Das erste Licht eines frühen Morgens fiel durch das Badezimmerfenster auf ihre nackte Haut und schmeichelte um ihre sanften Kurven. Meine Herrin stand vollkommen nackt vor einem großen Spiegel im Bad auf einem flauschigen Teppich und machte sich zurecht. Ein Haufen Utensilien wie von einem Schönheitssalon befanden sich vor ihr auf der Ablage. Ich saß im Schneidersitz in der Ecke auf dem Boden und beobachtete sie verstohlen. Sie hatte soeben ein Haargummi um ihre weißblonde Mähne gewunden und fror sichtbar. Ich konnte sehen, wie sich ihre Haut zusammenzog. Sie fröstelte und im Spiegel sah ich, das ihre Brustwarzen sich vor Kälte aufgestellt hatten. Ich mochte diesen Spiegel.

Würde mir jemand sagen, ich solle mir vorstellen, wie eine Königin morgens vor ihrem Spiegel steht, so könnte in meiner Vorstellung allein meine Herrin dieser Rolle entsprechen. Das Licht der Sonne würde sich schillernd in den Spiegeln brechen und ihren Körper in warmen Glanz tauchen, besonders wenn sie dann noch eingeölt war. Ihre Haltung hatte etwas vornehmes und ihre Ausstrahlung war von einer so dominanten Autorität, das es mich nicht wunderte, das meine Beine des Öfteren auch ohne mein Zutun vor ihr einknickten. Gedankenversunken betrachtete ich sie und kam nicht auf die Idee, das dieses Gestarre langsam unhöflich wurde.

Sie fuhr sich mit der breiten Bürste noch einmal über ihre langen glatten Haare. Sie lagen allerdings schon perfekt. Da fing sie zufällig meinen Blick auf und drehte sich um.
„Hast du nichts Besseres zu tun, als mich anzustarren?! Du sabberst ja gleich.“, stellte sie leicht pikiert fest und wandte sich anschließend wieder ihrem Spiegelbild zu. Ein sabbriger Hund - unschöne Vorstellung.
„Stimmt doch gar nicht!“, murmelte ich beleidigt in meinen nicht vorhandenen Bart. Das war eine dezent unverschämte Antwort. Umso mehr war ich von ihrer Reaktion überrascht.
„Nicht?!“, fragte sie nämlich fast gleichgültig, bekam aber dann, wieder wegen des undankbaren Spiegels, meinen, jetzt vollkommen hingerissenen Blick mit, welcher meine Worte Lügen strafte. Ich mochte diesen Spiegel nicht.
Die Morgensonne, vorhin noch ein wenig schüchtern, subtil, hatte sich in dem Moment entschieden jedes Detail ihres Körpers mit Gold zu überziehen. Meine Herrin badete in diesem strahlend gelben Licht, während ich mich im Schatten befand. Ihre Haare leuchteten blendend weiß.
Das Bild mit der Königin war nicht länger nur eine Fantasie. Hoffentlich sabberte ich Jetzt nicht.
„Du willst dir schon gleich morgens früh eine fangen?!“
Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch.
„Verzeihung, meine Herrin. Das war unangemessen gegenüber dir.“, gab ich zu und meinte damit in erster Linie meinen Ausdruck. Meine Stimme wurde gegen Ende des Satzes immer leiser, als ich bemerkte wie hohl das klang.
Beschämt senkte ich den Blick und betrachtete die Fliesen auf dem Boden. Sie hatte ja recht. Die Antwort war frech gewesen und auch sachlich nicht korrekt. Ich hatte sie angestarrt. Und so oberflächlich zu sein, sah mir gar nicht ähnlich. Dennoch konnte ich nicht anders. Ich musste meine Fantasien in den Griff bekommen oder ich war kein Deut besser als diverse triebgesteuerte Arschlöcher. Es war grausam, gerade wenn man allein war und einen die Lust verzehrte. Trotzdem war es ratsam sich zu zügeln. Wenn ich diese Seite rausließ, würde ich es bereuen.
„Du wirst noch sehen, was du davon hast! Ich hatte eine schöne Idee, wie ich dich benutzen könnte, aber das hast du jetzt nicht verdient. Mit solch einer schlappen Entschuldigung ist es jedenfalls nicht getan!“ Sie begann mit dem Makeup.
Ich hockte eine Weile geknickt da, während sie ihre Frisur vollendete und sich weiter zurechtmachte. Dann ging sie hinaus.

Chance verpasst, zu spät. Ich blieb auf den Fliesen zurück und hatte das Gefühl vor Dummheit zu ertrinken, obwohl nicht mal Wasser in der Wanne war, in welchem man hätte absaufen können. Dabei tauchte in meinem Kopf ungewollt der Gedanke auf, ob sie eine dieser gelben Quietschentchen besaß, welche quietschen, wenn man darauf drückt.
Wegen einer simplen Entschuldigung hatte ich mich unbeliebt gemacht?! Aber Entschuldigungen gehörten schon immer zu den Dingen, die mir am unangenehmsten waren, vor denen ich mich regelrecht drückte. Und es wurde niemals leichter, egal wie oft ich es schon gemacht hatte.

Irgendein Geräusch musste ich wohl von mir gegeben haben, denn auf einmal stand sie mit verschränkten Armen im Türrahmen. Ich sah sie flehentlich an, hing geradezu an ihren Lippen.
„Ja, mein Hund?!“ Sie sah mich durchdringend an. Ich musste wohl etwas sagen…
„Bitte vergib mir, meine Herrin. Es tut mir leid. Ich wollte nicht gleich schon morgens früh - “
In dem Moment holte sie aus und schlug mir ins Gesicht, das es knallte. Der hatte gesessen. Ich sah gedemütigt Boden.
„Jetzt hat es dir Leid getan.“, meinte sie gelassen, als wäre die Sache damit erledigt. Ich musste kräftig schlucken. Sie wandte sich ab.

„Bitte, meine Herrin, wofür wolltest du mich benutzen?“
„Hmmm?“, machte sie, wobei ihre Stimme eine halbe Oktave höher rutschte und drehte sich nochmals um. Wie schon öfters, bekam ich den Eindruck, ihr im Grunde hilflos ausgeliefert zu sein.
Aber ich wollte es unbedingt wissen bzw. so leicht wollte ich nicht aufgeben. Sie sah mir direkt in die Augen und ich wurde zusehends kleiner.
„Das interessiert dich wohl, mein Hund?“, fragte sie im selben lasziven Tonfall.
„Ja, meine Herrin.“
„Nur ein schlichtes "Ja meine Herrin"? Mehr nicht?!“
„Was hätte ich denn antworten sollen, meine Herrin?“, erwiderte ich verunsichert.
Das fand sie augenscheinlich lustig.
„Wie dich diese Art an mir irritiert, finde ich gerade sehr putzig mein Hund.“

Der springende Punkt war ja, das ich das eigentlich wusste. Trotzdem nahm ich mal wieder alles todernst. Tolle Eigenschaft.
Meine Herrin lächelte und ich konnte wieder etwas entspannter atmen, allerdings nicht für lange.
„Knie dich vor mich, mein Hund… mir ist dezent kalt.“
Dem Befehl kam ich gerne nach.
„Halt! Du denkst doch nicht etwa, das ich mich ebenfalls hinknie, du Hund?“, fragte sie spöttisch.
Sie deutete auf den Holzhocker neben der Tür. Als ich ihn mir heranzog schob sie das Kissen, welches darauf lag hinunter. Ich kniete darauf und sah einen Moment unsicher zu ihr hoch. Ich befand mich nur wenige Zentimeter von ihr entfernt mit dem Kopf auf Höhe ihres Bauchnabels. Mir wurde etwas schmummrig. Ihre Hand griff fest in meinen Nacken.
„Was deine Aufgabe ist, weißt du?!“, fragte sie mit Nachdruck und sah auf mich hinunter. Das war eigentlich offensichtlich, aber wenn ich mich diesbezüglich täuschte, würde ich das jetzt definitiv zu spüren bekommen.
Immer noch etwas zögerlich, griff ich mit meinen Händen um ihre schmale Taille. Sie schlossen sich fast um ihren Rücken.
Sie beugte sich ein wenig vor. Ich hob den Kopf. Mein Atem stockte einen Moment, dann überwand ich die wenigen Zenitmeter zwischen uns, legte meinen Mund auf ihre Brust und saugte sanft daran. Ich fuhr mit meiner Zunge über ihre Nippel. Sie hatten sich fest zusammengezogen.
Ich vertiefte mich vollkommen in meine Aufgabe und lutschte genießerisch an ihren Knospen. Ihre Hand lag dabei an meiner Kette und zog sie eng zusammen, um mir deutlich zu machen, das ich mich beherrschen musste. Es wäre ein Leichtes für sie und ich läge gekrümmt vor ihr am Boden, sollte ich mich gehen lassen.
Ich wandte mich ihrer anderen Brust zu. Mein Atem ging hastig, meine Zunge und meine Lippen liebkosten die, nun wieder weichen Spitzen, küssten und streichelten sie immer eindringlicher, wobei ich die Augen schloss und mich ganz dem Gefühl hingab. Ihre andere Hand krallte fest sich in meine Haare.

Ich hatte Schwierigkeiten einen klaren Gedanken zu fassen. Irgendwo in meinem Kopf zwischen all den Emotionen trieb sich eine kleine Frage, ob dies denn jemals echt sein würde.

Dann schob sie mich weg.
"Genug jetzt!"
"Ja meine Herrin.", sagte ich und zog mich zurück. Da war ein Splitter von ihr, der in meiner leeren Brust stecken blieb.

Sie zog sich an, machte sich reisefertig. Ihr Gepäck stand schon bereit. Gleich würde sie wieder gehen. Ohne mich.
Wieder kniete ich vor ihr und fragte mich wie so oft, womit ich sie eigentlich verdient hatte. Ich war nur ein kleiner schwarzer Hund mit einem Haufen Fantasie, der ihr sein Herz geschenkt hatte.
Wenn ich ein schwarzen Puschelschwanz gehabt hätte, läge er jetzt reglos hinter mir auf dem Boden.
Sie zog mich an meiner Kette ganz nah an sich ran.
„Sollte ich dich dabei erwischen, wie du ungehorsam bist oder Unfug treibst, hast du deine Herrin das letzte Mal gesehen! Sei artig! Warte brav auf deine Herrin, wie es sich für einen guten Hund gehört!“
Was ein netter Abschiedsgruß, aber ich wusste, was sie meinte. Dennoch konnte ich ihr gerade nicht in die Augen sehen. Ich war etwas niedergeschlagen. Verabschiedungen konnte ich noch nie leiden. Sie machten mich traurig.
Aber es war nicht nur das. Sie zerrissen mich, in dem Moment wenn sie ging. Egal ob der Grund dafür in Verlustängsten lag oder nicht, ich wollte sie nicht verlieren.
„Hast du mich verstanden?! Oder muss ich es dir in deine Brust kratzen?!“
„Ja meine Herrin. Ich bin dein braver Hund.“

Es ist der Moment, in dem ich sie vermisse. Und ebenso der, in dem diese schmerzliche Sehnsucht beginnt und ich mich wie ein einsamer Wolf fühle, wenn ich in den entlegensten Gegenden dieser Welt umherstreife oder stundenlang dasitze und vor mich hinstarre.


© D.M.


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