Die Eintreibung nach der Austreibung V

© EINsamer wANDERER

»Was hat es eigentlich mit diesem Tribut auf sich?«, fragte Diane.

    »Dafür dass meine Dämonen die Menschen in Ruhe lassen, wollen sie natürlich auch eine Gegenleistung haben. Also erübrige ich immer wenn ich es entbehren kann etwas von meinem Erspartem und kaufe ... Geschenke für sie. Dann sind sie zufrieden und wollen niemanden mehr etwas antun. Für eine Weile.« Alex schloss die Autotür.

    »Und nach welchen Maßstäben suchst du so etwas aus?«

    »Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. In was für einer Stimmung ist der Dämon, wer schreit gerade am lautesten und warum, wer bekam zuletzt etwas, etc, etc.«

    »Wow. Das kannst du alles mitbekommen?«

    »Ich mache das schon seit frühster Kindheit. Natürlich lernt man dann irgendwann wie der Hase läuft. Unvoreingenommenes zuhören ist das Wichtigste. Genau das könnt ihr normalen Menschen nicht.«

    »Apropos Menschen, es fiel öfters das Wort Unmensch. Was hat es damit auf sich?«

    »Links, bitte. Ich habe schon früh aufgrund meiner Dämonen einen tiefen Graben zwischen mir und anderen gezogen. Ein Wolf hat nichts unter Schafen zu suchen. Ich bezeichne Personen wie mich als Unmenschen. Auf der einen Seite sind wir Menschen, aber andererseits sind wir keine und dieses Wort drückt es perfekt aus. Mensch sein und doch kein Mensch sein. Eine andere Art von Mensch. Wir sehen aus wie ihr und haben ähnliche Bedürfnisse, doch wir sind gleichzeitig völlig anders. Wir setzen andere Prioritäten als ihr. Beispielsweise brauchen wir keine Freundschaften, aber Macht ist für uns meistens sehr wichtig.«

    »Aha. Und wer würde deiner Meinung nach als Unmensch zählen?«

    »Jeder Mensch der per Definition kein guter Mensch sein kann, weil es seiner Natur widerspricht. Nach moralischer Sicht kannst du nicht gut sein, wenn du über wenig bis keine Empathie verfügst. Gut-sein baut auf Mitgefühl auf, damit kann ich leider nicht dienen. Außerdem würde ich Wilde noch hinzuzählen.«

    Diane lachte auf. »Wie? Meinst du so etwas wie Indianer?«

    »In der Antike als die menschlichen Kulturen noch jung waren, wurden alle als böse angesehen die sich unzivilisiert verhielten. Dieses Kernelement ist heute auch noch bei uns vorhanden, wenn auch in abgewandelter Form.«

    »Du meinst, Menschen die in Höhlen wohnen sind per se Schlecht.«

    »Die Zivilisation wurde erfunden um die animalische Natur des Menschen zu bändigen. Somit sind Menschen die sich wie Tiere verhalten, die jagen, töten und ficken wie es ihnen gefällt, schlecht.«

    »Wow! Also wow!«

    »Die nächste müssen wir wieder rechts.«

    Ein Moment der Stille trat ein, ehe Alex sie brach. »Es muss furchtbar für dich sein. Ich rede hier den ganzen Abend, aber bisher habe ich dir keine einzige Fragen gestellt.«

    Die Verwirrung war Diane inzwischen seltsam vertraut. »Was möchtest du wissen?«

    »Bereust du etwas?«

    Diane lachte verkrampft auf. »Nein.« Darauf folgte eine unangenehme Stille die sie nicht lange ertragen konnte. »Na gut. Ich bereue es so normal zu sein. Als Kind war immer alles voller Magie und Abenteuer. Es war alles so neu. Doch dann wird man Erwachsen und das Leben wird mit jedem Tag grauer und trister. Ich meine, dass hier ist der aufregendste Abend meines ganzen Lebens und ich wundere mich, wieso ich nicht tot bin. Ich sehe all diese verrückten Dinge und frage mich, wieso sie kein Teil meines Lebens sind. Jeden Tag schufte ich und Abends bin ich gerade mal fit genug um den Fernseher einzuschalten. Es reicht noch nicht einmal um meine Social Media-Accounts zu führen. Im Ernst, ich war seit mindestens einem Jahr nicht mehr auf Twitter, weil es mir zu anstrengend war. Ich hätte gerne mehr Aufregung in meinem Leben, ohne das Chaos, dass du mit dir herumschleppst, Alex.«

    »Bist du glücklich?«

    »Nein«, seufzte sie. Allerdings stahl sich sofort darauf ein Lächeln auf ihre Züge. »Aber hier und jetzt in diesem einen besonderen Moment. Da bin ich glücklich. Zum ersten Mal in meinem Lebe fühle mich wirklich lebendig und echt, verstehst du?«

    »Fahr rechts ran, da ist ein Diner. Ich habe Hunger.«

    Immer muss er alles kaputt machen, dachte Diane verdrießlich.

    
Fortsetzung folgt...


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Beschreibung des Autors zu "Die Eintreibung nach der Austreibung V"

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Finale.

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