Als das kleine Schaf zur Welt kam und das erste Mal blökte, klang dies so melodisch, dass Mama Schaf ihm vor lauter Begeisterung den Namen „Mozart“ gab.
Allen anderen Schafen erzählte Mama Schaf, wie begabt ihr Sohn sei, und wie schön er singen könne.
Da war der kleine Mozart stolz und übte täglich.
Schäfer Wolle hatte in seinem Schäferkarren einen CD-Player. Am liebsten hörte er Stücke von Mozart.
Klein-Mozart stellte sich unter das offene Fenster und blökte begeistert mit. Bis Schäfer Wolle ans Fenster trat und rief: „Du blödes Schaf, wie soll ich bei deinem Geblöke meinen Mozart hören?“ Dann knallte er das Fenster zu.
Klein-Mozart war verwirrt. „Aber ich bin doch Mozart“, dachte es. Gleich lief es zu seiner Mama. Die erklärte ihm: „Es gab vor langer Zeit einen Menschen der Mozart hieß. Der hat ganz viele Lieder erfunden und wurde dadurch reich und berühmt“.
Das gefiel Klein-Mozart. „Wenn ich groß bin will ich auch Lieder erfinden. Dann sollen mich alle Menschen und Tiere hören, und ich werde auch reich und berühmt“.
Die anderen Schafe schüttelten nur ihre Köpfe. Ein singendes Schaf! So etwas hatte es noch nie gegeben. Das älteste Schaf meinte: „Ach, solche Flausen verwachsen sich. Wenn Mozart größer wird, wird er auch vernünftiger“.
Doch Oma Schaf hatte nicht mit Mama Schaf gerechnet. Diese hielt sich nun von der Herde fern und unterstützte die Pläne ihres Sohnes.
Als es wieder Frühling wurde, war Mama Schaf der Meinung, dass Mozart nun so weit sei. Sie gab ihm viele gute Ratschläge und Mozart machte sich auf den Weg in die große weite Welt.
Als erstes besuchte Mozart die Pferdekoppel. Dort grasten ganz gemütlich Nepomuk,
Sternchen, Jasper, Hella und Wölkchen.
Mozart stellte sich am Zaun auf, räusperte sich, und begann. Ruckartig hoben die Pferde die Köpfe und schauten erschrocken zum Zaun. Die Fohlen Sternchen und Wölkchen galoppierten vor Schreck bis an das andere Ende der Koppel. Nepomuk, Jasper und Hella trabten zum Zaun.

„Und, wie hat euch mein Gesang gefallen?“, wollte Mozart wissen.
„Ähem“, meinte Jasper.“Was hast du denn gesungen?“
„Das war `Weißt du, wie viel Sternlein stehen`“, antwortete Mozart stolz.
„Nun“, meinte Hella höflich, „die hohen Töne hast du nicht ganz getroffen. Du solltest es mal mit Kreide versuchen“.
„Kreide? Wie meinst du das?“
„Kennst du das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein?“
Mozart schüttelte den Kopf und Hella erklärte: „In dem Märchen gibt sich der Wolf als ihre Mutter aus, weil er die Geißlein fressen will. Um eine höhere Stimme zu bekommen, frisst er Kreide. Er kann die Geißlein überlisten und sie lassen ihn ins Haus, weil sie ihn für ihre Mutter halten“.
„Und wo finde ich Kreide?“, wollte Mozart wissen.
„In einer Schule“, erwiderte Nepomuk.
„Die ist gleich hinter der Kirche“, ergänzte Hella.
Mozart bedankte sich und lief zur Schule. Die Kinder spielten auf dem Schulhof. Vorsichtig schlich sich Mozart heran und betrat unbemerkt das Schulgebäude. Er ging in das Klassenzimmer und aß dort die ganze Kreide auf.
Plötzlich stürmten die Kinder herein. Ihre Lehrerin kam hinterher. Als sie Mozart sahen, blieben alle abrupt stehen.
Mozart sprang auf das Lehrerpult und begann mit heller Stimme zu blöken: „Weißt du, wie viel Sternlein stehen....“
Als er fertig war, klatschten die Kinder begeistert.
„Ein singendes Schaf! Das hat die Welt noch nie gesehen!“, strahlte die Lehrerin. Sie fotografierte Mozart und schickte das Foto an die Zeitung. Die brachte am nächsten Tag einen großen Bericht über das singende Schaf und Mozart wurde über Nacht berühmt.


© Sabine Axnick


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Kommentare zu "Mozart, das Schaf"

Re: Mozart, das Schaf

Autor: Michael Dierl   Datum: 13.11.2021 12:28 Uhr

Kommentar: Hahahahaaaaa..........eine schöne Gutenachtgeschichte für Kinder. Erinnert mich daran als ich unserem Bassistens 1. Kind gute Nachtgeschichten erfand, da er die meisten aus den Büchern schon kannte und eine Wiederholung ihn langweilten. Bis mir allerdings die Ideen ausging verging aber so einige Zeit. Ich hätte sie alle aufzeichnen und ein Buch rausbringen sollen aber daran hab ich damals nicht gedacht!

lg Michael schön geschrieben!

Re: Mozart, das Schaf

Autor: Jens Lucka   Datum: 14.11.2021 10:57 Uhr

Kommentar: Oh ja, diese Idee ist wundervoll solche Geschichten zu schreiben.
Ist dir schön gelungen !

Liebe Grüße von Jens

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