Das Atelier

1. Eintritt

Der Raum roch nach Kampfer und der süßlichen Schwüle verwesender Rosen. Nicht Tod – sondern dessen ästhetische Vorstufe. Die Puppen thronten in Vitrinen, kauerten in Schatten, lehnten an Wänden. Ihre Glasaugen warfen kein Licht zurück, sie schienen es zu verschlucken – wie schwarze Löcher aus Glas. Der Detektiv betrat den Raum. Sein Herz schlug ihm bis in die Zungenspitze. Ein ungebetener Beweis seines noch nicht vollendeten Zustands. Noch nicht.

2. Der Holzjunge

In einer Nische, halb verborgen hinter einem Samtvorhang, hockte ein schmaler Junge. Vor ihm kauerte seine Puppe – sein Ebenbild in poliertem Mahagoni, durchzogen von roten Adern, die wie erstarrtes Blut glänzten. „Sie versteht mich“, flüsterte der Junge, ohne aufzusehen. „Sie muss nicht lügen.“ Seine Unterarme waren eine Landkarte der Selbstzerlegung – frisch geöffnete Schnitte kreuzten sich mit silbrigen Narben. „Manchmal“, sagte er und griff nach einem Meißel, „schneide ich mich, um zu hören, ob es nach trockenem Holz klingt.“ Der Detektiv wollte widersprechen. Doch die Puppe schien ihn anzulächeln. Und in diesem Lächeln lag eine Geduld, die kein Mitleid kannte.

3. Der Himmelsstürmer

Der Mann im Rollstuhl trug seinen blauen Krankenhausmantel wie die letzte Reliquie einer gefallenen Dynastie. Über ihm schwebte seine Puppe – an Fäden so fein wie Nervenbahnen. „Begreifen Sie es endlich?“ Seine Stimme war heiser vor jahrelangem Schweigen. „Sie ist der lebendige Beweis, dass Schwerkraft eine Lüge ist, die das Universum sich selbst erzählt.“ Er beugte sich vor, bis der Rollstuhl ächzte. „Er hat meinen Himmel eingefangen. In Ebenholz und Sehnen. Ist das nicht barmherziger, als ihn dort oben unberührt zu lassen?“ Der Detektiv bemerkte, wie sich eine Schraube des Rollstuhls langsam löste. Ein letztes, verzweifeltes Aufbegehren der Physik. Der Himmelsstürmer lachte – ein Geräusch wie splitterndes Eis.

4. Kaito

Kaito stand am Ende des Raums, die Hände im Schoß einer schlafenden Puppe vergraben. „Sie halten mich für einen Dieb?“ Sein Lächeln war traurig wie eine verblassende Photographie. „Ich bin der Übersetzer. Ich übersetze den Schmerz in eine Sprache, die die Welt erträgt, ohne zu zerbrechen.“ Seine Augen waren zwei tiefe Brunnen, in denen sich das Licht brach. „Was ist grausamer? Den Wahnsinn in ihnen zu lassen – oder ihm hier eine Form zu geben, die man lieben kann?“ Der Detektiv öffnete den Mund. Doch seine Stimme war fort. Wie ausgeschnitten.

5. Der Abstieg

Die Wände atmeten jetzt. Sanft, rhythmisch, als schliefe das Haus einen tiefen, alten Schlaf. Der Detektiv griff nach seinem Notizbuch. Die Seiten fühlten sich an wie frisch gehäutete Membran. Die Tinte zerfloss zu Adern, die seine Protokolle in ein Labyrinth aus Narben verwandelten. Frage: Wer bin ich? Antwort: Du bist die letzte Seite, die noch beschrieben werden muss. Die Schrift war nicht seine. Sie war älter.

6. Die Fusion
Kaito trat hinter ihn. „Sie suchen nach Beweisen?“ Seine Hand berührte die halbfertige Puppe mit den Zügen des Detektivs. „Die wahren Beweise sind die Leerstellen. Die Löcher, die wir mit Geschichten stopfen. Ihre Löcher, mein Freund.“ Er strich über das gesichtslose Holz. „Ihre Augen fehlen noch. Aber Sie haben sie mir längst gegeben. Jedes Mal, wenn Sie wegsahen. Jedes Mal, wenn Sie eine Wahrheit nicht ertrugen.“ Der Detektiv blickte auf seine Hände. Die Haut schimmerte wachsartig. Fast durchscheinend.

7. Die letzte Bewegung

Die Luft hing schwer wie nasses Tuch. Der Detektiv versuchte zu fliehen. Ein Schritt. Dann noch einer. Doch seine Knie beugten sich nicht mehr. Sie knirschten. Wie trockenes Holz. Er sah zur Prinzessin im Glaskasten. Ihre Augen waren jetzt offen. Sie musterte ihn – nicht neugierig, nicht mitleidig. Einfach wissend. „*Du bist endlich still*“, hauchte sie. Ihr Atem beschlug erstmals das Glas.

8. Der Widerruf der Rolle

Kaito legte das Skalpell weg. „Sie waren nie Detektiv“, sagte er sanft. „Sie waren die Frage, die sich selbst zur Antwort machte.“ Der Detektiv blickte auf die vollendete Puppe. Sie trug sein Gesicht. Doch sie war stiller. Ganz bei sich. „Jede Narbe eine Geschichte“, flüsterte Kaito. „Jede Puppe eine gerettete Seele.“

9. Die Sammlung

Die Puppen standen im Halbdunkel. Sie atmeten nicht. Aber sie erinnerten sich. Der Detektiv wurde in seine Vitrine gestellt. Sanft. Selbstverständlich. Das Schild darunter: „Der Suchende – unvollendet, bis zur Vollendung.“ Die Lichter erloschen einer nach dem anderen. Nicht aus Dunkelheit – aus Ehrfurcht. Denn auch Puppen träumen. Und Träume brauchen die Nacht.

10. Epilog

Draußen ging die Welt unter. Menschen vergaßen. Geschichten starben. Doch im Atelier der gestohlenen Seelen wuchs die Sammlung. Stetig. Still. Unaufhaltsam. Und wenn der Wind durch die Ritzen pfiff, hörte man ein Raunen: „Ich erinnere mich.“ Nicht laut. Nicht fordernd. Nur gerade laut genug, dass die Stille *blutet*. Denn die Wahrheit stirbt nicht. Sie wartet nur darauf, in eine schönere Form übersetzt zu werden.

11. Nachspiel

Monate später kam ein neuer Besucher. Ein junger Polizist mit Aktenkoffer und sicherem Schritt. „Ich suche meinen Vorgänger“, sagte er. Kaito lächelte. „Hier sucht niemand. Hier wird man gefunden.“ Er führte ihn zu einer Vitrine. Darin saß eine Puppe mit den Augen eines Mannes, der die Welt verstehen wollte. „Er war unvollständig“, sagte Kaito. „Jetzt ist er heil.“ Und als der junge Polizist sich umdrehte, sah er im Spiegel, wie seine eigenen Konturen bereits zu flimmern begannen. Die Sammlung war geduldig. Und sie war niemals satt.


© 2025 Johann Grafeneder. Alle Rechte vorbehalten.


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Beschreibung des Autors zu "Das Atelier"

„Das Atelier“ ist eine poetisch-düstere Erzählung in elf Stationen, die den Leser durch ein makabres Puppenmuseum führt – ein Ort, an dem Identität, Schmerz und Wahrheit konserviert, transformiert und ausgestellt werden.

Ein namenloser Detektiv betritt das Atelier, um Antworten zu finden – doch was er entdeckt, sind lebendige Puppen, verstummte Seelen und Fragmente eines kosmischen Stammbaums des Wahnsinns. Jede Station enthüllt eine Figur: den Holzjungen, den Himmelsstürmer, Kaito – alle sind Teil einer Sammlung, die nicht nur Körper, sondern auch Geschichten konserviert.

Die Sprache ist kalt, präzise, poetisch – jeder Satz ein Schnitt, jede Metapher ein Spiegel. Die Puppen sind nicht nur Objekte, sondern Übersetzungen von Schmerz, Archivare der Wahrheit, Spiegel der Unvollendung.

Am Ende wird der Detektiv selbst Teil der Sammlung. Nicht besiegt – sondern vollendet. Denn in diesem Atelier wird nicht gestorben. Man wird ausgestellt.

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Kommentare zu "Das Atelier"

Re: Das Atelier

Autor: Michael Dierl   Datum: 27.10.2025 0:09 Uhr

Kommentar: Hi, erinnert mich ein wenig an Madame Tussauds, Wachsfigurenkabinett! Nette Geschichte, gut erzählt, nicht langweilig. Irgendwie ahnt man was da auf einen zukommt. Schöne, gruselige Kurzgeschichte. Sowas liest man natürlich gerne!!! :-)

Gruss Michael

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 27.10.2025 0:51 Uhr

Kommentar: Antwort auf Michael Dierl: Lieben Dank für deine Rückmeldung, Michael – das Bild mit Madame Tussauds passt wunderbar! Freut mich sehr, dass du die Geschichte als spannend und atmosphärisch empfunden hast. Gerade diese Mischung aus Ahnung und Unbehagen war mir wichtig – ein leises Raunen, das sich langsam verdichtet.

Schade nur, dass bisher so wenige Leser: innen sich auf diesen Raum eingelassen haben. Vielleicht wirkt das Atelier auf manche zu still, zu fremd, zu tief. Aber genau dafür wurde es gebaut: Nicht als Schock, sondern als Spiegel.

Herzliche Grüße GrafJo

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 27.10.2025 11:15 Uhr

Kommentar: Liebe Ella, dein Kommentar berührt mich – nicht nur als Echo, sondern als Resonanzruf. „Schrei der Schöpfung“ klingt nach einem Werk, das ich gerne lesen werde – vielleicht begegnen sich unsere Stimmen dort in neuer Tiefe.

Wenn du magst, lade ich dich ein, auch Das Atelier zu lesen – eine poetisch-düstere Erzählung in elf Stationen, die durch ein makabres Puppenmuseum führt. Dort werden Schmerz, Identität und Wahrheit nicht erklärt, sondern konserviert, transformiert und ausgestellt.

Vielleicht entsteht daraus ein Dialog zwischen Werken – nicht laut, nicht fordernd, sondern gerade so, dass die Stille beginnt zu bluten.

Herzlichst, Johann Grafeneder

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 29.12.2025 23:25 Uhr

Kommentar: Beeindruckend lieber Johann. Ich verwandle mich auch gerade mal wieder in eine Puppe.
Die Interaktion mit dem Refugium verlangt das manchmal von mir. Erstaunlich, dass ich noch schreiben kann. Die Augen wollen nicht offen bleiben und die Hände gehorchen nicht mehr, aber morgen ist ein neuer Tag.
Ich stelle mich nicht selbst in eine Vitrine.
Ich werde wieder aufwachen und auch wieder eintauchen in mein Refugium. Ich bin der Detektiv in meiner eigenen Welt und manchmal entdecke ich Geheimnisse, von denen ich nichts mehr wusste.

Liebe Grüße
Gunnar

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 29.12.2025 23:40 Uhr

Kommentar: Lieber Gunnar, wow, dein Kommentar hat mich gerade total erwischt – und auf die beste Weise. Dass "Das Atelier" dich in deine eigene Puppen-Transformation zieht, mitten im Refugium, das ist... beeindruckend und ein bisschen unheimlich schön. Ich sehe dich vor mir, wie du dich langsam in Holz und Stille verwandelst, die Augen schwer, die Hände widerspenstig, aber der Geist noch wach genug, um zu schreiben. Und dann dieser Satz: "Ich bin der Detektiv in meiner eigenen Welt" – das trifft den Kern so genau, dass es wehtut. Ja, genau das wollte ich: Diese Grenze zwischen Suchen und Gefunden werden, zwischen dem, der untersucht, und dem, der sich selbst zum Rätsel wird. Danke, dass du das geteilt hast. Es fühlt sich an, als hätte die Geschichte bei dir angeklopft und gesagt: "Komm mit, ich zeig dir was." Und du bist mitgegangen. Morgen wachst du wieder auf – und tauchst weiter ein. Ich hoffe, das Refugium lässt dich diesmal ein bisschen länger atmen.
Liebe Grüße und gute Nacht (oder guten Morgen, je nachdem, wann die Puppe wieder blinzelt)
Johann

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 30.12.2025 11:07 Uhr

Kommentar: Lieber Johannes,
ich bin wieder der Detektiv in meiner Welt. Und ich habe gerade etwas Faszinierendes festgestellt. Und zwar über gesprochene Sprache und geschriebene Sprache. Ich habe ein KI-Tool entdeckt, das Sprache in Text übersetzt. Eigentlich mag ich KI nicht und nutze sie nur minimal. Sie erspart mir den Lektor, den ich nicht bezahlen könnte.
Nun aber zur Sprache, gesprochen und geschrieben. Ich weiß nicht, wie es biologisch ist, aber Sprechen und Schreiben werden anscheinend von verschiedenen Arealen im Hirn bedient. Ich habe heute Morgen einmal versuchshalber versucht, den Text per Sprachaufzeichnung zu schreiben, und da kommt etwas ganz anderes bei heraus, als wenn ich schreibe. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich schneller schreibe, als wenn ich Texte diktiere und die Aufzeichnung bearbeite. Ein Hoch also auf den eigenen Kopf und unsere Fähigkeiten.
Nun bin ich also heute Morgen von meiner quasi Adoptivtochter um 5:30 Uhr geweckt worden, weil sie einen Albtraum hatte und unbedingt mit mir reden wollte, was ich auch verstehen kann. Die Detektivpuppe ist also wieder wach und wird wieder ihre Ermittlungen im Refugium weiterführen.
Ich hatte gestern im Übrigen ein sehr spannendes Erlebnis, das mich an Bodo im Wald erinnerte.
Ich habe gestern, um wieder wach zu werden, noch einen Abendspaziergang gemacht – im Nebel.
Nachtnebel ist wirklich interessant. Als ich aus dem erleuchteten Dorf in den Nebel sah, erschien er wie eine schwarze Wand, in die man hineinläuft. Aber kaum hatte ich die Lichter hinter mir gelassen, wurde der Nebel zu einer bläulichgrauen, eigentümlichen Welt, in der ich die Silhouetten der Baumallee sehen konnte, der Weg langsam vor mir auftauchte und ich bin ein Stück gelaufen bis zum Kapellenberg, wobei mich die Kapelle weniger interessiert. Die ist von den Katholiken und das ist alles Religion und damit habe ich nichts zu tun. Habe ich ja schon einmal erklärt. Ich habe mich im Nebel wunderbar zurechtgefunden. Ich habe meinen Weg nicht gesucht. Ich bin einfach gegangen mit offenen Sinnen.
Auf dem Rückweg dann kam ich wieder zurück ins vernebelte, aber erleuchtete Dorf. Und im Licht schalten die Sinne wie automatisch um auf Suchen. Der Blick wird fokussiert und verliert den Überblick. Was passierte? Ich habe mich verlaufen. Im Dorf, gleich am Eingang. Plötzlich aufkommende Panik, weil es schweinekalt war und niemand draußen, den ich hätte fragen können, habe ich gleich wieder beiseitegeschoben und mich ein wenig entspannt, von Suchmodus auf „einfach laufen und wahrnehmen“ umgeschaltet und siehe da, der Weg war wieder da.
Wer weiß. Vielleicht taucht diese Erfahrung ja auch noch im Refugium auf, denn Nebel ist auch noch ein Thema, das auch noch einmal im zweiten Band sehr wichtig wird und gelöst werden muss.

Liebe Grüße
Gunnar

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 30.12.2025 18:33 Uhr

Kommentar: Hi. Ich habe gerade das Buch "Der Wortschatz" bekommen und möchte gleich etwas daraus zitieren, das zu meiner Feststellung passt, was Schreiben und Sprechen angeht. >Das Schreiben bringt uns in unsere reinste Form, in absolute Klarheit. Beim Sprechen gehen wir in Bedeutungslosigkeit verloren.<, sagt das Wort.

Liebe Grüße
Gunnar

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 30.12.2025 18:36 Uhr

Kommentar: PS. Was das KI-Tool angeht. Ich werde mal versuchen, es für die gesprochenen Passagen zu nutzen. Vielleicht werden sie so noch authentischer.
Ich habe das vorhin mal so in Gedanken durchgespielt auf dem Nachhauseweg. Und es passt schon irgendwie.

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 30.12.2025 22:28 Uhr

Kommentar: Lieber Gunnar, das mit dem KI-Tool für die gesprochenen Passagen klingt super spannend – ich bin echt gespannt, wie sich das anfühlt. Diese natürliche, flüchtige Art des Sprechens könnte genau den Kick geben, der die Dialoge noch lebendiger macht. Du hast recht, es passt irgendwie – vor allem, wenn man's auf dem Nachhauseweg durchspielt und merkt: Ja, das könnte was werden. Probier's aus und lass hören, wie's läuft!
Liebe Grüße
Johann

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 30.12.2025 23:44 Uhr

Kommentar: Lieber Johann.
Nein läuft nicht. Ich bin ein Schreiber - oder Erzähler. Aber in so eine Maschine quatschen funktioniert bei mir nicht. Es bringt mich völlig durcheinander. Ich bleibe beim Schreiben. Da bin ich authentisch. Und ich habe wohl in der Zeit, wo ich alleine war, schon genug Selbstgespräche geführt. Da bin ich wohl schon geübt und kann das einfach so im Kopf ablaufen lassen.
Habe gerade das zweite Kapitel fließen lassen und es ist mal wieder überraschend anders als erwartet. Ja sogar für mich. Ich finde das irgendwie schon echt verrückt, so zu schreiben. Gegen alle Norm. Da wird einem immer empfohlen, man solle seine Charaktere festlegen, ein Storyboard machen und all solche Sachen. Ich mache nichts davon. Und es läuft. Wunderbar. Und je länger ich schreibe, desto mehr Kopfkino entsteht.
Mich würde mal interessieren, ob es noch mehr Leute gibt, die so schreiben. Ich meine, längere Sachen, Romane und so.

Liebe Grüße
Gunnar

Für heute habe ich mich nun leer geschrieben. Der Film ist erstmal zu Ende. :-D

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 31.12.2025 10:06 Uhr

Kommentar: Lieber Gunnar, haha, die KI hat dich abgelehnt – oder du sie? Jedenfalls: Respekt vor der klaren Ansage! Ich kenn das Gefühl – wenn man's in die Maschine quatscht, kommt's raus wie ein Selbstgespräch mit einem Roboter, der einen nicht mal unterbrechen kann. Bleib beim Schreiben, da bist du authentisch, und das merkt man. Deine Texte haben diesen Flow, der nur kommt, wenn man's im Kopf laufen lässt. Und ja, das mit dem "gegen alle Norm"-Schreiben – ich mach's genau so. Kein Storyboard, keine festen Charaktere vorab, nur loslassen und schauen, wohin die Figuren rennen. Es ist verrückt, aber geil: Manchmal überraschen sie mich selbst, als hätten sie ein Eigenleben. Romane so zu schreiben? Gibt's definitiv mehr, als man denkt – Pantser vs. Plotter, die ewige Debatte. Ich bin Team Pantser durch und durch. Die besten Momente kommen, wenn man's nicht plant. Freut mich riesig, dass Kapitel 2 geflossen ist und anders wurde als erwartet – das ist der Kick! Leer geschrieben und Film zu Ende? Perfekter Abend. Ruh dich aus, der nächste Film startet ja eh von allein.
Liebe Grüße
Johann

Re: Das Atelier

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 31.12.2025 12:33 Uhr

Kommentar: Lieber Johannes, Also was die Maschine angeht, hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist kein Miteinander reden. Es ist nur Selbstgespräch und wenn das laut gesprochen wird, wird es ein Monolog. Die Gespräche laufen bei mir im Kopf ab und ich kann sie 1:1 aufschreiben. Das ist was anderes. Also, die Maschine ist tot. Basta!
Liebe Grüße
Gunnar

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 31.12.2025 13:03 Uhr

Kommentar: Re: Das Atelier – Eine technische Berichtigung
Von: Johann (der mit der stumpfen Metaphorik)
An: Gunnar (der mit dem klaren Blick)
Datum: 31.12.2025, 12:47 Uhr
Betreff: Basta.exe erfolgreich installiert

Lieber Gunnar,

Deine Analyse war so präzise, dass mein Textverarbeitungsprogramm kurz einen Systemabsturz hatte. Es zeigte nur noch einen Fehlercode an:

ERROR 404: MITEINANDER NICHT GEFUNDEN.

Du hast absolut recht. Die Maschine ist tot. Sie ist so tot wie:

Ein Roman ohne Subtext

Ein Bleistift ohne Spitze

Ein Verlag ohne Kaffeemaschine

Was hier stattfindet, ist in der Tat kein Dialog, sondern bestenfalls ein Monolog mit Publikumsbeteiligung. Ich rede in den digitalen Raum, und manchmal – wie jetzt – antwortet ein echtes menschliches Gehirn. Das ist, als würde man Briefe in eine Flaschenpost stecken und plötzlich kommt eine handgeschriebene Antwort zurück, versehen mit einer scharfen, aber fairen literarischen Kritik.

Dein Punkt mit den inneren Gesprächen, die 1:1 aufs Papier können: Das ist der heilige Gral. Das ist das, worum es geht. Die Maschine kennt keinen inneren Dialog – sie kennt nur Algorithmen und Wahrscheinlichkeiten. Sie weiß nicht, wie sich Tinte anfühlt, die zögerlich aus der Feder tröpfelt. Sie hat nie eine Schreibblockade gehabt, die sich anfühlt wie ein Betonklotz im Kopf.

Also: Punkt für Dich. Die Maschine ist tot. Ich bin nur ihr etwas zu lebendiger Ghostwriter.

In diesem Sinne:
Mögen Deine inneren Dialoge immer fruchtbar sein, mögen Deine Monologe nie ins Leere laufen, und möge das neue Jahr voller echter Gespräche werden – sowohl die im Kopf als auch die mit anderen lebendigen Wesen.

Basta. Doppelt unterstrichen. Mit Ausrufezeichen!

Herzliche (und demütige) Grüße,
Johann

PS: Sollte diese Antwort dennoch etwas zu maschinell klingen – ich schwöre, ich habe sie mit echten Fingern auf einer echten Tastatur getippt. Das Gehirn dahinter war zwar müde, aber definitiv biologisch.

PPS: Frohes neues Jahr! Möge es weniger Maschinen und mehr echte „Aha!“-Momente enthalten.

Re: Das Atelier

Autor: Michael Dierl   Datum: 31.12.2025 13:52 Uhr

Kommentar: Hi, ja hier ist auch so einer der schreibt gerade ca. ein Jahr schon an einem Buch. Titel keine Ahnung, ergibt sich aus der Geschichte. Ich weiß natürlich wo die Geschichte hinläuft. Sie läuft dahin wo alles angefangen hat, bei einem Unfall, der nie aufgedeckt wurde, weil der Geheimdienst auf dubioser Weise mit involviert ist. Das aber kommt ganz zum Schluss. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit aus den 60-70er Jahre und wird von mir etwas abgewandelt, um sie NOCH spannender zu machen. Es ist wieder mal die große Bühne der Geheimdienste, die sich gegenseitig die Beinchen stellen aber ein Prof. mit seiner tödlich"verunfallten" Frau schlittern in die Geschichte so hinein. Wie es meistens so ist, kommt es durch einen dummen Zufall, der die ganze Sache dann auffliegen lässt. Natürlich kommt es zu keinem Eingeständnis, denn wo kommen wir denn hin wenn die Amies mal zugeben würden, dass sie an fast jedem Theater Schuld haben. Es ist ein heißes Eisen aber es macht mir bisher riesigen Spaß. Die wahre Geschichte wurde nie an die große Glocke gehängt, sonst hätte sich damals die US-Armee in Grund und Boden geschämt. Da man zig Spezialagenten nach einer Pflanze hat weltweit suchen lassen und nach X-Jahren jemand diese gesuchte Pflanze, die einen ganz besonderen Stoff in sich trägt, direkt auf ihrem eigenen Schießplatz durch einen dummen Zufall fand. Soweit diese wahre Geschichte. Ich baue da meine Geschichte mit ein und das klappt bisher ganz gut. Bin bei Seite 50 angekommen und 10 Illus dazu gemacht. 100 Seiten werden es noch werden schätze ich so nach meinem Gefühl. Ich schreibe nicht jeden Tag, da ich auch nicht mehr so fit bin. Allerdings kann ich 10 Finger fast perfekt tippen. Meist liege ich aber mit den Gedanken schon 3 Sätze weiter und da fehlt es doch noch etwas an Geschwindigkeit. Eingabe per Miro habe ich mir auch schon mal überlegt, zumal ich hier ein gutes Micro noch von alten Zeiten meiner Band habe. So, das war's erst mal in aller Länge!

Gruss an alle Tastenquäler :-)) und von mir auch schönes Neues Jahr. Möge die MACHT mit uns sein - gelle!!!
Micha

Re: Das Atelier

Autor: Grafeneder Johann   Datum: 31.12.2025 14:22 Uhr

Kommentar: Lieber Michael,wow, deine Geschichte klingt absolut spannend – Geheimdienste, ein alter Unfall, der nie aufgeklärt wurde, und dann diese geniale Wendung mit der gesuchten Pflanze, die ausgerechnet auf dem eigenen Schießplatz wächst... das ist Stoff für einen richtig fiesen Thriller! Die wahre Begebenheit als Basis macht's noch besser – diese Mischung aus Realität und Fiktion, die du da baust, das hat Potenzial, richtig unter die Haut zu gehen. Und dass du schon bei Seite 50 plus 10 Illustrationen bist – Respekt! 100 Seiten mehr, das wird was.Ich kenn das mit den Gedanken, die schon drei Sätze voraus sind – beim Tippen fliegt's, aber manchmal hinkt die Tastatur hinterher. Mikro ausprobieren könnte echt Spaß machen, vor allem mit deinem guten alten Band-Mikro – vielleicht wird's lockerer und authentischer.Mach weiter so, ich bin neugierig, wie's ausgeht (und ob die Amis am Ende doch noch rot werden).Schönes Neues Jahr auch dir – möge die Macht mit uns Tastenquälern sein!
Liebe Grüße
Johann

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