Erich hob sich von seinem Stuhl, stellte sich hinter diesen und stand da mit seinem Rechten links vor seinem linken Beine. Seine Hände setzte er zuerst an seiner Taille an, dann ließ er diese in der Luft herab baumeln, das fühlte sich „unnatürlich“ an, so steckte er seine Hände letztendlich in seine Hosentaschen. Zu seiner Rechten die weiße Wand, die gar nicht mehr allzu weiß war, weil die jüngeren Schüler diese im Laufe der zwei Jahre, die seit der Renovierung des Hauses vergangen waren, verdreckt haben. Überall graue Striche, blaue Punkte und orange-braune Flecken. „Wo diese Flecken wohl herkamen?“, so dachte er. Einer seiner Versuche sich selbst abzulenken oder zumindest abgelenkt zu wirken. Nun lenkte er seinen Blick auf Julia, die in der ersten Reihe saß. Sie saß dort, links von ihr saß eine ihrer Freundinnen, vor dem Tisch stand die Andere. Sie unterhielten sich, Julia lachte.
Erich entschloss sich nach einiger Überlegung den Versuch zu wagen. Er quetschte sich durch den schmalen Spalt zwischen dem Stuhl seines Banknachbars, welcher daraufhin ein Stücken, vielleicht 20 Zentimeter, nach vorne rückte, ganz ohne, dass Erich fragte, hindurch. Das war er allmählich gewohnt. Erich ging geradewegs in Richtung Tafel. Sein Herz pochte nicht übermäßig, er schwitzte auch nicht stärker als sonst oder Ähnliches. Er wusste nämlich schon, dass er sich ja doch nicht trauen würde. Er würde doch an ihr vorbei gehen, zum Waschbecken an der rechten Seite und sich dort Alibi-mäßig die Hände zu waschen, diese abzutrocknen und sich dann wieder an seinen Platz zu setzen.
Zuerst aber kam er an der offen stehenden Türe vorbei. Davor ging ein junger Lehrbeamter vorüber. Dann stand einer seiner Mitschüler im Wege, so dass er einen anderen Weg durch das Gewirr der Tische und Stühle zu finden versuchte. Es gelang. Nun pochte sein Herz doch, er warf einen flüchtigen Blick auf Julia. Kurze Überlegungen und dann – dann ging er an das Waschbecken, wusch sich die Hände, drehte sich um und sah Julia an. Er ging auf sie zu, nun saß sie dort allein an ihrem Tisch, tippte auf ihre, von ihrem rot-weißen Pullover bedeckte, Schulter und sagte: „Ähhm, Julia?“ „Ja?“, erwiderte diese mit einem überraschten und zugleich verwirrtem Blick. „Hättest du Lust dich mal am Wochenende zu verabreden? Irgendwas in der Stadt machen?“ - „Öhh, okay.“ - „Also, ich meine mit mir.“ - „Is‘ schon klar“. Sie setze ihr süßestes Lächeln auf. „Okay!“, so Erich, er lächelte nun auch. „Okay!“, so Julia.


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Beschreibung des Autors zu "Die Frage der Jugend(lichen)"

"Da musst du durch als Lurch, wenn du ein Frosch werden willst."

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