In den Tagen, als die Welt noch jung war und die Götter auf den höchsten Bergen wohnten, ragte inmitten des endlosen Meeres eine Insel empor, deren Schönheit selbst die Sterne vor Neid erblassen ließ. Atlantis nannten sie die Menschen, und wer ihren Namen aussprach, tat dies mit ehrfürchtigem Flüstern.
Die Insel war geformt wie ein gewaltiges Rad, durchzogen von konzentrischen Ringen aus Land und Wasser, die sich um einen mächtigen Berg in ihrer Mitte wanden. Auf diesem Berg thronte der Tempel des Poseidon, erbaut aus Gold, Silber und Oreichalkos, jenem rätselhaften rötlich schimmernden Metall, das nur in Atlantis zu finden war und im Sonnenlicht wie flüssiges Feuer leuchtete.
Der Sage nach war Atlantis einst die Heimat von Atlas, dem Sohn des Poseidon und der sterblichen Kleito. Der Meeresgott hatte sich in das schöne Mädchen verliebt, als er sie am Strand wandeln sah, ihr dunkles Haar vom Wind zerzaust, ihre Augen so tief wie das Meer selbst. Um sie zu schützen, formte Poseidon drei Ringe aus Wasser um den Berg, auf dem sie lebte, und zwei Ringe aus fruchtbarem Land dazwischen. Aus dieser Verbindung gingen zehn Söhne hervor, und Atlas, der Erstgeborene, wurde zum ersten König von Atlantis gekrönt.
Die Atlanter waren ein Volk von unvergleichlicher Weisheit und Macht. Ihre Architekten errichteten Paläste, die in den Himmel ragten, mit Kuppeln aus durchscheinendem Kristall, durch die das Sonnenlicht in tausend Farben brach. Ihre Ingenieure schufen ein Netzwerk von Kanälen, die das süße Wasser aus den Bergen in jeden Winkel der Stadt trugen. In den Gärten wuchsen Bäume mit goldenen Früchten, und die Brunnen spien Wasser, das ewige Jugend verhieß.
Die Bibliotheken von Atlantis bargen das Wissen der ganzen bekannten Welt. Gelehrte kamen von fernen Küsten, um die Schriftrollen zu studieren, auf denen die Geheimnisse der Sterne, die Sprache der Tiere und die Kunst der Heilung niedergeschrieben standen. Man erzählte sich, dass die Atlanter Schiffe bauten, die ohne Segel und Ruder durch die Lüfte gleiten konnten, und dass ihre Priester die Kraft besaßen, mit den Göttern zu sprechen.
Der äußere Ring von Atlantis war der Hafen, wo hunderte von Schiffen ankerten, beladen mit Schätzen aus allen Ecken der Welt: Gewürze aus dem fernen Osten, Elfenbein aus dem Süden, Bernstein aus dem kalten Norden. Die Händler priesen ihre Waren in einem Dutzend Sprachen, und der Duft von Sandelholz und Myrrhe wehte durch die Straßen. Die Atlanter selbst trugen Gewänder aus feinster Seide, geschmückt mit Edelsteinen, die in der Sonne funkelten wie gefangene Sterne.
Doch wie es bei allen Sagen geschieht, kam der Tag, an dem der Hochmut die Weisheit überwog. Die Könige von Atlantis, die zehn Brüder und ihre Nachkommen, trafen sich einst alle fünf Jahre im Tempel des Poseidon, um über die Geschicke ihres Reiches zu beraten. Dort, vor dem Altar, auf dem ein lebender Stier dem Meeresgott geopfert werden sollte, schworen sie ihre Treue zueinander und zu den Gesetzen, die ihr Ahnherr Atlas niedergeschrieben hatte.
Doch mit den Generationen schwand die göttliche Natur in ihrem Blut, und die menschliche Gier nahm überhand. Die Könige begannen, fremde Länder zu erobern, nicht mehr aus Notwendigkeit, sondern aus purem Machthunger. Sie errichteten Festungen an fernen Küsten und forderten Tribut von Völkern, die ihnen nie Unrecht getan hatten. Der letzte König, Gadeiros der Stolze, ließ sich eine Krone schmieden aus purem Oreichalkos, besetzt mit hundert Diamanten, und erklärte, er sei den Göttern ebenbürtig.
Die Götter auf dem Olymp sahen das Treiben der Atlanter mit wachsendem Zorn. Zeus, der Vater aller Götter, berief eine Versammlung ein. In seinem Palast, dessen Säulen aus Wolken geformt waren, sprach er: "Die Menschen von Atlantis haben vergessen, dass alle Größe ein Geschenk ist, das auch wieder genommen werden kann. Sie haben ihre Weisheit gegen Hybris eingetauscht, ihre Demut gegen Anmaßung. Es ist Zeit, dass sie lernen, was es bedeutet, sterblich zu sein."
Poseidon, obwohl er seine eigenen Nachkommen liebte, konnte dem Urteil nicht widersprechen. Mit schwerem Herzen erhob er seinen Dreizack, und die Erde begann zu beben.
Es war ein Tag wie jeder andere in Atlantis. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Märkte waren voller Leben, Kinder spielten in den Brunnen. Dann kam das erste Grollen, ein tiefes, unheimliches Dröhnen, das aus den Eingeweiden der Erde zu kommen schien. Die Menschen schauten sich ängstlich um. Vögel stoben in panischen Schwärmen auf. Hunde heulten.
Das Beben kam so plötzlich und mit solcher Gewalt, dass selbst die stärksten Gebäude ins Schwanken gerieten. Der Tempel des Poseidon, das Prunkstück der Insel, begann zu wanken. Risse zogen sich durch die goldenen Wände. Die große Statue des Meeresgottes, die ihn darstellte, wie er mit seinen Delphinen durch die Wellen fuhr, stürzte von ihrem Sockel und zerschellte in tausend Stücke.
Die Menschen flohen aus ihren Häusern, doch wohin sollten sie laufen? Die Straßen taten sich auf, verschluckten Karren und Pferde. Die kunstvoll angelegten Kanäle barsten, und Wasser schoss wie Geysire in die Höhe. Der Hafen, einst so stolz und geschäftig, versank als erstes. Die Schiffe wurden von gewaltigen Wellen erfasst und gegeneinander geschleudert wie Spielzeug in der Hand eines zornigen Kindes.
Ein gewaltiges Tosen kündigte das Ende an. Das Meer, jahrtausendelang von den Mauern Atlantis' ferngehalten, erhob sich wie eine lebende Wand. Die Welle, höher als die höchsten Türme, stürzte über die Insel herein. Sie verschlang die Paläste, die Gärten, die Bibliotheken mit all ihrem Wissen. Die Schreie der Menschen verhallten im Donner der Flut.
In einer einzigen Nacht, so berichten die alten Schriften, versank Atlantis in den Tiefen des Meeres. Die konzentrichen Ringe aus Land und Wasser, die kunstvollen Bauwerke, die unermesslichen Schätze – alles wurde von den Wellen verschlungen. Wo einst eine blühende Zivilisation gestanden hatte, war nun nur noch endloses, dunkles Wasser.
Einige wenige sollen überlebt haben, Fischer, die zur Zeit des Bebens auf dem offenen Meer waren, oder Händler, die gerade fremde Häfen besucht hatten. Sie trugen die Kunde von der Katastrophe in alle Welt. Manche sagen, diese Überlebenden seien es gewesen, die ihr Wissen zu anderen Völkern brachten – nach Ägypten, nach Griechenland, nach fernen Ländern im Westen. Sie lehrten die Menschen die Geheimnisse der Sterndeutung, des Ackerbaus, der Heilkunst. Doch den Ort ihrer Heimat verrieten sie nie.
Noch heute, wenn die Fischer in den Gewässern des westlichen Meeres unterwegs sind und die Sonne tief am Horizont steht, schwören manche, sie hätten in der Tiefe goldene Kuppeln schimmern sehen. Andere berichten von Nächten, in denen sie seltsame Gesänge hörten, die aus dem Wasser aufstiegen, melodisch und traurig zugleich – die Geister der Atlanter, die um ihre verlorene Heimat klagen.
Die Weisen sagen, Atlantis liege irgendwo im Westen, jenseits der Säulen des Herakles, dort, wo das bekannte Meer endet und die Welt der Mythen beginnt. Andere glauben, die Insel sei niemals wirklich versunken, sondern lediglich in eine andere Dimension gehoben worden, unsichtbar für sterbliche Augen, doch immer noch vorhanden.
Und so bleibt Atlantis, was es immer war: eine Sage, eine Warnung, ein Traum. Eine Erinnerung daran, dass auch die größten Reiche vergänglich sind, dass Hochmut vor dem Fall kommt, und dass die Götter nicht vergessen. Irgendwo in den Tiefen des Meeres ruhen die Überreste jener stolzen Zivilisation, bewacht von Poseidons Tritonen, gehüllt in ewiges Dunkel.
Doch wer weiß? Vielleicht wird eines Tages ein kühner Seefahrer oder ein mutiger Taucher die versunkene Krone von Atlantis finden, jene Krone aus Oreichalkos, die einst auf dem Haupt des stolzen Königs thronte. Und an jenem Tag wird die Welt erfahren, dass manche Sagen wahrer sind, als wir zu glauben wagen.
Manchmal fühlst du dich wieder wie ein Kind,
das durch die Nächte jagt im leisen Wind.
Die Jahre werfen Schatten auf dein Gehen,
auf dem weichen Boden bleibt ein leises Auferstehen.
Früh am Morgen,
wenn der Wecker klingelt,
schlafen meine Augen noch
und ich bin in Gedanken,
bei meinem letzten Traum,
der jetzt zerbrochen
vor mir liegt.
Die dir sagen, du könntest nicht lieben.
Die dir sagen, du könntest nicht weinen.
Und wenn morgens die Sonne aufgeht,
erkennst du die Wahrheit, weil [ ... ]
Wenn
Der Inhalt einer Seele
Wie bunte Scherben zu Boden fällt,
Dann darf der Boden nicht zu schön sein.
Und es darf keiner daneben stehen,
Der Angst hat
Und das Leben zu ernst nimmt.
Weil [ ... ]