Missmutig hockte Quaddel am Ufer des Teiches. Ihm graute vor dem langen Weg zurück zu seiner Erdhöhle. Der Weg war voller Gefahren. Quaddel musste sogar über die große Autostraße. Der Hinweg war viel angenehmer gewesen. In diesem Jahr war er schon früh auf ein Froschmädchen getroffen. Er durfte auf ihren Rücken steigen, und sie trug ihn zum Laichplatz im See.
Doch nun waren alle Weibchen verschwunden und Quaddel musste sel-ber nach Hause hüpfen. Quaddel schaute zum Himmel hinauf. Die Sonne ging langsam unter und es war Zeit, sich auf den Weg zu machen.
Seufzend machte der kleine Grasfrosch einen Hüpfer. Schwerfällig folgte ein zweiter.
„He, bist du denn schon so alt, dass du nicht mehr hüpfen kannst? Pass auf, dass dich nicht der Storch erwischt!“, spottete eine unsichtbare Stimme.
Quaddel sah sich suchend um. Schließlich erblickte er eine dicke Nackt-schnecke.
„Du hast gut reden“, entgegnete er. „Schneller als du bin ich allemal“.
„Der werde ich es zeigen“, dachte Quaddel, und sprang mit langen Sprüngen davon.
Einmal in Fahrt gekommen, machte Quaddel das Springen Spaß. Er sprang über Grasbüschel, er sprang über kleine Zweige, er sprang über Kieselsteine und schließlich sprang er über einen Märzschneckling. Da-nach war er ganz außer Atem.
„Meine Güte, du bist so klein und kannst so hoch hüpfen!“, staunte ein Hirschkäfer, der hinter dem Pilz hockte.
Da war Quaddel stolz.
„Allerdings solltest du vorsichtiger sein“, riet ihm der Hirschkäfer. „Da vorne, bei den Felsbrocken, wohnen Ringelnattern und seit gestern stromert hier auch eine Katze herum“.
„Danke für die Warnung“, sagte Quaddel erschrocken.
Vor lauter spielen hatte er nicht an seine Feinde gedacht. Beim Weiter-hüpfen war Quaddel nun vorsichtiger. Um die Felsbrocken hüpfte er ei-nen großen Bogen.
Als der Morgen graute erreichte Quaddel die große Autostraße. Ein grü-ner Zaun versperrte ihm den Übergang. Der Grasfrosch hüpfte am Zaun entlang, fand jedoch keine Lücke. Einige Kröten wollten ebenfalls auf die andere Seite.
„Na gut, dann warte ich hier bis es wieder dunkel wird, dann klettere ich über den Zaun“, dachte Quaddel. Er legte sich zu den Kröten und schlief ein.
Plötzlich schrak er auf. Ein Greifer hatte ihn mit seinen fünf Zähnen ge-packt und in einen Eimer gesetzt, in dem schon ein paar Kröten hockten. Einige versuchten, an der glatten Eimerwand hochzuklettern.
„Ihr müsst keine Angst haben“, sprach eine Menschenstimme und Quaddel blickte in zwei große Menschenaugen. „Ich bringe euch auf die andere Straßenseite, damit ihr nicht von einem Auto überfahren werdet“.
Doch Quaddel glaubte dem Menschen nicht. Er hatte schon früh gelernt, dass Menschen gefährlich waren.
Auf einmal wurde der Eimer behutsam umgekippt und Quaddel und die Kröten rutschten ins Gras.
„Kommt gut nach Hause!“, rief der Mensch und winkte ihnen hinterher.
Quaddel winkte zurück, doch das konnte der Mensch nicht sehen. Der kleine Grasfrosch verbarg sich nun in einer Baumwurzel und verschlief dort den Tag.
Am Abend machte er sich wieder auf den Weg. Als Quaddel eine kleine Pause einlegte, raschelte es neben ihm im Laub und eine Igelschnauze schnüffelte in seine Richtung.
„O nein!“, dachte Quaddel, „du kriegst mich nicht. So kurz vor dem Ziel lasse ich mich nicht fressen“.
Quaddel sprang schnell weiter und erreichte wenig später seine sichere und gemütliche Erdhöhle.


© Sabine Axnick


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Kommentare zu "Quaddel, der Grasfrosch"

Re: Quaddel, der Grasfrosch

Autor: Michael Dierl   Datum: 06.05.2022 22:45 Uhr

Kommentar: Eine wirklich sehr schöne Kindergeschichte aus dem Leben gegriffen! Manchmal braucht man gar nicht um 5 Ecken zu denken um eine nette Geschichte auszugraben. Man braucht nur aus dem normalen Leben erzählen und etwas nettes hinzu zu "süßen" und "Salz und Pfeffer" nicht ganz vergessen! :-)

lg Michael ;-)

Re: Quaddel, der Grasfrosch

Autor: Angélique Duvier   Datum: 06.05.2022 23:28 Uhr

Kommentar: Das Leben schreibt die schönsten Geschichten, Deine ist jedenfalls ganz bezaubernd!

Liebe Grüße,

Angélique

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