Lars hatte Angst im Dunkeln. Schon immer. Lars mochte es einfach nicht und hatte daher immer sein kleines Nachtlämpchen an, wenn er schlafen ging. Es war Sommer und die Tage waren nun länger. Es wurde erst sehr spät richtig dunkel. Meist dann, wenn Lars bereits schlief.

Da er bald in die Grundschule kam und er tapfer sein wollte, sagte er zu seiner Mutter, er wolle es heute Nacht mal ohne Lämpchen ausprobieren. Schließlich war er schon ein großer Junge. „Zur Not kannst du ja immer noch das Licht anknipsen“, sagte Mama. „Das ist überhaupt nicht schlimm.“ Lars ging ins Bett und da er heute lange Fußball gespielt hatte, war er so müde, dass er sofort einschlief. Diesmal ohne Lampe.

Mitten in der Nacht wurde er von einem Leuchten geweckt. Er hatte doch sein Lämpchen gar nicht an, dachte sich Lars, der noch im Halbschlaf gefangen war. Das Leuchten war auch nicht im Zimmer, stellte er nun fest. Es kam von draußen! Lauter kleine leuchtende Punkte sah Lars aus seinem Zimmerfenster. Was ein Schauspiel! Das musste er genauer betrachten und wollte aus dem Bett steigen. Um besser sehen zu können, knipste er sein Nachtlicht an.

Just in diesem Moment ermahnte ihn eine leise, piepsige Stimme an seinem Ohr. „Nein, nicht das Licht! Ich habe Angst im Hellen!“, hörte Lars an seinem Ohr. Und bei genauerem Hinsehen, erkannte er den kleinen Flügelkäfer. An seinem Schwänzchen leuchtete es. Das Leuchten war wunderschön. Lars blieb also in seinem Bett und knipste das Licht nicht an. „Wer bist du?“, fragte er den kleinen Kerl. „Glühwürmchen nennt ihr Menschen mich. Dabei bin ich kein Wurm, sondern ein Käfer. Bei Nacht bin ich aktiv und meide das Licht. Im Hellen gefällt es mir gar nicht, bitte lass das, ja?“, piepste es zu Lars.

Das Glühwürmchen hatte eine leicht zittrige Stimme, als es sprach. Da Lars sich sehr gut in die Lage des Käfers versetzen konnte, nahm er Rücksicht und blieb im Dunkeln. Das Leuchten des Glühwürmchens beruhigte Lars. „Ich kann dich verstehen“, sprach er zum Würmchen. „Ich habe Angst im Dunkeln. Also genau umgekehrt. Wieso macht die Nacht denn dir keine Angst?“ „In der Nacht fühlen wir uns wohl“, antwortete es Lars „Das ist unsere liebste Lebensumgebung. Die Lichter der Menschen irritieren uns nur und wenn es immer mehr Straßenlaternen, beleuchtete Parks und Lichter in Gärten und an den Häusern gibt, sterben wir irgendwann noch aus! Es bleiben uns dann kaum noch Lebensräume!“ „Oh nein, wie schrecklich!“, entfuhr es Lars. „Das wusste ich nicht! Wenn ich dir helfen kann, kleiner Freund, dann werde ich ab sofort nachts mein Lämpchen auslassen“, sagte Lars und fügte hinzu: „Ich bin ja schon groß und du so zart und klein. Es wäre sehr schade, wenn es dich mal nicht mehr gibt. Mir tut die Dunkelheit ja nicht weh.“

Lars erkannte nach dem Gesagten, dass er wirklich keine Angst mehr im Dunkeln hatte. Es gab für ihn nichts zu befürchten. „Ich danke dir, Menschenkind! Und nun muss ich weiter zu den anderen. Schlaf gut weiter und träum etwas Schönes! Vielleicht bis zum nächsten Mal, im Dunkeln!“, sagte das Glühwürmchen und flatterte durch das Fenster in die Nacht hinaus.

Als Lars am nächsten Morgen erwachte, war er sich nicht sicher, ob er nur geträumt hatte. War ihm wirklich ein sprechendes Glühwürmchen im Zimmer erschienen? Ganz egal, ob echt oder nicht, dachte sich Lars. Er hatte keine Angst mehr im Dunkeln, das stimmte wirklich! Ausgeschlafen, stolz auf sich und erfreut über diese Erkenntnis, stand er auf und musste dies sofort seinen Eltern erzählen.


© Rosa Feder


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Gute-Nacht-Geschichte

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