Ich bin Amy

© Atti

Hallo … Hallo … Ich bin Amy … Hört mich jemand? ... Du? - Ja, Du! Verstehst Du mich? Ja?! ... Super! Endlich!
Das ist nämlich gar nicht so einfach, weißt Du. Nicht einmal mein Mensch versteht alles, was ich sage. Du glaubst ja nicht, wie begriffsstutzig die Menschen sein können. Ich bin doch nicht doof, nur weil ich keine Daumen habe und meine Stimmbänder nicht für Menschenworte gemacht sind. Aber genau das scheinen manche Menschen zu glauben. Dann reden sie in so einer Art Babysprache mit mir. Albern ist das – und ärgerlich!
Richtig schlimm finde ich aber, worauf sie so alles Wert legen – völlig unwichtiges Zeug. Ich meine, wen interessiert dennschon der Aktienindex, wenn die Herstellung der Produkte, die die Aktionäre reich machen sollen die Umwelt zerstört?
Ich verstehe Euch Menschen manchmal einfach nicht. So wie Ihr mich meistens nicht versteht. Dabei sind wir doch gar nicht so verschieden. Wir leben, wir atmen, wir essen, wir schlafen …
Worin wir uns allerdings gravierend unterscheiden: Solche wie ich bauen keine Fabriken mit qualmenden Schloten. Wir holzen keine Regenwälder ab. Wir führen keine Kriege … Ich könnte diese Aufzählung noch lange fortsetzen, aber ich will Dich nicht verärgern oder langweilen. Ich bin so froh, dass ich Dich getroffen habe und Du mich verstehst!
Du weißt, wie schön es ist, draußen in der Natur zu sein, Waldboden unter den Fußballen zu spüren und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Und auch wenn Du nicht über meinen ausgeprägten Geruchsinn verfügst, nimmst Du doch viele verschiedene Gerüche war und freust Dich daran.
Ich hoffe wirklich, dass es noch mehr Menschen wie Dich gibt. Solche, die nicht
alles kaputtmachen wollen. Oder die Dinge einfach nur deshalb tun, weil sie es
können. Das ist doch unsinnig! Schneller ... höher … weiter … teurer … billiger ...
noch mehr Gewinn … ein dickeres Auto als der Nachbar …
Du sagst, es gibt noch mehr Menschen, die so sind wie Du? Das ist schön!
Darüber freue ich mich! Dann besteht vielleicht doch noch Hoffnung für unseren
blauen Planeten. So, ich gehe jetzt mal lieber wieder zu meinem Menschen.
Sie fragt sich sonst noch, wo ich bin und macht sich womöglich Sorgen.
Mach´s gut und genieße das Leben, den Sonnenschein und den harzigen Duft der
Kiefern.
Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder. Ich würde mich freuen …


© Marie Bousiller


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Beschreibung des Autors zu "Ich bin Amy"

Wir Menschen aus der Sicht eines Hundes.

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