Im Sommer 2010 bis 2015 hatte ich eine Phase der Erleuchtung und habe mich entschlossen so viel Zeit wie möglich mich in der Natur zu beschäftigen, diese zu geniessen und mich ganz der Natur und dem eins sein mit der Welt hinzugeben. Das Wandern in entfernten Gegenden der Wildnis und abseits der Zivilisation machte mir besonders Spass. Der Harte Kampf über Stock und Stein und die niemals endende Landschaft von Grün und das Gezwitscher von Vögeln liessen mich alle Sorgen vergessen die ich zuhause hatte. Viele Male auch habe ich selbst gejagt und gegessen was ich gefangen oder erlegt habe. Kleine Tiere wie Eichhörnchen oder Hasen, Fische und Vögel standen auf dem Speiseplan und schmeckten immer hundert Mal besser, wenn man dafür gekämpft hat, ich trieb das Ganze auch soweit das ich nur lediglich mit einem Messer und den Kleidern die ich am Leib trug Campieren ging und mich so zum äussersten triebe. Ich lernte viel über meine Seele und wie ich in Extremsituationen reagiere. Doch im letzten Sommer den ich allein in den Wäldern verbrachte hat mich ein Ereignis erschüttert das mich bis heute verfolgt und mich vom Landleben in die tiefste Innenstadt von New York zog, ich kann nicht mehr Leben ohne das Wissen das Menschen um mich herum sind. Auch wenn New York nicht das sicherste Pflaster ist, so ziehe ich dies dem Leben in der Nähe von Wäldern vor.

Im Sommer 2015 habe ich mich entschlossen einen Wochenendtrip in die Rocky Mountains zu mache und einen Zweitagemarsch zu machen, ich fuhr schon früh morgens am Freitag los um in das letzte zivilisierte Dorf zu gelangen das ich ausmachen konnte. Es waren eigentlich nur ein Paar Hüten und eine Schaffarm die ich fand und so sprach ich mit den Landherren der mir einen Parkplatz für mein Auto anbot, wenn ich wieder zurück über seine Farm kommen wolle. So tat ich und stellte das Auto in seiner Scheune ab und ging bereits früher als gedacht am Freitagabend los, nach nur ein paar Stunden wandern kam ich in die Nähe einer Felsigen Gegend, die ich als Schlafplatz nutzte und mich vor Wind und Regen schützte. Die Nacht verging ruhig ich beobachtete das Sternenmeer und konnte mich den normalen Geräuschen der Nacht hingeben. Ich genoss die Einsamkeit. Ein wegkommen von allem was den Menschen bedeutete und doch nichts zur Sache tut. Am nächsten Tag wurde ich schon früh geweckt durch den Schrei eines Vogels der wahrscheinlich gerade von einem späten Fuchs erlegt worden war, qualerfüllte schreie, doch dies ist die Natur. Erbarmungslos und tributfordernd.
Ich konnte bereits bis zum Mittag eine gute Strecke zurücklegen was mich sehr erstaunte da ich normalerweise nicht so grosse Strecken in so einer kurzen Zeit zurücklegte. Was erstaunlich war, war die Vielfalt der Pflanzen und des Terrains in dem ich mich befand. Einst eine kleine Steppe, gefolgt von blühenden Grass und dann wieder Nadelwälder. Noch nie habe ich eine solche Vielfalt von Terrain erlebt wie damals. Schon bald am späten Nachmittag ging das Terrain in dunkle Formate über, der Boden fing an schlammiger zu werden unter den Bäumen, schliesslich sank ich fast ein in dem ganzen Schlamm über den ich nun laufen musste, die Wälder fingen an ihr Grün zu verlieren und ich sah schon bald nur noch braune Stämme vor mir die mit ihren Ästen das Sonnenlicht abschirmten und nur wenig pflanzenleben am Boden zuliessen. Da die Vielfalt des Terrains so reich war, dachte ich das nach diesem Wald wieder eine Wiese kommen, ein Ort an dem ich Ein Nachtlager aufschlagen konnte und den Sternenhimmel aufsaugen konnte, würde. So lief ich weiter in diesen einsamen Wald, unwegsam und unschön und irgendwie fehl am platzt kam ich mir vor, meine Hosen waren schon bald braun und Nass von dem Schlamm der hoch spritze. Ich legte einen Gang zu und wanderte immer schneller da sich die Sonne nun bald neigte und mir nur noch wenig Zeit blieb um Holz zu sammeln und mein Nachtlager aufzuschlagen. Doch dieser Wald mit seinen Dünne Bäumen und der dichten Kronen erschien nicht zu enden. Schon bald war die Sonne am Horizont und die Sonnenstrahlen strichen quer durch die Bäume so dass ich den Sonnenuntergang durch den Waldhindurch beobachten konnte, wie weit ich doch gelaufen bin in dieser kurzen Zeit. Ich war erstaunt und gleichsam beruhigt darüber das ich wohl oder übel heute in diesem Dunkel Wald übernachten musste. Und so schlug ich mein Lager zwischen zwei Bäumen auf die eine einigermassen trockene Fläche zwischen sich hatten. Spannte ein Seil und legte mein Schlafzeug zurecht. Der Boden war beherrscht von vielen kleinen Ästen von denen ich auch wenn ich wollte kein Feuermachen konnte. So beschloss ich mich bald schlafen zu legen und morgens so früh es ging aus diesem dunklen kalten Ort zu verschwinden. Ich schlief unbequem und die Mücken surrten um mich herum, ich lag schon bald in einem halbwachen schlaf, komische träume blitzen auf und verschwanden so schnell wieder wie sie gekommen waren. In der späte der Nacht als der Mond nun tiefer Stand wachte ich auf, meine Blase meldete sich, ich bemerkte das die Mücken um mich herum keinen laut mehr von sich gaben, sie waren wie verschwunden. Als ich mit meinen Händen um meinen Penis dastand, sah ich den Wald in seiner Schönheit, oder was man davon als solche bezeichnen konnte. Die Silhouetten der Bäume stachen aus dem Hintergrund des Waldes ab und zeichneten ein Bild von dünnen Stämmen mit einem tiefdunkelblauen Hintergrund den der Mond ein wenig erhellte. Auch hier konnte man obwohl ich mich verlassen und einsam fühlte auch eine gewisse Faszination für die Natur erleben. Als ich mich auf das Bild dieses Waldes konzentrierte und meine Hose zugemacht hatte wurde ich auf einen komischen Baum in der Ferne aufmerksam, er schien viel kleiner als die anderen Bäume zu sein seine Krone schien nicht vorhanden und er wirkte schlicht weg fehl am Platz. Eigentlich konnte er hier nicht einmal existieren, ohne Sonnenlicht von den anderen Bäumen, seine Krone kam nur bis zur Hälfte der anderen Bäume um ihn herum. Ich schrieb die Sache aber schnell ab und wollte mich wieder Schlafenlegen. Als ich dort so da lag bemerkte ich eine stille, keine angenehme sondern eine die das Adrenalin durch deinen Körper pump. Ich hörte keinen einzigen Ton, alles um mich herum schien zu einem völligen Stillstand gekommen zu sein. Ich betrachtete nochmals die einzigartig schaurige Landschaft mit dem dunklen Hintergrund. Nur Langsam bemerkte ich das sich der Baum der meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, nicht mehr da war. Auch als ich wieder aufstand und mich zur stelle bewegte an der ich mich vorhin befand, konnte ich den Baum nichtmehr ausmachen. Mit suchendem Blick durchstreifte ich die Landschaft. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen das sich nun etwas bewegte, eine bewegende Silhouette schien zwischen den Bäumen hin und her zu wandern. Etwas Grosses, etwas Dünnen. Ich stand wie gelähmt da, meine Muskeln waren eisenhart angespannt, das Herz pochte als würde es nun seine letzten Schläge schlagen und mein ganzer Körper war auf Flucht eingestellt. Mein Kopf wollte rennen doch mein Verstand wusste das ich ruhig bleiben musste. Da war es wieder, ein huschen, von Baum zu baum. Das Ding war echt! Oder träumte ich doch nur, ich wusste es nicht. Es huschte nun noch schneller zwischen den Bäumen umher, doch ich vernahm keine Schritte ich hörte keinen Matsch spritzen oder auch nur ein Hölzchen brechen. Ich konnte meine Hand dazu zwingen in meine Hosentasche zu greifen und das Messer rauszuholen und aufzumachen. Nun sah ich nichts mehr, der Wald schien ausgestorben und Tod, und ich war das einzig Lebende in dieser von allem verlassender Gegend. Ich stand still, 10, 15 Minuten oder Stunden, die Zeit schien nicht mehr zu vergehen, ich war in dem Moment gefangen. Mit einem wischen hörte ich nun etwas. Etwas kratzte an der Rinde eine Baumes, ich hörte wie sie sich löste und in Stücken zum Boden viel, und dann sah ich es. Ein dünner langer Arm bewegte sich hinter einem Baum hervor und schien einen anderen Baum zu streifen, dieser Ton brennte sich in mein Gehirn und in meinem Kopf lösten sich alle Barrieren, Ich riss mich los und rannte mit zusammengekniffenen Zähnen und mit Fäusten los, in die Richtung aus der ich gekommen war ich rannte und rannte so schnell ich konnte, ich rannte in Bäume und riss mir Gesicht und Jacke auf. Ich traute mich nicht umzudrehen oder auch nur einen Blick nach hin zu werfen, da mich sonst der schiere Wahnsinn packte und mich noch tiefer in dieses Verderben riss. In meinen Augenwinkel konnte ich etwas sehen, etwas schwingen. Etwas Riesiges das mit gleichen Tempo neben mir herlief oder rannte oder schwebte, was auch immer, ich konnte die dünnen arme nur schleierhaft erkennen die das Ding schwang. Ich rannte und rannte, Zeit war in diesem Momentan nicht mehr real. Meine Angst und das DING das hinter oder neben mir war, trieben mich einfach an. Und da war der Waldrannt, wie lange rannte ich schon, strich ein schneller Gedanke durch meinen Kopf. Bis zum Morgengrauen rannte ich durch, mein ganzer Körper war erschöpft doch das Adrenalin in meinem Körper veranlassten mich dazu durchzurennen. Ich drehte mich nicht um bis ich wieder die Wiese erreichte auf der ich mich tags zuvor zum Mittag niedergelassen habe, dort brach ich hilflos und völlig zerstört zusammen.

Eine Rettungswacht muss mich gefunden haben. Am Montag hat der Farmer die Polizei alarmiert und diese hatten mich dann nach einer Suchaktion auf der grünen Wiese gefunden, erst im Krankenhaus kam ich wieder völlig zu mir, die Zeit zwischen der Rettung und als ich auf der Wiese lieg, schien wie eine Unendlichkeit, ich versank in wilde träume und liess mich treiben, ich akzeptierte in diesen träumen den Tod den ich erleiden werde, auch wenn ich doch gerettet wurde. Etwas Gutes musste mich beschützt haben in der Zeit als ich dort auf dieser Wiese lag, etwas mit dem ich im eins war, was auch immer es gewesen war, es rettet mich von dem ding in dem dunklen Wald. Ich weiss bis heute noch nicht wieso das Ding mich nicht einfach getötet hat. War das alles nur in meinem Kopf, war es Echt, oder doch nur ein paar fallende Äste. Die Polizei schrieb mich schnell als Drogenkopf ab da in dieser Region, viele der psychedelischen Pilze gefunden werden die in der dortigen Region von der Polizei beschlagnahmt werden. Ich schwieg, ich traute mich nicht mehr zu sagen. Vielleicht ist es besser so, oder nicht?


© Patrick - Wernli


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