Karl-Kuno der kleine Rabe

Am Waldesrand, weit ab von der großen Stadt, lebt Uroma Friderike in einem kleinen Fachwerkhaus. Oma Gustel & Opa Friedrich, meine Eltern mit mir in unserem fast neuem Zweifamilienhaus, was auch am Waldesrand steht. Sonntags ist für mich ein Tag auf den ich mich ganz besonders freue, demzufolge es auch immer wieder sehr lange dauert, bis es wieder Sonntag wird. Es ist wieder soweit, wie fast jeden Sonntagmorgen fahre ich mit meinem Roller, der ganz viele bunte Bändchen am Lenker hat, die kurze Strecke zur Uroma Friderike. Das hat seinen Grund, warum ich mich immer auf den Sonntag freue. Meine Uroma ist die beste Kuchenbäckerin die ich kenne. Jeden Sonntag überrascht sie mich mit einem anderen leckerem Kuchen. Einmal ist es ein Mohnkuchen mit Zitonenzuckerguss, ein anderes Mal ist es eine Käsetorte mit vielen Rosinen. Aber mein ganz besonderer Lieblingskuchen ist der Apfelkuchen mit seinen goldbraunen knusprigen Streuseln. Von weiten kann man den Apfelkuchen schon riechen, Apfel, Vanille & Zimt Düfte ziehen dann durchs ganze Fachwerkhaus.

Es war wieder einmal Sonntag, es gab bei Uroma meinen Lieb-lingsapfelkuchen mit den goldgelben Streuseln, dazu noch einen fetten Klecks frisch geschlagene Schlagsahne obendrauf. Oft erzählte Uroma Friderike von ihrer Kindheit, von den Spielen, den Streichen die sie zu jener Zeit, als sie genauso alt war wie ich, gemacht hatte. Ein ganz besonderes Ereignis war das Erlebnis mit dem kleinen Raben, denen seine Geschwister aus dem Nest geschubst hatten. Meine Uroma Friderike begann zu erzählen:

Eines Tages im Frühling, fuhr ich an einer mit bunten Frühlingsblumen bewachsenen Waldwiese vorbei, auf dieser noch eine Birke, eine zerklüftete Eiche und ein großer Ahornbaum standen. Von weitem hörte ich ein kläglichen piep…. piep… piep. Vor der alten zerklüfteten Eiche lag der kleine Rabe, im hohen Gras, so dass er nur schwerlich zu erkennen war. Dünn und mager war er, hatte bestimmt schon lange nichts mehr zu fressen bekommen. Behutsam hob ich den kleinen ausgekühlt und zitternden Raben auf. Packte das kleine frierende Federkneul in meinen Schal und nahm es mit nach Hause. Schon mal hatte meine große Schwester einen Vogel aus dem Wald groß gezogen, daher wusste ich schon was man beim Füttern zu beachten hatte.

Nach ein paar Tagen hatte sich der kleine Rabe erholt, von Tag zu Tag konnte man sehen, dass er größer & größer wurde. Sogar einen Vogelkäfig hatte er für sich ganz alleine. Eines Morgens hing am Vogelkäfig ein rosafarbenes mit bunten Blumen bedrucktes Zettelchen, auf dem geschrieben stand, ich bin ein kleiner aus dem Nest gefallener Rabe und heiße Karl-Kuno. Seit diesem Tag an hieß der kleine Rabe Karl-Kuno. Noch war er ein ganz liebes kleines Vögelchen, was sich aber bald ändern sollte, umso größer er wurde. Ein rotweißgestreifter Kater Namens Felix, schleichte immer öfters um den Käfig von Karl-Kuno herum, man konnte richtig spüren das Kater Felix den kleinen Raben Karl-Kuno zum Fressen gern hatte. Karl-Kuno war ja in seinem Käfig in Sicherheit, sodass keinerlei Gefahr für Karl-Kuno zu befürchten war. Noch war Kater Felix der Chef im Haus, was sich in Zukunft aber ändern sollte.

Den ganzen Tag konnte sich Karl Kuno in der Küche frei bewegen. Kater Felix war zu dieser Zeit meist in der Stube, wenn er nicht gerade auf Erkundung oder auf Mäusejagt war. Alleine konnte man die zwei Gesellen nicht lassen, denn das hätte kein gutes Ende für Karl-Kuno bedeutet. Ist ja nichts passiert alles noch friedlich im Hause. Rabe Karl-Kuno hatte seit Kurzem seine Liebe für glänzende Dinge jeglicher Art entdeckt. Mutters Nagelfeile hatte er sich auch schon angeeignet, unter dem keinen Heuhäufchen hatte er die Nagelfeile gebunkert. Mal sehen wenn es Mutter bemerkt. Noch viele glanzenden Sachen trug Karl-Kuno in seinen Käfig. Immer freitags wurde der Käfig gesäubert, dann kamen alle von Karl-Kuno geklauten Sachen wieder ans Tageslicht. Karl-Kuno machte seiner Vogelart alle Ehre, denn er klaute wirklich wie ein Rabe. Was kann man dagegen tun? Da hilft nur ordentlich alles wegpacken & nicht herumliegen lassen.

Alles an Dingen die nicht mehr auffindbar waren, hatte Karl-Kuno unter Beschlag genommen. Mal diesen Streich, mal jenen Streich heckte Karl-Kuno aus, egal was er angestellt hatte man konnte ihm ja nicht böse sein, wenn er mit schräggestellten Köpfchen und seinen großen Knopfaugen einen treuherzig anschaute, er war nun mal ein Rabe. Langsam wurde er zu groß für Käfig & Küche, auch deshalb weil seine jetzigen Streiche doch schon böses anrichteten. Der Zucker aus der Zuckerdose war in der ganzen Küche verstreut, die Blumenvase vom Tisch geschmissen und zerbrochen. Die Blumen aus der Vase waren halb aufgefressen. So konnte es nicht mit Karl-Kuno nicht weiter gehen. Karl-Kuno wurde in den Pferdestall umgesiedelt.

Das im Pferdestall an der Decke hängte Wagenrad wurde Karl-Kunos neues zuhause. Auf dem Wagenrad ein Nest aus Stroh & Heu selbst gebaut von Karl-Kuno. Es war das neue Territorium des Raben Namens Karl-Kunos. Kater Felix hatte sich mal an Karl-Kuno versucht, aber nicht mit mir dem Raben Karl-Kuno! Mit kräftigen Schnabelhieben verteidigte Karl-Kuno sein Revier und war der stille Boss im Pferdestell, denn auch die Pferde narrte er das eine oder andere Mal.

Wer es ihn beigebracht hatte weiß ich nicht, doch eines Tages sprach er: ich Karl-Kuno der Gute. Vieles quasselte er noch, man musste ganz genau zuhören um es verstehen zu können. Aus dem einst so kleinen hilflosen Raben, war ein großer schlauer Rabe geworden. Ein ganzes Jahr lebte Karl-Kuno im Pferdestall, bis seine Auspflüge immer länger wurden. Eines Tages kehrte er aus dem nahegelegenem Wald nicht mehr zurück. Sein Nest im Pfer-destall blieb für immer verwaist.

Uroma Friderike packte den restlichen Apfelkuchen in meinen kleinen bunten gehäkelten Beutel. Trank den restlichen Kakao aus der Tasse mit dem Bild vom Clown mit der roten Kullernase, und fuhr mit dem Roller wieder nach Hause.
-ENDE-


© Arree


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