Die ganz gewöhnliche Ungewöhnlichkeit

© Alf Glocker

Es ist 23 Uhr 96 und es ist taghell, wie die Nacht, in der die Glocken zu einem Einheitsbrei aus feuchtem Kehricht eingeschmolzen wurden. In der Hasenschlucht jauchzen die Auerochsen. Der Wolf kommt Viertel vor Gleich vorbei – da ist Essenszeit. Die Wirklichkeit sieht ganz genau so aus, wie du sie dir vorgestellt hast, nicht wie ich dachte. Ich freue mich für den Dreck auf der Straße, bis der neue Adelsstand vorbeikommt und an die Roboter aus Dingsda, wo ja auch die ganzen Vettern herkommen, das Geld verteilen, das normalweise den Alten zugestanden hätte, wäre da nicht Onkel Zufall gewesen.

Alle sind redlich bemüht, aber keiner weiß wofür, denn die Ergebnisse sagen aus was Ergebnisse aussagen, wenn man sie, durch die Brillengläser der höheren Einsicht, betrachtet. Alles schläft! Deshalb ist ja auch reges Treiben überall. Überall treiben sie es rege. „Sie“, das sind die Berechtigten, im Angesicht des Todes, jetzt und in der Stunde, aller Übrigen. Denn wir sind glücklich. Wie bekannt gegeben wurde, haben sich die Flüsse nun entschlossen aufwärts zu fließen, denn alles geht aufwärts. Ich, du er, sie es gehen aufwärts, ins Tal hinab, wo man endlich auf die Verschiedenen trifft.

Auf zwei Verschiedene kommen 3 Gleiche, die noch gleicher sind, als alles was wir bisher gesehen haben…vor allem, als es noch nicht so spät in der Frühe war und die Gegenwart noch eine Zukunft hatte. Was propagieren wir? Wir propagieren die Lust! Es ist eine zu leben und eine zu sterben, wobei man das mit dem Letzteren nicht allzu genau nehmen muss, wenn man dazu gehört. Wozu? Zu den Hörigen! Wiederholen wir, in endlosem Gemurmel, das niemals zu einem Orkan der Stimmen wird (obwohl es sich genau danach anhört), was Sache ist: „Es gibt keinen Bums, außer dem Dings und es ist zu spät!“

Unsere Träume sind so kerzengerade in den Himmel gewachsen, wie man auf 3 zählt, wenn man rechnen kann, aber 1 + 1 = so viel du willst! Tatsachen sind interpretierbar und je dümmer man ist, desto interpretierbarer sind sie. Alles ist eine Frage der Einstellung…und eingestellt werden eben nur noch tatsächliche Nieten! Nieten halten auch den Eiferturm zusammen, zu dessen Sucht jene Milliarden beigetragen haben, die von den einen verdient und von den anderen ausgegeben wurden, um weitere Milliarden zu erzeugen – aber diesmal ist es fleischlich gemeint.

Wortverdrehungen sind nur im Mund erlaubt, aber Metaphern immer dann verboten, wenn sie auf etwas hinweisen, worauf nur hingewiesen werden darf, wenn man sich die Todesstrafe einhandeln möchte. Wer am besten handelt bleibt jedoch am Leben, denn Zitronen sind derzeit sehr beliebt – nein, sie sind das einzige, anerkannte Zahlungsmittel. Stellen wir uns doch einmal ganz dumm und – halt, bitte so bleiben! Gleich kommt das Vögelchen! Wer dann nicht gelächelt hat, dessen Kopf rollt missmutig in den Treibsand der Geschichte, die manches darin vergraben hat…auch keine Wirklichkeiten.

Denn die Wirklichkeit ist leicht in Erfahrung zu bringen: Hören wir die neuesten Nachrichten mit – sie kommen direkt aus der Hexenküche der Ewigkeit, wo die Großmutter des Teufels die Kastanien ins Feuer legt, die wir dann wieder herausholen dürfen. Darüber schwebt das „Hosianna“ der befleckten Verhängnis – gesungen von den reinen Kehlen nicht missbrauchter Tugendlicher, die den Knall noch nicht gehört haben. Sie sind die Elite der Rechtsverdreher, denn keine Wirklichkeit ohne Recht. Wenn schon, dann muss alles gleichzeitig verdreht werden!

Also Brust waschen zum Erschießen! Wer sich weigert, der gießt Öl ins Feuer und kommt auf den Haufen der Gescheiterten, wo er, im Rahmen der Bücherverbrennung, auf seinen Heizwert getestet wird. Zusätzlich finden Geschicklichkeitstests statt. Wer einen Unsinn, ohne Inhalt, am besten soweit verdrehen kann, daß er schon wieder erstrebenswert aussieht, der bekommt ein Stipendium, für die Reifeschule, in Zeitungsentenhausen, an der Lügichoderträumich. Das liegt dort, wo zwei oder drei so schlecht beieinander sind, daß einem die Tränen kommen könnten…wenn man doch mehr als nur ein Krokodil wäre.


© Alf Glocker


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Kommentare zu "Die ganz gewöhnliche Ungewöhnlichkeit"

Re: Die ganz gewöhnliche Ungewöhnlichkeit

Autor: possum   Datum: 08.11.2018 22:57 Uhr

Kommentar: Wenn es nicht so ernst wäre und sich Tatsächlichkeit darin spiegelt, würde ich jetzt gerne schmunzeln wie du dies an den Mann od. Frau bringst ... einmalig ... lieber Alf, sei gegrüßt!

Re: Die ganz gewöhnliche Ungewöhnlichkeit

Autor: Alf Glocker   Datum: 09.11.2018 7:12 Uhr

Kommentar: Ich danke Dir liebe Possum - ja, zum Lachen ist es eigentlich nicht mehr...

GLG Alf

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