Engeltod II – Konfrontation

© EINsamer wANDERER

In der Kirche wartete Mark gespannt darauf was passieren würde. Er wartete mit vielen Männern und Frauen, die wie er in Kutten steckten, auf den Großmeister. Er hatte sie wegen etwas wichtigen gerufen. Mark hoffte, dass seine Tarnung nicht aufgeflogen war. Er arbeitete für ein Magazin, welches sich mit Okkultismus auseinander setzte. Seine Aufgabe war es, sich in den Orden des Todes einzuschleusen. Viele schrieben über Satanismus, aber ein Kult der den Tod und den Kampf anbetete war selten. Durch seine Recherchen hatte Mark erfahren, dass dieser Kult oft von Regierungen in Kriegen eingesetzt wurde. Für die Anhänger war es das Größte, möglichst viele Gegner zu töten und im Kampf zu sterben. Sie glaubten, dass eines Tages der Sohn des Todes kommen wird, um den Kult in eine Zeit des Kämpfens und blut Vergießens zu führen. Dieser Messias sollte angeblich unsterblich sein. Mark war erst seit ein paar Monaten im Kult und wusste immer noch nicht wie groß und alt er tatsächlich war oder wie man sich das Jenseits vorstellte. Die Kirche stand neben einem Gefängnis. Offiziell war die Kirche seit langem leer, aber der Kult benutzte sie als Basis, für Messen oder als Versteck, sollte ein Anhänger Probleme haben. Die Kirche wurde von dicken, starken Säulen gestützt. Eine gewaltige Statue vom Sensenmann stand in ihr. Der Schädel hatte Reißzähne und war, genau wie das Gewand, dass er trug, mit Runen verziert. Seine Skeletthände trugen eine mächtige Sense. Die Statue bekam durch das Mondlicht, welches durch eine Buntglaskuppel schien, eine überirdische Note. Der Kult hatte die Glocke 33 mal läuten lassen. 33 war die Zahl ihres Messias. Es musste also damit etwas zu tun haben. Aus dem Dunkel der Kanzel, in der Kirche, trat der Großmeister hervor. Seine Kutte war reich verziert. Er sagte feierlich:,, Liebe Kinder, es ist endlich so weit. Unsere große Zeit ist nah.“, als die Kultgemeinschaft das hörte, fingen viele an auf die Knie zu fallen und ihre Mordlust heraus zu schreien. Andere fingen an den Tod zu preisen und sich gegenseitig umzubringen. Aber Mark, schauten nur interessiert den Großmeister an. Jetzt wird’s spannend. Hoffentlich bin ich nicht aufgeflogen, dachte er. Der Großmeister fuhr trotz der Euphorie fort. ,,Unser Messias ist gekommen um uns in die Zeit von Blut und Tod zu führen. Preiset Azrael!“ Aus dem Schatten unter der Statue kam ein schwarz gekleidetes Wesen. Es hatte Handschellen mit einzelnen Kettengliedern. Es sah aus, als wenn jemand mit übermenschlicher Gewalt die Ketten gesprengt hätte. Seine umherwirbelnden Haare und die krallenähnlichen Fingernägel waren pechschwarz. Das irre Lächeln in seinem Gesicht entblößte mehrere Reihen haifischartiger Zähne. Die leuchtenden Augen von blutroter Farbe, beängstigten Mark. Wie hatte er diesem Kerl... nein, korrigierte er sich, dieses Ding nur übersehen können. Es war in der Kirche schlagartig still geworden. Azrael hatte durch seine Anwesenheit alle zum schweigen gebracht. Er ging langsam zum Altar, das Lächeln wich nicht aus seinem Gesicht. ,,Nun“, begann er mit einer Stimme die den Tod verhieß. ,,Ihr habt euch hier versammelt, um den Tod anzubeten und auf die Zeit des Blutvergießens zu warten. Aber...“, er legte eine Pause ein. Alle im Raum hielten den Atem an, um nicht die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich zu ziehen. Jeder von ihnen ahnte was es bedeutete den Zorn von Azrael ausgesetzt zu sein. ,,IHR SEID SCHWACH“, schrie er. Alle rangen hörbar nach Luft. ,,Jeder von euch weiß, was wir mit Schwächlingen machen. Wir töten sie! Fast alle von euch werden, die nächsten Minuten, nicht überleben. Ihr wer...“ Bevor er den Satz beenden konnte, flog eine Gestalt durch die Fensterkuppel. Ihr Mantel flatterte durch die Luft wie die Schwingen eines Engels. Sie landete, in einer Hocke, auf dem Altar, genau vor Azrael. Bunte Glasscherben regneten auf dem Boden. Es war eine Vollkommen in Weiß gekleidete Frau. Sie hatte Alabasterfarbene Haut. Als sie ihren Kopf hob sah man, dass ihre Augen die Farbe flüssigen Goldes hatten und ihre Haare Windzersaust waren. Sie zog ihre goldene Pistole, zielte auf Azrael´s Stirn und sagte ,,Lange nicht gesehen“. Kaum, dass diese Worte gefallen waren, drückte sie auch schon ab. Die Wunde zischte und schwarzer Dampf stieg empor. Das Blut der toten Anbeter hielt auf die Wunde zu und heilte sie. ,,Ich hab´ mich schon gefragt, wann du auftauchen würdest, Engel Lucia“. Der Engel antwortete mit einem Lächeln ,, Bitte, wir haben schon so viel miteinander durchgemacht. Nenn´ mich einfach Lucy.“ ,,Und wie ich sehe“, antwortete das Wesen ,,hast du auch eine, dieser neumodischen, Waffen.“ ,,Einer von uns, muss ja mit der Zeit gehen.“ Antwortete sie. Die Anbeter konnten ihre Mordlust nicht zurückhalten, sie griffen ein. Manche von ihnen zogen Messer oder Schwerter, andere wiederum Pistolen und Gewehre hervor. Alle zielten auf eine Person. Lucy. Nach einem Moment der Stille, gab sie ein wölfisches Grinsen von sich. Schneller als jedes Auge, bewegte sie ihren Arm und eröffnete das Feuer. Die Todesanbeter griffen die Frau an. Lucy wich ihren Geschossen spielend leicht aus oder schoss die Kugeln, mit ihrer Pistole, in der Luft ab. Die mit Klingen bewaffneten Angreifer wurden mit Lucys weißen Stiefeln weggetreten, einige bekamen den Lauf ihres Revolvers am Kopf zu spüren. Mark konnte nicht fassen was er sah. Nach ein paar Minuten waren die Kultanhänger auf die Hälfte dezimiert worden. Lucy war den ganzen Kampf über auf dem Altar geblieben und hatte noch nicht einmal einen Kratzer davon getragen. Die Frau hatte eine ähnliche Ausstrahlung wie Azrael, denn nun begann eine panische Flucht. Weil er eine sensationelle Story witterte, nutzte Mark die Panik um sich hinter einer der Säulen zu verstecken. Alle, außer dem Großmeister der noch immer auf der Kanzel stand, waren verschwunden. Lucia und Azrael starrten sich gegenseitig an. Nach kurzer Zeit wandte sich der Dämon an den Großmeister ,,Kümmere du dich um sie. Ich habe wichtigeres zu tun.“ Der Großmeister antwortete mit einem vorfreudigen Funkeln in den Augen ,,Jawohl, Meister. Es wird mir eine Ehre sein.“ Azrael achtete nicht weiter auf ihn und sprang aus einem der Fenster, in die Nacht hinaus. Wissend, dass der Großmeister die Konfrontation mit dieser Frau, nicht überleben würde.

,,Unser Messias hat mir aufgetragen dich zu töten“ ,,Messias? Pah!“, antwortete sie abfällig ,,Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Außerdem ,dass du mich töten sollst, hat er doch eben selbst gesagt. Ich bin nicht taub, weißt du?“ Der Großmeister hörte ihr nicht zu, er schwafelte weiter ,,Ich werde, nach dem ich dich getötet habe, seine rechte Hand und gemeinsam werden wir dann die Zeit von Kampf und Tod einläuten.“ Lucy schüttelte nur den Kopf. Armer Irrer, dachte sie. Der Großmeister zog zwei MP38 aus seiner Kutte hervor und sprang von der Kanzel. Er baute sich zu voller Größe auf. Mit einem ,,STIRB!“ auf den Lippen schoss er blindlings, in richtig Lucy. Sie machte keine Anstalten sich zu bewegen, denn die Schüsse zischten alle an ihr vorbei. Wie konnte so ein Schwachmatt nur Großmeister werden? schoss es ihr durch den Kopf. ,,Das Zielen musst du wohl noch üben.“ sagte sie spöttisch.
Eine einzige Kugel streifte ihre Wange. Regenbogenfarbiges Blut quoll daraus hervor. Nun verlor sie ihre Geduld. Sie musste ihre Jagd zu Ende bringen, bevor die ganze Welt vor die Hunde ging.
Ein einziger, gezielter Schuss in den Kopf, brachte den Kopf des Großmeisters zum Explodieren und beendete sein Leben. Lucy gab ein wölfisches Grinsen von sich, bis ihre Sicht verschwamm. Geweihte Kugeln, dachte sie noch, bevor sie zusammenbrach. Mark kam aus seinem Versteck hervor. Er maß den Puls der Frau, die einfach zusammengebrochen war. Sie war nicht Tod, nur ohnmächtig. Vielleicht kannte die Frau ein paar Antworten, auf die tausend Fragen, die Mark durch den Kopf schossen. Er nahm Lucy mit zu seinem, in der nähe stehenden, Wagen. Mark fuhr mit Lucy zu seinem Apartment.

Im Gefängnis war alles totenstill. Die Leichen lagen bewegungslos da. Einer der dort Liegenden zuckte mit den Fingern. Vielleicht waren es nur ein paar Muskelzuckungen. Doch er stand auf. Seine Augen waren Weiß. Die Zähne liefen spitz zu. Er bewegte sich, sofern es seine Verletzungen zuließen, auf die offene Gefängnistür zu. Jetzt standen auch alle anderen Opfer, von Azrael, auf und torkelten zum Ausgang. Sie hielten auf die Stadt zu. Die Lichter wurden von ihren Augen reflektiert. Sie wollten nur eins und das war Blut.


Fortsetzung folgt…


© EINsamer wANDERER


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Beschreibung des Autors zu "Engeltod II – Konfrontation"

Hier der zweite Teil. Morgen kommt der dritte.

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Kommentare zu "Engeltod II – Konfrontation"

Re: Engeltod II – Konfrontation

Autor: axel c. englert   Datum: 30.05.2015 10:47 Uhr

Kommentar: Ist inhaltlich nicht meine Welt –
Doch spannend, wie es unterhält!

LG Axel

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