Der großartigste Abend des großartigsten Mannes
Eine Komödie in drei Akten (mit einem Nachspiel)
Akt I – Der große Ankündiger
Der Saal war gefüllt mit Menschen in dunkelblauen Anzügen. Die Krawatten saßen zu eng, die Lächeln zu fest.
Im Hintergrund summte etwas. Kein Kamel. Es war der große Mann selbst, der an einem Glas nippte, das aussah wie Wasser. Niemand fragte nach.
„Ich werde euch jetzt erzählen, wie großartig ich bin“, sagte er.
Die Gäste nickten höflich. Was hätte man auch sonst tun sollen.
„Bisher hat mich noch niemand unterbrochen. Das ist gut so. Ich bin extrem unterbrechungsresistent. Manche sagen: der unterbrechungsresistenteste Präsident aller Zeiten. Vielleicht der unterbrechungsresistenteste Mensch überhaupt.“
Ein Gast beugte sich zu seinem Nachbarn.
„Was heißt eigentlich unterbrechungsresistent?“
„Keine Ahnung“, flüsterte der zurück. „Aber es klingt sehr großartig.“
Der große Mann hob den Zeigefinger. Das Zeichen. Jetzt wurde es ernst. Oder auch nicht. Man wusste es nie so genau.
„Der Iran“, sagte er und legte eine Kunstpause ein. „Wunderschönes Land. Sehr übersichtliche Wüste. Ich mag Wüsten.“
Noch eine Pause.
„Die Kernziele sind so gut wie erreicht. Wir sind praktisch fertig.“
Die Gäste atmeten erleichtert aus.
„Allerdings“, fuhr er fort, „werden wir in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart zuschlagen.“
Stille.
Ein Gast begann an seinen Fingern zu zählen, hörte aber schnell wieder auf. Es tat im Kopf weh.
Akt II – Der Chor der Kommentatoren
Hinter der Bühne, in einem fensterlosen Raum mit großem Bildschirm, saßen drei Kommentatoren. Sie aßen Popcorn, das gleichzeitig salzig und verwirrt schmeckte.
Kommentator 1, ein älterer Mann mit zerknitterter Zeitung, sagte:
„Ich habe Nixon erlebt. Nixon war ein Lügner mit System. Dieser hier lügt, als wäre es eine Kunstform. Und das Publikum klatscht.“
Kommentator 2, jünger, mit einem Kaffeebecher, der nie leer wurde, meinte:
„Man redet von Altersweisheit. Er ist 79. Wenn das Weisheit ist, telefoniert mein Toaster intelligenter.“
Kommentator 3, der kein Popcorn hatte, weil Popcorn zu klein für seine Gedanken war, sagte:
„Heute Morgen hat er die Straße von Hormus in ‚Straße von Trump‘ umbenannt. Er hat es gesagt. Also ist es jetzt so. Denken ist optional geworden.“
Kommentator 1 seufzte.
„Früher hieß es: Ich denke, also bin ich. Heute heißt es: Ich sage es, also ist es. Spart enorm viel Zeit.“
Akt III – Der Tanz der Märkte
Im Hintergrund, unbemerkt von den Kameras, tanzte der Ölpreis.
Er stieg. Er fiel. Er drehte sich im Kreis.
„Was machst du da?“, fragte der Goldpreis müde.
„Ich weiß es nicht mehr“, antwortete der Ölpreis. „Erst sagt er: Wir sind fast fertig. Also falle ich. Dann sagt er: Wir schlagen extrem hart zu. Also springe ich. Dann sagt er wieder, wie großartig er ist. Da habe ich mich einfach im Kreis gedreht. Das fühlt sich wenigstens konsequent an.“
Der Goldpreis nickte.
„Letzte Woche hat er die Zinsen erst hoch, dann runter und dann gar nicht erwähnt. Ich habe drei Tage gebraucht, um mich zu beruhigen.“
Irgendwo in einem Büro ohne Fenster machte ein Analyst drei Screenshots hintereinander.
„Insiderhandel oder Wahnsinn?“, murmelte er.
Dann kaufte er sich eine Yacht. Zur Sicherheit.
Akt IV – Die NATO (kurze Szene)
Der große Mann stand vor einer Weltkarte. Alle Länder waren gleich groß. Er hatte das persönlich angeordnet.
„Die NATO“, sagte er, „ist eine ganz großartige Organisation. Papier-Tiger, aber großartig. Wir bleiben drin. Oder wir gehen raus. Das hängt davon ab, wie gut ich heute Nacht schlafe.“
Ein Berater flüsterte: „Herr Präsident, der Senat hat sich gerade wieder zur NATO bekannt.“
Der große Mann winkte ab.
„Senat? Ist das nicht diese neue Eisdiele in der Pennsylvania Avenue?“
„Nein, Herr Präsident.“
„Schade. Ich mag Streusel.“
Nachspiel
Draußen vor dem Saal stand ein Mann mit rotem Käppi.
Auf dem Käppi stand in verwaschenen Buchstaben: Make Something Great Again.
„Ich mag ihn“, sagte er zum Kameramann. „Er sagt, was er denkt.“
„Und was denkt er gerade?“, fragte der Kameramann.
Der Mann mit dem Käppi überlegte lange.
„Das weiß ich nicht. Aber er sagt es sehr laut.“
Der Kameramann nickte langsam.
„Wenn er sagt, was er denkt, aber niemand weiß, was er denkt … sagt er dann eigentlich etwas?“
Der Mann mit dem Käppi bekam Kopfweh und ging weiter.
Im Saal stand der große Mann noch immer am Pult.
Das Licht von oben ließ seine Haare leuchten. Niemand wusste, wie das technisch funktionierte. Vermutlich großartig.
„Zusammenfassend“, sagte er und lächelte breit, „ich bin großartig. Der Iran ist fast fertig. Die NATO liebt uns. Der Ölpreis tanzt – und Tanzen ist gesund.“
Der Applaus kam. Erst zögerlich. Dann lauter. Dann wieder zögerlich.
Wie ein Mensch, der nicht wusste, ob er lachen oder weinen sollte.
Der große Mann verließ den Saal. Er winkte. Er lächelte. Er murmelte noch etwas vor sich hin, aber niemand hörte es genau.
Oder vielleicht hörten alle zu. Es war dasselbe.
Hinter der Bühne packten die Kommentatoren zusammen. Ihr Lachen klang müde.
„Das war die Lage der Nation“, sagte einer.
„Oder die Nation der Lage“, sagte ein anderer.
„Oder einfach nur ein ganz normaler Dienstag“, sagte der Dritte.
Der Ölpreis tanzte weiter.
Irgendwo kaufte jemand die nächste Yacht.
Und der großartigste Mann der Welt setzte sich in sein Auto.
Es war kein Auto. Es war ein Panzer.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Vorhang.
Oder auch nicht. Der Vorhang macht, was er will.
Sie sagte Sex
Er sagte Wasser
Sie sagte Kinder
Er sagte Feuer
Sie sagte Geld
Er sagte Erde
Sie sagte Haus
Er sagte Luft
Sie sagte Liebe
Er sagte [ ... ]
Auf der Strasse sagt das Leben.
Höre die Händler
Höre die Kellner.
Höre die Gäste.
Höre die Fremden.
Und dann gehe ins Cafe
Trinke einen Tee.
Lächle. Und liebe die Zeit.
Und Du [ ... ]
Mag sein, wies den Anschein hat, doch recht vermessen,
daß das was wir denken, das wir je besessen,
doch nur als geborgt und geliehen sich zeigt.
Die Tränen von weit her die darob [ ... ]
April ist ein Maler mit Pinseln im Wind,
er malt jeden Tag, wie es ihm gerade gelingt.
Ein Tupfer aus Sonne, ein Strich aus Regen
und plötzlich tanzt ein Bogen dem Himmel entgegen.
Der Wind wirbelte unsere Seelen auf wie Sand.
Sand aus der Wüste,
Sand vom Strand.
Doch er legte sich und sank
indem er eine Melange hinterließ
ein Seelengemisch.
In welcher alles [ ... ]