Wieder einmal blickte sie in ihren Spiegel. Wieder dieses unzufriedene Gefühl. Wieder dieses Gefühl hier nicht hinzugehören. In diesen Körper. Müde warf sie einen kurzen Blick zu ihrem Kleiderschrank. Was würde sie Heute anziehen? Besser gesagt, was würde ihr davon noch passen? Ihre Lieblingshose die so schon so lange hatte passte ihr auf einmal nicht mehr. Selbst mit einem Gürtel rutschte sie nun schon herrunter. Sie drehte sich erschrocken um. Ihre Mutter rief zum Essen. Sie schien es noch immer nicht verstanden zu haben das sie einfach keinen Hunger hatte. Und dass das viele Eingerede auch nicht helfen würde. Doch sie konnte es nicht lassen. „Du bist doch schon viel zu dünn!“, „schau dir doch mal die anderen Mädchen an!“, „iss doch mal mehr!“. Mehr Essen? Noch mehr meinte sie wohl! Sie war nicht viel zu dünn, zumindest noch nicht so dünn das man so ein Theater machen müsste. Die anderen Mädchen? Sie fand sie allesamt besser, schöner, perfekter. Sofern es so etwas wie perfekt überhaupt gab. Sie atmete einmal tief durch und ging dann nach Unten, um sich die tägliche Predigt ihrer Mutter anzuhören.
Sie hörte ihr einfach nicht zu während sie in ihrem Essen stocherte und mit Not einige Bissen davon runter brachte. Wieder das gleiche Gerede. Sie hätte wieder abgenommen, sie müsse bald weg. Doch sie verdrängte es. Sie wusste es selber. Sie wusste selber das ihre Mutter recht hatte. Das sie bald vermutlich wirklich weg müsste. Weg in irgendeine Klinik. Doch das war ihr egal. Was sollte es sie auch kümmern? Sie konnte es schließlich nicht ändern. Sie hatte es lange Zeit versucht, sich Illusionen gemacht. Doch es brachte nichts, der Zwang war zu stark. Stärker als sie es war. Als sie es je sein wird. Sie hatte sich damit abgefunden, hatte aufgegeben. Es würde schon nichts passieren. Und falls doch...wäre sie eben selbst schuld. Das sagten ihr zumindest immer die anderen. Sie sei schuld. Als ob es ihr Spaß machen würde nichts mehr zu essen, immer dünner zu werden. Es war ein Zwang, eine Krankheit. Aber die meisten Menschen waren einfach zu dumm das zu erkennen. Sie warf ihrer Mutter ein mutloses Lächeln zu, stand dann auf und ging nach oben, um einen weiteren Tag zuende zu bringen. Einen weiteren Tag ohne Veränderung, ohne Hoffnung. Und so würde es weitergehen. Bis sie nicht mehr können würde...

Diese kurze Geschichte ist erfunden, das Mädchen und die Weise in der sie denkt auch. Aber dennoch kenne ich zwei Mädchen die ein ähnliches Problem haben. Zwei Mädchen die zu den wundervollsten Menschen zählen die ich jemals kennenlernen durfte. Zwei Menschen, die mir mit ihrer Art so viel geben. Bitte gebt nicht auf. Macht weiter, auch wenn es manchmal schwierig ist. Denn hier ist jemand der immer an euch denkt, der euch lieb hat und immer für euch da sein wird. Ihr seit großartig. Und so wie ihr seid seit ihr perfekt, auch wenn die anderen vielleicht etwas anderen sagen.
Danke das es euch gibt.
Hab euch lieb


© Michael Höngen


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