Wenn ich mitten in der Nacht noch einmal zum selben Ort gehe, über den schlafend toten Platz, hindurch zwischen den verfallenen Aufbauten, zeigt sich mir ein grauenhafter Anblick, der das ursprünglich friedliche Bild beiseite wischt. Wolken beißenden Qualms schlagen mir entgegen, als ich mich zum Zentrum des Platzes vorwage. Die Plastikrösser des alten Karussells stehen in Flammen. Es stinkt nach Öl, als sie auf die Hydraulik im Fahrgestell übergreifen. Rasch und ungehindert breitet sich das Feuer aus, springt von einer Bude zur nächsten. Stützverstrebungen und Ziergirlanden stürzen zu Boden. Es erscheint mir sehr laut und prasselnd vor der Stille, ein entsetzliches Feuerwerk.
Jetzt lichterloh brennend, dreht sich das kleine Karussell dennoch weiter in der Dunkelheit, und spielt eine Melodie, undeutlich leise und schief.
Aus einer zerrissenen dicken Stromleitung kann ich fünf Enden aus Kupfer sehen, die langsam und rauchend verglühen, bis sie erloschen sind.


© Robert Lier.scripts


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Zum Verständnis bitte erst Teil eins "Das alte Karusell" lesen

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