wolfgang
Kommentar schreiben zu "Ein kleiner schwarzer Fleck, der lieber bunt sein möchte"
Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.
Sah ich Schuhmacher in Kreisen fahrend in Shanghai,
die Twin Towers in Kuala Lumpur
um Mitternacht mit leuchtenden Augen,
sah Hiroshima in der Frühlingssonne [ ... ]
Stille, Blätter flüstern einen letzten Gruß
bevor sie sanft zur Erde gleiten.
Es trägt sie ein zärtlicher Wind,
er bittet sie zum Tanz, ihrem letzten Tanz.
Ein warmer Tee. Ein Blick aus dem
Fenster. Ein schönes Zimmer. Ein
gemütliches Sofa. Ein Bild als Geiger.
Gute Laune. Und Gedanken, die bis
zu den Sternen reichen. Und nur ein
Funke an [ ... ]
Der Mond zerbricht im Teich zu Silberstücken,
Ich schau hinaus mit eingetrübten Blicken.
Wo ist die Liebe? Werd ich einsam sterben?
Mein wundes Herz, es blutet aus den [ ... ]
Das Wunder des Bebens
Stille im Sitzen
Nur lauschen
Wellenmusik mit Gitarre
Warmer Sand unter den Füßen
Ein Tag stirb
Sonnenuntergang
Und etwas stirbt von dir mit
Sterne weit weg
Und [ ... ]