Auf der Suche nach Zuckerland

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Endlich waren die Sommerferien gekommen. Jetzt hatten Anna und Öznur genug Zeit, um jeden Tag mit ihren Fahrrädern durch den Wald zu fahren. Die beiden Freundinnen trafen sich jeden Tag und spielten draußen. Manchmal pflückten sie Blumen oder sammelten Tannenzapfen, um ihren Müttern eine Freude zu machen.

An einem Tag schien die Sonne besonders hell, und die Kinder hatten gute Laune. Sie radelten wieder in den Wald und schauten sich um.
„Sieh mal, Anna! In dieser Gegend waren wir noch nie. Ich glaube, wir haben einen neuen Teil des Waldes entdeckt!“, rief Öznur aufgeregt.
„Ja, du hast recht! Das ist ja cool!“ Anna stieg vom Fahrrad und folgte ihrer Freundin ins Unterholz. Die Mädchen gingen durchs Gebüsch, bis sie an ein kleines Moor gelangten. Das Moor war grün, denn auf der Wasseroberfläche schwammen winzige hellgrüne Pflänzchen. Allerdings schwamm auch viel Müll in dem Moor. Der Anblick stimmte die Kinder traurig.

Auf einmal erklang eine Frauenstimme aus dem Wasser: „Helft mir bitte!“
Die Mädchen erschraken. Wer war das? In dem Moor war niemand zu sehen. Woher kam also diese Stimme?
„Wer bist du? Und wo bist du?“, fragte Anna, als sie sich von dem Schreck erholt hatte.
„Mein Name ist Merdzana, und ich bin die Hüterin des Waldes. Meine Aufgabe ist es, diesen Wald mit meiner Magie zu beschützen.“ Die kleinen Pflänzchen auf der Wasseroberfläche wirbelten durcheinander, sodass sie ein Frauengesicht bildeten. Merdzana war wunderschön. Sie sah aus wie eine Nymphe.
„Und wie können wir dir helfen?“, fragte Öznur.
Merdzana antwortete: „Es gibt zwei Jungen in eurem Alter, die oft in den Wald kommen und Müll in das Moor werfen. Die Fische fressen den Plastikmüll und sterben daran. Das ganze Ökosystem gerät dadurch in Gefahr. Ich möchte, dass ihr diese Jungen findet und sie dazu bringt, mit der Umweltverschmutzung aufzuhören.“
„Deswegen schwimmt hier also so viel Müll.“ Die Mädchen waren schockiert.
„Ja, genau. Und wenn ihr mir helft, das Gleichgewicht der Natur wiederherzustellen, bekommt ihr eine Belohnung. Ich verrate euch den Weg nach Zuckerland.“
„Was ist denn Zuckerland?“, fragte Anna neugierig. Von so einem Land hatte sie im Erdkundeunterricht noch nie gehört.
„Zuckerland ist ein Ort, an den nur Kinder und Fabelwesen reisen können. Erwachsene können nicht nach Zuckerland, weil sie es nicht sehen können. Daher glauben sie auch nicht, dass es wirklich existiert.“
„Und wie ist es dort?“, wollten die Mädchen nun wissen.
„Das Land besteht aus unberührter Natur. Es gibt dort unzählige Blumen, tropische Gewächse, bunte Sträucher von erstaunlicher Schönheit, uralte Bäume und Pflanzen, auf denen Süßigkeiten und Spielsachen wachsen.“
„Spielsachen?“
„Ja, sie wachsen dort auf Bäumen. Und wenn ihr einen Wunsch habt, dann lassen die Pflanzen genau das wachsen, was ihr euch wünscht. Das ist Magie. Ganz Zuckerland besteht aus Magie.“
Anna und Öznur waren begeistert. „Das ist ja unglaublich! Wir werden dir auf jeden Fall helfen, deinen Wald zu retten und den Müll aus dem Moor zu entfernen. Und dann reisen wir nach Zuckerland!“

Am nächsten Morgen begannen die Mädchen, den ganzen Müll, der im Wasser schwamm, herauszuziehen. Sie trugen Gummistiefel und Kleidung, die dreckig werden durfte. Mit langen Ästen und Fischernetzen fischten sie die leeren Bierdosen, Chipstüten und weiteren Abfall aus dem Moor und stopften alles in einen Mülleimer, der am Waldrand stand. Als sie fertig waren, sah das Moor wundervoll aus. Die Natur an dieser Stelle erstrahlte wieder in voller Pracht. Damit war es aber noch nicht getan. Das Moor war sauber, doch jetzt mussten Anna und Öznur noch Jungen finden, die den Müll hineingeworfen hatten. Sie beschlossen, sich im Gebüsch zu verstecken und zu warten, bis diese auftauchen würden.
Es dauerte nicht lange, und zwei Kinder kamen zu dem Moor. Es waren Daniel und Jonas, zwei Klassenkameraden der Mädchen. Jonas holte eine Colaflasche aus seinem Rucksack, trank sie leer und holte aus, um sie ins Wasser zu werfen. Plötzlich stürmte Öznur aus dem Gebüsch und hielt seinen Arm fest. Die Flasche fiel auf den Waldboden.
„Was soll das?“, fragte Jonas verärgert.
„Ihr verschmutzt die Umwelt! Wenn Plastik im Wasser landet, sterben Tiere“, erwiderte Öznur. Vor Wut warf sie ihm einen Tannenzapfen ins Gesicht.
„Aua! Das ist doch kein Grund, mir wehzutun!“ Jonas hob nun etwas Erde auf und zerbröselte diese über Öznurs Kopf.
„Igitt!“, rief das Mädchen. Sie sprang zurück, um nicht von noch mehr Erde getroffen zu werden.
Daniel konnte den Streit nicht mehr mitansehen. Er versuchte, die anderen Kinder zu beruhigen: „Hört auf, zu streiten! Wir können versuchen, einen Kompromiss zu finden. Was meint ihr?“
Die anderen dachten nach. Schließlich stimmten sie zu. Öznur und Jonas entschuldigten sich und gaben sich die Hand.
„Ich werde keinen Müll mehr in den Wald werfen. Das verspreche ich“, erklärte der Junge.
Sein Freund versprach dasselbe.

Während die Kinder noch redeten, kräuselte sich das Wasser des Moores, und das Gesicht der Nymphe erschien.
„Merdzana, schön Dich zu sehen!“, grüßte Anna die Hüterin des Waldes.
Diese bedankte sich bei den Kindern für die Hilfe. „Es ist gut, dass ihr das Gleichgewicht der Natur wiederhergestellt habt. Auch finde ich es gut, dass ihr euch mit euren Klassenkameraden vertragen habt. Man sollte zusammenhalten und sich nicht streiten“, sprach die Nymphe.
Jonas und Daniel waren beeindruckt. Sie hatten noch nie zuvor eine Nymphe gesehen. Und die Frau war ganz schön weise.
Merdzana fuhrt fort: „Ich gebe euch jetzt eine Karte, auf der der Weg nach Zuckerland zu sehen ist. Wenn ihr mit den Fahrrädern reist, braucht ihr etwa acht Stunden, um hinzukommen. Deshalb solltet ihr morgen ganz früh aufstehen und vor Sonnenaufgang losfahren.“
„Alles klar, und wie kommen wir zurück?“, fragte Öznur. „Wir müssen um acht wieder zu Hause sein, damit sich unsere Eltern keine Sorgen machen.“
„Die Einhörner werden euch pünktlich zurück nach Hause bringen“, versprach Merdzana. Dann verblasste das Bild, und das Moor sah wieder aus wie ein ganz normales Gewässer.
„Wow! Das war ja eine coole Erscheinung!“, meinte Daniel. „War die Frau im Wasser echt?“
„Klar war die echt“, antwortete Anna. „Und die Karte, die sie uns gerade gegeben hat, führt zu einem Ort namens Zuckerland. Da wachsen Süßigkeiten auf den Bäumen.“
„Und Spielsachen“, ergänzte Öznur.
„Und hat sie nicht gerade gesagt, es gibt da auch Einhörner?“, fragte Daniel aufgeregt.
„Ich glaube schon“, gab Jonas lächelnd zurück.

Noch bevor die Sonne am nächsten Tag aufging, trafen sich die vier Kinder mit ihren Fahrrädern am Waldrand. Anna hatte Pfannkuchen gemacht, die sie als Proviant mitnehmen würden. Jonas hatte Getränke und ein Erste-Hilfe-Set dabei, Öznur die Karte, und Daniel eine Pumpe und Flickzeug, falls sie unterwegs die Fahrräder reparieren mussten.
Die Kinder fuhren eine Weile einen Flussweg entlang, und als es Mittag wurde, bekamen sie Hunger. „Lasst uns eine Pause machen“, schlug Anna vor. Schon hatte sie die Pfannkuchen aus der Tasche geholt.
Das Essen war köstlich. Alle freuten sich und waren guter Dinge.
Jonas gab jedem eine Colaflasche. Als er seine leergetrungen hatte, wollte er sie aus Gewohnheit in den Fluss werfen. Sobald er jedoch die Blicke der anderen bemerkte, steckte er sie wieder in seinen Rucksack. „War nur ein Scherz“, sagte er. „Ich wollte nur sehen, ob ihr aufpasst.“
Die Reise ging weiter. Irgendwann erschienen in der Ferne helle, strahlende Lichter, die sich wie Sternschnuppen bewegten.
„Seht mal, Leute! Das muss Zuckerland sein. Wir sind auf dem richtigen Weg“, meinte Öznur. Fröhlich radelte die Gruppe weiter.

Schließlich erreichten die Kinder das Ende des kleinen Weges. Das Flüsschen ging hier in ein Gewässer über, dass in den Farben des Regenbogens schimmerte. Es handelte sich um einen magischen See, der die Grenze von Zuckerland darstellte. Inmitten des riesigen Sees lag eine Insel, die unvorstellbar schön aussah. Sie war über und über von verschiedenen Pflanzen bedeckt. Palmen und Fichten wuchsen hier nebeneinander. Avocadobäume standen neben Spielzeugbäumen und Tannen. Es gab Sträucher, an denen Himbeeren wuchsen, und Sträucher, die goldene Fußbälle trugen. Bewohnt wurde die Insel von verschiedenen kleinen Wesen, die Kobolde oder Elfen sein mochten. Von Weitem konnten die Kinder nicht genau erkennen, was es für Geschöpfe waren.
Am beeindruckendsten waren jedoch die Einhörner. Prachtvoll wie echte Pferde schritten sie majestätisch über die Insel. Jede ihrer Bewegungen war von Anmut und Eleganz geprägt, und ihre Mähnen hatten wunderbare Farben. Von ihren Hörnern ging das funkelnde Licht aus, dass die Reisenden unterwegs am Horizont erblickt hatten. Einige dieser wunderlichen Tiere flogen auch durch die Luft.
Ein Einhorn landete vor den Füßen der Kinder. „Seid gegrüßt, Reisende! Ich nehme an, ihr wollt nach Zuckerland. Habe ich recht?“
Die Kinder nickten eifrig.
„Um dorthin zu gelangen, müsst ihr auf dem Rücken von uns Einhörnern reiten, denn nur wir und die Feen können das magische Wasser überqueren, indem wir fliegen. Es gibt aber eine Bedingung für unsere Hilfe.“
„Welche denn?“, fragte Anna, die es kaum erwarten konnte, Zuckerland zu betreten.
„Ihr müsst drei Rätsel lösen. Auf diese Weise erkennen wir, wer es verdient hat, Zuckerland zu besuchen, und wer nicht.“
„Drei Rätsel? Kein Problem!“, antwortete Daniel. Er war der klügste Junge in ihrer Klasse. Die Rätsel würde er mühelos lösen.

Wie erwartet waren die ersten beiden Rätsel kinderleicht. Nun aber folgte das dritte Rätsel. Das Einhorn fragte: „Was braucht man, um nach Zuckerland zu gelangen?“
„Einhörner!“, brüllte Öznur.
„Eine Karte!“, warf Anna ein.
Und Jonas rief: „Eine Antwort!“
Doch Daniel schwieg. Er wusste, dass seine Freunde falschlagen. Die richtige Lösung war noch nicht dabei gewesen.
„Ich gebe euch Zeit zum Überlegen. Beratet euch. Esst etwas. Wenn ihr die Antwort wisst, könnt ihr mich rufen, und ich werde euch hinüberbringen“, sprach das Einhorn.
Die Gruppe setzte sich aufs Gras, und Anna holte die restlichen Pfannkuchen heraus. Jonas pumpte alle Fahrräder neu auf. Dann aßen die Kinder schweigend und zerbrachen sich den Kopf über das letzte Rätsel.
Einige Stunden vergingen, und es wurde bereits Nachmittag. Wenn sie nicht bald die Lösung fanden, wäre ihre Reise umsonst gewesen und sie müssten sich wieder auf den Heimweg machen.
„Leute, ich sage es ja nicht gern, aber wir schaffen es nicht. Wir müssen wieder nach Hause fahren. Es hat keinen Zweck“, sagte Öznur deprimiert.
„Wenigstens hat die Reise Spaß gemacht“, versuchte Anna, ihre Freundin zu trösten.
Auf einmal hörten sie einen Hilfeschrei, der aus dem magischen Wasser kam.
„Ob das wohl schon wieder eine Nymphe ist?“, wunderte sich Anna. Sie eilte zum Ufer. Dort kämpfte eine kleine, glitzernde Fee verzweifelt ums Überleben. Das Geschöpf war ins Wasser gefallen und konnte aus eigener Kraft nicht mehr hinauskommen.
„Wir müssen die Fee retten! Aber wie?“, fragte Öznur.
Die Kinder versuchten, mit den Händen nach der Fee zu greifen, aber sie war zu weit weg. Selbst konnten sie nicht ins Wasser gehen, weil man aus dem magischen Wasser nicht mehr allein herauskommen konnte, wenn man einmal drinnen war. Jonas hielt der Fee die Fahrradpumpe hin. „Versuch, dich daran festzuhalten“, riet er der Fee. Doch die Fee hatte nicht genug Kraft. Panisch paddelte sie mit ihren dünnen Ärmchen und schluckte beim Schreien etwas Wasser.
Endlich gelang es der Fee, die Fahrradpumpe zu greifen. Mit letzter Kraft krabbelte sie hinauf und wurde behutsam an Land abgesetzt.
„Wie bist du überhaupt in diese Situation hineingeraten? Kannst du denn nicht fliegen?“, fragte Anna.
„Na ja“, meinte die Fee, die nun etwas ruhiger wurde. „Eigentlich können Feen auch fliegen. Nur ich nicht. Ich habe nie daran geglaubt, dass ich fliegen könnte. Und als ich versucht habe, nach Zuckerland zu fliegen, bin ich ins Wasser gefallen.“
„Was bräuchtest du denn, um wie die anderen Feen fliegen zu können?“, wollte Öznur wissen.
Die kleine Fee überlegte. „Feen können mit ihrer Magie alles erschaffen, was sie sich vorstellen können. Wenn ich mir also vorstellen könnte, wie man fliegt, würde ich das auch können.“
„Also brauchst du Fantasie“, schlussfolgerte Jonas.
„Das ist es!“, rief Daniel und sprang auf.
„Das ist was?“, fragten die anderen gleichzeitig.
Der kluge Junge erklärte ihnen: „Fantasie! Das ist die Lösung für das Problem der Fee und gleichzeitig auch die Lösung für unser drittes Rätsel. Um nach Zuckerland zu kommen, brauchen wir Fantasie!“
„Das will ich gleich ausprobieren“, sagte die Fee und erhob sich in die Lüfte. Ihre zarten Flügel flatterten und strahlten dabei ein wunderschönes magisches Licht ab, das an Glühwürmchen erinnerte.
„Es funktioniert!“, rief Anna, die sich für die kleine Fee freute.
Auch die Fee war überglücklich. „Ihr habt mir einen riesengroßen Gefallen getan, Kinder! Ihr habt mir nicht nur das Leben gerettet, sondern mir auch geholfen, endlich das Fliegen zu lernen. Ich werde euch für immer dankbar sein.“ Mit diesen Worten erhob sie sich in die Luft und flatterte fröhlich in Richtung Zuckerland davon.
Dann hörten die Kinder ein Stampfen. Es kam von vier Einhörnern, die vor ihnen gelandet waren. Das größte von ihnen sprach: „Meinen Glückwunsch! Ihr habt das dritte Rätsel gelöst und, was noch viel wichtiger ist, einem anderen Geschöpf das Leben gerettet. Zur Belohnung bringen wir euch nach Zuckerland. Eure Fahrräder könnt ihr hier stehen lassen. Und abends bringen wir euch persönlich nach Hause, damit ihr pünktlich und wohlbehalten dort ankommt.“
„Danke, liebes Einhorn!“ Anna lächelte. Sie hatte sich schon immer gewünscht, einmal auf einem echten Einhorn zu reiten. Endlich wurde ihr Traum wahr.
Die Kinder stiegen auf die Rücken der magischen Tiere, und diese flogen los. Im Flug spürten sie herrlich frischen Wind im Gesicht, und die Abendsonne tauchte alles in einen ganz besonderen Glanz.
Die Einhörner setzten ihre jungen Gäste auf der Insel ab. Nun waren die Kinder tatsächlich in Zuckerland angekommen.
„Wow! Ist das schön hier!“, rief Jonas. Er ging zu den Bäumen, auf denen Fahrräder wuchsen. Dann konzentrierte er sich und benutzte seine Fantasie, um ein buntes, glitzerndes Fahrrad mit einem goldenen Rahmen wachsen zu lassen.
Die anderen Kinder klatschten Beifall. Auch die anderen erschufen sich mithilfe der Zauberbäume wunderschöne neue Fahrräder. Danach gingen sie gemeinsam auf Entdeckungstour. Sie aßen von den Früchten und Süßigkeiten, die auf den Pflanzen wuchsen. Anna pflückte ein paar Tulpen und flocht zwei Kränze daraus, die sie und Öznur sich ins Haar steckten.
Die beiden Jungen pflückten einen goldenen Fußball von einem Strauch und spielten eine Runde gegen die Kobolde, die in Zuckerland lebten. Während Jonas und Daniel spielten, besuchten die Mädchen die Feen der Insel. Auch die Fee, die sie gerettet hatten, war dabei. Die kleinen Wesen verrieten den Mädchen Backtipps und gaben ihnen fantastische Rezepte, mit denen sie ihre Mütter überraschen konnten. Ein Rezept für Zauberpfannkuchen war auch dabei. Es waren gerade welche fertig, da eine ältere Fee schon gebacken hatte. Sie schenkte den Kindern diese Pfannkuchen und versprach ihnen, dass sie alle für immer Freunde bleiben würden.
Sobald das Fußballspiel vorbei war, kamen auch die Jungen und die Kobolde dazu.
„Das hat echt Spaß gemacht! Ihr spielt sehr gut!“, lobte Jonas seine magischen Freunde.
„Ich wünschte, wir könnten für immer hier bleiben“, schwärmte Öznur. „Es ist total schön hier. Und es gibt so viel Schokolade und nette Feen, die mit uns spielen.“
Die Sonne war inzwischen fast untergegangen, und allmählich mussten sich die Kinder wieder auf den Heimweg machen.
Zum Abschied gaben die magischen Wesen ihren menschlichen Freunden noch weitere Geschenke, die sie von den Bäumen geerntet hatten. Die Jungen bekamen jeder einen goldenen Fußball, und die Mädchen eine Feenglocke. Mit dieser Glocke konnten sie die Feen rufen, ganz egal, wie weit sie von Zuckerland entfernt waren. Die Feen würden das Glöckchen überall hören und dann zu ihnen kommen, um sie zu besuchen.
Anna schenkte den Feen im Gegenzug einige selbst gemachte Kränze aus Löwenzahn, und Daniel brachte den Kobolden das Rechnen bei. Die Mathematik machte den Fabelwesen unheimlich viel Spaß. Sie konnten gar nicht mehr damit aufhören, Matheaufgaben zu lösen.
Die Kinder lachten. „Die Kobolde sind ja viel fleißiger als wir“, scherzte Anna. Sie selbst war nicht besonders gut in Mathe.
„Kommt uns mal wieder besuchen!“, rief ein Kobold noch, als die Kinder schon auf die Rücken der Einhörner stiegen. Vier weitere Einhörner schnallten sich die neuen Fahrräder der Kinder auf ihre Rücken, um sie besser transportieren zu können. Dann ging die Heimreise los. Nach einem letzten wehmütigen Blick auf die Insel setzten sich die Tiere in Bewegung und flogen in Windeseile über Bäume, Wiesen und Flüsse hinweg. Wälder und Ortschaften rauschten an ihnen vorbei, und bald war Zuckerland nur noch ein kleiner, leuchtender Punkt in weiter Ferne. Weil Einhörner viel schneller fliegen können, als ein Mensch mit dem Fahrrad fährt, dauerte es nicht lange, bis die Reisenden am Anfang des Flussweges ankamen, bei dem sie ihre Reise heute Morgen begonnen hatten.
Die Einhörner landeten, und die Kinder stiegen ab.
„Ab hier müsst ihr allein weiterreisen. Wir können euch leider nicht weiter begleiten.“
„Warum denn nicht?“, fragte Anna.
„Die Erwachsenen können uns nicht wahrnehmen. Daher würden sie denken, dass ihr von allein durch die Luft fliegt. Wenn das passiert, könnten sie einen Schock bekommen.“
„Ach so. Schade“, meinte Jonas. „Aber wir danken euch, dass ihr uns nach Zuckerland und wieder zurück in unser Dorf gebracht habt. Den Rückweg finden wir schon alleine.“
„Ja, vielen, vielen Dank!“, bekräftigte Daniel.
Die Einhörner machten einige anmutige Schritte, um dann mit Schwung in die Luft abzuheben. Unter den ehrfürchtigen Blicken der Kinder flogen sie in die Nacht hinaus, zurück nach Zuckerland, wo sie hingehörten und wo es Magie gab.

Jonas und Daniel brachten die Mädchen nach Hause und radelten anschließend zu ihren eigenen Wohnungen. Als die Erwachsenen ihre Kinder sahen, lachten sie, weil diese von Kopf bis Fuß mit Schlamm, Sand und Glitzer übersät waren.

Anna überredete ihre Mutter, sofort das neue Pfannkuchenrezept von den Feen auszuprobieren. Weil ihre Mutter das glückliche Strahlen in den Augen ihrer Tochter bemerkte, konnte sie nicht nein sagen. So machten die beiden noch am selben Abend Zauberpfannkuchen, die sie zusammen mit Annas Vater genüsslich verspeisten. Zur Belohnung für das tolle Rezept durfte Anna heute zwei Stunden länger wach bleiben und mit den Erwachsenen Kniffel spielen.

Öznur schenkte ihrer Mutter einen wohlriechenden Tulpenkranz, worüber diese sich sehr freute. „Der ist ja wunderschön, Öznur! Wo wachsen denn solche herrlichen Tulpen? Ich habe noch nie blaue Tulpen gesehen.“
Öznur lächelte nur.

Als Jonas nach Hause kam, freute sich sein Vater. Zum ersten Mal in seinem Leben kam der Junge pünktlich nach Hause. Dass er voller Sand war, störte ihn nicht im geringsten. „Wo bist du denn gewesen, Jonas?“
Jonas zog eine Schlammspur hinter sich her, als er ins Wohnzimmer ging. „Fußball spielen mit ein paar Freunden“, antwortete er lässig. Dann öffnete er seinen Rucksack und stellte einige leere Colaflaschen auf den Tisch. „Kannst du die hier bitte morgen zum Recycling bringen, Papa?“
Sein Vater war verblüfft. Seit wann interessierte sich sein Sohn für Umweltschutz? „Natürlich bringe ich sie zum Recycling. Ich bin sehr stolz auf dich, weil du die Flaschen mitgebracht hast, anstatt sie einfach in den Wald zu werfen.“

Daniels Eltern waren gerade am Essen, als er heimkam. „Lasst euch nicht stören“, sagte er knapp und eilte an ihnen vorbei in sein Zimmer. Er wollte keine Zeit verlieren, weil er etwas Wichtiges vorhatte. Einer der Kobolde hatte ihm nämlich eine Karte geschenkt, die zu einem anderen magischen Ort führen sollte. Dieser Ort wurde Lichterstadt genannt, und Daniel setzte sich an seinen Schreibtisch, um die Reiseroute zu berechnen. Gleich morgen früh würde er seinen Freunden davon erzählen.


© Varia Antares


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Beschreibung des Autors zu "Auf der Suche nach Zuckerland"

Eine magische Abenteuerreise über Freundschaft, Umweltschutz und Einhörner.

Viel Freude beim Lesen!

:-) :-) :-)




Kommentare zu "Auf der Suche nach Zuckerland"

Re: Auf der Suche nach Zuckerland

Autor: possum   Datum: 24.03.2019 23:33 Uhr

Kommentar: Hallo liebe Varia, dies ist aber eine nette Geschichte, ich habe sie gerne gelesen, liebe Grüße an dich!

Re: Auf der Suche nach Zuckerland

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 25.03.2019 14:30 Uhr

Kommentar: Liebe Varia,
ich war immer schon Fan von den Brüdern Grimm, dann von "Herr der Ringe", und jetzt von "Auf der Suche nach Zuckerland".
Deine Geschichte ist ein wohltuendes Eintauchen in die Fantasie, aber mit dem drohenden Finger, unseren Lebensraum nicht gleichgültig zu zerstören.
Liebe Grüße
Wolfgang

Re: Auf der Suche nach Zuckerland

Autor: Varia Antares   Datum: 26.03.2019 20:15 Uhr

Kommentar: Hi, ihr Lieben,

zuerst einmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für diesen langen Text genommen habt. :-)

Ja, Wolfgang, die Umwelt ist sehr wichtig, denn ohne sie würden wir nicht überleben.

LG und einen schönen Abend in die Runde!
Varia

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