Und er würde sich heute definitiv nicht von Bea heimschicken lassen! Der Typ mochte ihn noch nie! Aber das beruhte ja auf Gegenseitigkeit. Also versuchte Kevin mit Bea da weiter zu machen, wo sie gerade aufgehört hatten.

Aber sie lächelte ihn dann etwas zerknirscht an, nahm seine Hand weg und meinte:“ Tut mir leid, Kevin. Aber ich kann das jetzt nicht!- Wollen wir vielleicht schlafen gehen?“

Kevin fand das ja sogar noch besser, weil er sich natürlich erhoffte, dass sie ihn dann endlich ranließ. Und deshalb antwortete er: „ Gute Idee, Bea-Mäuschen! Komm, das machen wir dann gleich!“

Bea führte Kevin also in ihr Schlafzimmer. Dann zog sie sich zwar noch aus und forderte ihn auf, dass er doch auch zu ihr ins Bett kam. Aber als er dann folgte und bloß anfing, sie zu berühren, Meinte sie dann entschuldigend:“ Sorry, Kevin. Können wir das bitte auf später verschieben, ich kann das jetzt wirklich nicht!“

Kevin war zwar echt enttäuscht, aber versuchte, den Verständnisvollen zu mimen:“ Nein, ist schon OK, Bea-Mäuschen! Wir haben ja das ganze Wochenende Zeit!“

Und dann lagen sie echt nur nebeneinander. Mehr als einen kleinen Gute-Nacht-Kuss gab es nicht!

Kevin verteufelte diesen blöden Matthias. So ein Vollidiot. Jetzt versaute er ihm sogar noch seine Tour bei Bea. Na, der konnte noch etwas von ihm erleben!

Bea hingegen zermarterte sich die ganze Nacht ihren Kopf und fragte sich, wie so etwas passieren konnte- und ob es irgendeinen Ausweg aus dieser Situation gab. Freilich mochte sie ihren Stiefvater nie, aber das hatte er jetzt auch nicht verdient! Und was sollte ihre Mutter jetzt machen? Sie konnte doch nicht ernsthaft meinen, dass sie mit einem Mann in dieser Größe zusammenbleiben könnte. Und dann ging schon wieder diese Streiterei mit Kevin los. Aber, wenn Matthias wüsste, wie verständnisvoll Kevin jetzt war! Sie war ja noch begeisterter von ihm, als vorher! Er hatte sofort verstanden, dass sie jetzt nicht an Sex denken konnte- und hielt sich zurück, fasste sie nicht mal an, obwohl er neben ihr im Bett lag!


Und so verlief die Nacht ganz anders, als geplant, aber Bea war trotzdem glücklich. Nur Kevin fand ihr Verhalten insgeheim wieder recht spießig und langweilig. Hätten sie nicht wenigstens kuscheln können? Aber sie machte ja sofort dicht, wenn er sie bloß berührte.
Matthias indes, saß in seinem Häuschen und sinnierte über den heutigen Abend! Klar war Bea unerfahren und naiv, aber selbst dann musste sie doch erkennen, was für ein Nichtsnutz und Aufschneider dieser Kevin war! Hoffentlich hatte sie ihn wieder heimgeschickt!
Aber er hatte die Haustür gar nicht gehört!

Irgendwann legte er sich dann doch ins Bett, denn er konnte ja sowieso nichts machen. Bea war ja erwachsen- und den Rat von ihm, dem welterfahrenen Mann, wollte sie ja nicht hören!



Und als er dann wieder aufwachte, klingelte es an der Haustür. Doch es ging anscheinend niemand hin. Stattdessen hörte er, wie plötzlich jemand im Hausflur laut schrie:“ Bea, Kevin! Guten Morgen! Ich bin hier! Lasst Euch nicht stören!“


Und dann hörte er Schritte. Aber diese kamen nicht näher, sondern bogen wohl ab.

Ja, ich hatte mit dem Klingeln bloß vorwarnen wollen- und öffnete mir dann mit dem Zweitschlüssel die Haustür. Dann wünschte ich mal vorsichtshalber guten Morgen- und lief dann schnurstracks in die Küche, setzte mir das Headset auf- und ging ins Wohnzimmer.

Dort war aber weder Bea, noch ihr Freund zu sehen. Aber es war nicht zu übersehen, dass sie dort gewesen sein mussten, denn auf dem Tisch standen 2 benutzte Sektgläser und von der Haustür bis zur Couch zog sich eine Spur an Klamotten, inklusive Bh! Na, dachte ich bei mir, die haben wohl gestern die sturmfreie Bude genutzt!

Matthias fiel beinahe von den Vibrationen aus seinem Bett! Was ist denn das?- dachte er, stand auf, lief vor seine Haustür.- Und was sah er da? Der nächste Riese stand an der Couch! – Das war doch diese Freundin von Karina, oder?

Er sprach also in sein Headset:“ Einen wunderschönen guten Morgen, Silvana!“

Oh Mann, war ich überrascht, wieder diese Stimme zu hören:“ Auch einen wunderschönen guten Morgen, du ungehobelter Kerl! Übrigens heiße ich Silvia- und nicht Silvana! Ich hoffe, du hast gut geschlafen! „

Aber da kam es schon wieder etwas übernächtigt und angesäuert zurück:“ Wie soll man da gut schlafen, wenn die Stieftochter, die ich angenommen habe, wie mein eigenes Fleisch und Blut, trotzdem, dass ich ihr mehrmals abgeraten habe, etwas mit diesem furchtbaren Nichtsnutz anfängt? -Und das auch noch vor meinen Augen?“

Meine Güte, ist der von sich selbst überzeugt, dieser Kerl, dachte ich- und fragte dann aber doch:“ Was heißt da, vor deinen Augen? Außerdem ist Bea doch erwachsen, oder? Muss sie dich da noch um Erlaubnis fragen?“- echauffierte ich mich leicht!

Und schon tönte es wieder wütend in meinen Ohren:“ Meine Güte, ich weiß das doch wohl besser als sie! Außerdem habe ich gestern gesehen, wie sie beide halb nackt auf der Couch saßen und sich küssten! Und dann hat sie Karina angerufen und sie hat ihr alles erzählt!“

Jetzt reichte es aber echt! Ich wurde jetzt auch wütend und schrie fast:“ Sag mal, was bildest du dir eigentlich ein? Bea ist erwachsen und kann alleine entscheiden, was sie macht oder auch nicht! Da braucht sie keinen älteren Herrn, der ihr sagt, was sie zu tun oder zu lassen hat!“

Bea und Kevin waren schon vom Klingeln und von meiner Begrüßung aufgewacht. Aber jetzt hörten sie mich auch noch schreien. Sie sprangen halb aus dem Bett und liefen ins Wohnzimmer.

Kevin war ganz perplex:“ Was ist denn passiert? Brauchen Sie Hilfe? Wer sind Sie überhaupt- und was machen Sie hier?“

Ich spürte, wie in mir die Röte aufstieg:“ Guten Morgen nochmal! Ich bin Silvia, die beste Freundin von Karina! Ich wollte Euch nicht stören! Karina hat mich gebeten, mal vorbei zu schauen am Wochenende!- Hier bin ich!- Und Euch ggf. noch das mit den Headsets zu erklären! Aber, so wie ich hörte, wisst Ihr das schon!“


Und etwas zerknirscht fügte ich noch hinzu:“ Und gerade hatte ich eine kleine Meinungsverschiedenheit mit Matthias- und bin wohl etwas lauter geworden, als beabsichtigt!“


Und- als wäre die Situation nicht schon komisch genug, vibrierte und bimmelte ein Handy auf dem Couchtisch. Kevin ging ran:“ Andi, hi! Was ist denn los?“
Bea konnte Gottseidank seinen Kumpel nicht hören. Denn der fragte:“ Kevin, wollen wir heute Abend zusammen auf die Piste? Wie lief es eigentlich gestern? Hast du die Puppe endlich flachgelegt?“

„ Ja. Wann soll es denn losgehen? Das erzähle ich dir dann alles, wenn wir uns sehen!“


„ Dann heute so um 23 Uhr in unserem Club! Ich habe gehört, dass da noch ein paar ganz heiße Bräute heute kommen sollen!“

Und dann meinte Kevin zu Bea:“ Bea-Mäuschen! Ich glaube, ich muss dich heute Abend leider allein lassen! Andi braucht meine Unterstützung!“

Matthias hatte das alles mit angehört. Weil er allerdings so klein und sein Gehör daher besser war, hatte er auch mitbekommen, was Kevin’s Kumpel zu ihm gesagt hatte. -und daher sprach er jetzt ins Headset:“ Das ist die beste Entscheidung, die du nur treffen konntest, Kevin! Bitte lass Bea allein!“

In dem ganzen Durcheinander hatte er natürlich nicht dran gedacht, dass nur ich das Headset aufhatte. Also gab ich den Kindern ihre Headsets vom Couchtisch- und sagte:“ Bitte wiederhole das jetzt nochmal, Matthias!“
Und dann kam ein wütendes:“ Ja, bitte, Kevin, du Nichtsnutz! Bitte geh so schnell wie möglich und lass Bea in Ruhe! Ich hab dir doch schon so oft gesagt, dass der nichts taugt, Bealein! Jetzt siehst du es mal wieder! Kaum läuft mal wieder etwas nicht, wie er es will, läuft er weg, der Idiot! Mit seinem Kumpel andere heiße Bräute abchecken!“


Kevin wusste zwar nicht, woher er das wissen sollte, aber er sah Bea’s ungläubigen Blick, ging zu ihr rüber, nahm sie in den Arm und küsste sie und flüsterte:“ Bea-Mäuschen, ich weiß nicht, was der meint, aber ich treffe mich bloß später mit Andi, ehrlich! Und du weißt, dass ich jetzt viel lieber bei dir wäre, aber Andi braucht mich!“

Und schon tönte es verächtlich durch das Headset:“ Du bist nicht bloß ein Nichtsnutz, sondern auch ein verdammter Lügner, Kevin! Wenn ich könnte, dann würde ich dich jetzt am Schlafittchen packen- und dich zur Tür hinausbefördern! Verschwinde bloß schnell, bevor Bea herausfindet, was du für Einer bist!“


Kevin wurde immer wütender- und weil Bea auch nichts dagegen sagte, reichte es ihm jetzt echt! Erst wurde nichts aus dem eigentlich schönen Abend- und dann musste er sich auch noch von diesem Vollidioten beschimpfen lassen.

Er ging auf die Stadt zu und trampelte dann einfach ein Stück der Straße entlang, ohne es überhaupt zu bemerken, dass er mit seinen Schuhen, Marke Waldbrandaustreter- Größe 48- auch noch diverse Vorgärten und Garagen niedertrampelte.

Matthias stand noch vor seinem Haus und spürte nicht nur die Vibration der Erschütterungen von Kevins Schritten, sondern sah auch, wie er immer näher kam und dann schrie er angsterfüllt:“ Bist du noch zu retten, Kevin! Bea, mach doch was!“



Bea konnte gar nicht glauben, was sie da sah. Sie wusste ja, dass Kevin recht impulsiv war. Aber das hatte ihr sogar gefallen an ihm. Aber dass er deswegen einfach etwas mutwillig zerstörte?!

Bea kam fassungslos auf Kevin zu:“ Kevin, hör auf! Du machst mir ja Angst!“

Kevin tat es zwar überhaupt nicht leid, aber des lieben Friedens Willen blieb er stehen und gab sich reuevoll, nahm Bea in den Arm, küsste sie- und versicherte ihr flüsternd:“ Es tut mir so leid, Bea. Ich wollte das gar nicht, aber irgendwie ist es einfach über mich gekommen, als dein Stiefvater mich derart beleidigt hat! Entschuldige, Mäuschen! Mache ich nie wieder! Aber jetzt mache ich mich mal besser auf den Weg zu Andi. Wenn du willst, komme ich morgen wieder- und wir verbringen noch einen schönen Tag zusammen, Bea!“

Bea war echt überrumpelt von diesem Verhalten- und wusste auch nicht, was sie denken sollte. Also verabschiedete sie Kevin kurz und schaute sich dann den Schaden an.

„ Ach, du meine Güte! Da ist ja nicht mehr als alles kaputt!“- rief Bea entsetzt.


Matthias fand es jetzt nicht mehr als richtig, dass sie auch mal Mitleid mit ihm hatte- und brüllte daher fast:“ Ja, wundert dich das denn, Bea! Ich hab dir doch immer und immer wieder gesagt, dass der nichts taugt! Und dann lügt er dich auch noch an? Weißt du, was sein Kumpel von ihm wollte? Er wollte mit ihm auf die Piste gehen und die heißen Bräute abgreifen. Und sein Kumpel wollte wissen, ob er dich endlich flachgelegt hat! Ja, so Einer ist das nämlich! Und einen Schritt mehr- und er hätte mich auch auf dem Gewissen gehabt!“

Bea konnte und wollte das nicht glauben- und Matthias schon einmal gar nicht und antwortete skeptisch und wütend:“ Halt du dich da bloß raus, Matthias! Du bist doch an allem schuld! Hättest du ihn nicht so beleidigt, wie gestern übrigens auch schon, dann wäre er doch gar nicht so ausgerastet!“

Ich sah, dass Bea echt nicht mehr wusste, wo vorn und hinten war- und ging auf sie zu, nahm sie in den Arm und flüsterte:“ Komm, Bea, wir setzen uns jetzt mal gemeinsam hin, trinken eine Tasse Kaffee und beruhigen uns erst einmal! Und dann überlegen wir uns, was wir machen.“


Gesagt, getan! Ich ging in die Küche und schaute mal nach Kaffee, fand keinen, aber ein paar Teebeutel. Hätte ich mir ja auch denken können, bei Karina, dieser Gesundheitsfanatikerin, dachte ich. Aber deshalb machte ich uns eben einen Beruhigungstee. Auch nicht so ganz falsch, dachte ich dann!

Und als wir dann zusammen am Küchentisch saßen und unseren Tee tranken, hatte ich die Idee, doch mal Karina anzurufen und zu fragen, was man denn machen könne, wenn etwas kaputt gegangen wäre.

Denn es dürfte ja nicht das erste Mal gewesen sein, dass mal etwas kaputt ginge. Und ich beruhigte Bea, dass ich das ja machen könne, den Anruf!

Also rief ich auf Karinas Handy an. -Und als sie sich meldete, begann ich: „ Hallo, Karina! Ich bin’s! Du, sag mal, was kann man denn machen, wenn aus Versehen in der Stadt etwas kaputt gegangen ist?“

Karina meinte dann:“ Kommt drauf an, um was es sich handelt. Wenn es sich um Autos oder Häuser handelt, dann dreh sie um, unten steht dann eine Nummer drauf. Schick mir die und ich kläre das mit der Forschungseinrichtung. Die bringen mir dann ein neues Duplikat- und sie tauschen es einfach aus und schließen es wieder ggf. an Strom und Wasser an! Solange sonst niemandem etwas passiert ist!“

Natürlich hatte ich wieder vergessen, das Headset abzusetzen- und Matthias hatte alles mitbekommen. Deshalb tönte es gleich wieder von ihm:“ Und dass ich beinahe drauf gegangen wäre, erzählst du mal wieder nicht?“

Jetzt wurde ich aber sauer:“ Du kleiner Wichtigtuer, du hälst dich da jetzt mal raus, wenn sich zwei erwachsene Menschen unterhalten! Damit das jetzt mal klar ist!“
„ Mit wem sprichst du, Silvia?“- kam es da von Karina.
„ Ach, bloß mit Matthias! Der musste mal wieder um Mitleid betteln, weil er ja fast getroffen worden wäre! Aber alles gut, er lebt leider noch!“- Den letzten bissigen Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen.
Und zu Bea gewandt sagte ich dann: „ Siehst du, Bea, alles halb so schlimm! Wir machen nachher eine Liste und schicken sie deiner Mama!“

Mir tat das Mädchen echt leid. Erst stirbt ihr geliebter Papa, dann kommt dieser furchtbare und rechthaberische Typ nach- und dann erwischt sie so einen cholerischen Freund! Schlimmer geht es echt nicht!

Bea lächelte mich glücklich an, nahm mich in den Arm und flüsterte:“ Vielen herzlichen Dank, Silvia! Ich würde mich so freuen, wenn du vielleicht hierbleiben und mir dabei helfen würdest!“- und sah mich dabei so hilfesuchend an, dass ich gar nicht nein sagen konnte.


Wir setzten uns also hin, fotografierten den Schaden mit dem Handy- und machten dann auch von jedem kaputten Teil ein Foto, von oben und von unten- und schickten es Karina per Whatsapp. Danach fegten und wischten wir noch den Rest sauber.

Und natürlich konnte das Matthias auch wieder nicht unkommentiert lassen:“ Ja; das sieht ja schon mal ganz gut aus jetzt. Bin gerade mal lang gelaufen. Und danke Eurer Nachfrage: Uns geht es allen gut. Niemand ist zu Schaden gekommen, Gottseidank! Wenn jetzt noch alle kaputte Teile wieder ersetzt werden dann gut! Aber bitte holt mal eine Pinzette und stellt die Bank auf der Straße wieder an den Straßenrand! Dann seid Ihr vorerst fertig!“

Bea fand es ungeheuerlich frech, wie ihr Stiefvater zu ihnen sprach, aber sie hatte schon eine Idee, wie sie ihm dieses Verhalten austreiben konnte. Sie stand auf, ging ins Bad- und holte alle Pinzetten, die sie fand. Ihre Mutter hatte als gelernte Kosmetikerin natürlich nicht nur ein Exemplar, sondern eine Riesen-Auswahl. Alle Größen und Formen. Die brachte sie mit und breitete sie vor sich aus.

Und dann richtete sie das Wort wieder an Matthias:“ So, Matthias, dann zeig uns doch bitte mal die Bank, die du meinst- und wo sie wieder hin soll!“

Matthias machte sich also auf dem Weg zur Bank und meinte dann mal wieder richtig oberlehrerhaft:“ Schau, Bea, ich stehe daneben!“

Bea hatte ihn zwar hinlaufen sehen, aber tat erst einmal so, als würde sie ihn nicht richtig erkennen können.
Dann sah sie mich verschwörerisch an und meinte:“ Ich sehe dich gar nicht, Matthias! Stell dich doch einfach mal auf die Bank und wink mir zu!“- nahm dabei eine Pinzette – und griff genau als er winkte damit nach ihm, nahm ihn hoch und hielt ihn mir zappelnd vors Gesicht mit den Worten:“ Schau, Silvia, das ist der nervige kleine Wicht, der sich hier aufspielt, als wäre er Albert Einstein persönlich! Sieht der nicht jämmerlich aus?“

Ich streckte ihr die Hand hin und sagte bloß spöttisch:“ Lass ihn mir mal genauer ansehen, Bea!“- und als er auf meiner Hand aufkam, nahm ich mit der Anderen die Pinzette und hielt ihn mir mal so hin, dass ich ihn genauer sehen konnte und meinte dann bloß zu ihr:“ Ja. Auch von Nahem gesehen sieht er nicht besser aus. Genauso traurig und jämmerlich!“

Das ließ Matthias jetzt aber so nicht auf sich sitzen und streckte sich auf meiner Hand zu seiner vollen Größe aus und brüllte dann wütend:“ Dir verzeihe ich ja dein Urteil, Silvia, weil du mich gar nicht kennst. Aber Bea müsste doch wissen, wie gut aussehend, beeindruckend und weltgewandt ich doch bin!“

Bea lachte laut auf und meinte dann bloß spöttisch: „ Ja, genau- nur Eines hast du bei deiner Aufzählung vergessen- und zwar, dass du ja überhaupt nicht eingebildet bist, du kleines unbedeutendes Insekt! Bei soviel selbstverliebtem Scheiß, könnte ich echt kotzen!“

Ich hätte mich bald totgelacht über diese Szenerie. Die Kleine hatte es echt faustdick hinter den Ohren!

Aber dann sagte ich, als ich nach dem Lachanfall wieder Luft bekam:“ Was meinst du zu folgender Idee, Bea?: Wir setzen den Winzling zurück auf seine Bank- und wir 2 Erwachsenen trinken jetzt zusammen ein Glas Sekt und überlegen uns, was wir mit dieser Stadt und ihren Bewohnern noch so anstellen können!“

Bea lachte aus vollem Herzen:“ Silvia, du gefällst mir immer besser! So machen wir das!“
Und dann griff sie nach einer Pinzette mit ganz spitz zulaufenden Enden- und ging mit den Enden erst einmal über seinen Bauch, dann versuchte sie echt damit unter seine Achseln zu kommen- und anscheinend hatte sie es auch geschafft, denn plötzlich kam ein Kichern und ein:“ Was soll denn jetzt dieser Scheiß?- aus dem Headset. Dann zog sie erst einmal an dem linken, dann an dem rechten Arm. Und schon tönte es:“ Jetzt reicht es aber mal wieder, oder? Ihr hattet Euren Spaß jetzt! Aufhöören!“

Bea sah mich grinsend an:“ Also, ich höre nichts! Du, Silvia?“


Und schon zog sie am linken Bein. Matthias brüllte:“ Aufhören, Ihr minderbemittelten Weiber!“

Ich grinste jetzt Bea an und sagte:“ Ich glaube, er möchte, dass wir weitermachen! Er hat soviel Spaß dabei!“

Bea blühte richtig auf, schob mit der Spitze der Pinzette sein Oberteil zur Seite- und kitzelte ihn mit einer diebischen Freude am Bauch.

Und als er dann fast nicht mehr konnte vor Lachen, dann fragte sie:“ So, mein allwissender Stiefvater: Jetzt erzähl mir doch mal, wer jetzt noch alles in dieser Stadt haust!“

Matthias merkte, dass er schon fast verloren hatte, aber was konnten sie ihnen schon groß antun?

Matthias antwortete also missbilligend:“ Unter Anderem Gernot, dein früherer Mathelehrer im Gymnasium. Du weißt ja, dass wir befreundet sind. Und sein Sohn Markus. Du weißt schon: Das war der, der schon 2 Klassen übersprungen hatte, bis er bei dir in die Parallelklasse kam! Ein toller Junge! Der wäre eher was für dich gewesen, als dieser Kevin, Bea!“

Bea rümpfte die Nase. Der einzige Gedanke, der ihr jemals bei diesem Markus gekommen war, war, wo der nächste Mülleimer war, wo sie sich rein übergeben konnte. So ein dermaßen furchtbarer Streber und Arschkriecher war das gewesen! Pfui Teufel!

Und sein Vater war der wohl schlimmste Lehrer an ihrer Schule gewesen. Als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen. Frauen waren sowieso dumm und hatten von Naturwissenschaften keine Ahnung. Oh Mann, hatte sie den gehasst, mit seinen hässlichen Kord-Sakkos in wahlweise beige oder braun- und dazu immer irgendein kariertes Hemd. So ein ekliger und schmieriger Typ! Wie der eine Frau gefunden hatte- und dann auch noch ein Kind gezeugt haben sollte, war ihr vollkommen schleierhaft!

Aber gut, dass sie das jetzt wusste, dachte Bea- und grinste in sich
hinein.

Und jetzt nahm ich erst einmal eine Pinzette und setzte das durchgedrehte Gummibärchen zurück auf die Bank. Daraufhin holte ich 2 Sektgläser und den kalt gestellten Rest des Schampusses, setzte mich auf die Couch, goss uns das prickelnde Getränk ein, grinste Bea verschwörerisch an und rief:“ Komm, lass uns anstoßen, Bea! Auf die ganzen verlogenen Typen, die wir schon kennenlernen mussten!“
Bea grinste wissend, kam rüber, platzierte sich neben mich, nahm ihr Glas, stieß mit mir an und antwortete:“ Auf dass diese ganzen verlogenen, eingebildeten Typen noch ihr blaues Wunder erleben! Karma is a bitch! Und ich manchmal auch!“

Und so unterhielten wir uns über unsere ganzen Fehlgriffe und es leerten dabei immer mehr diie Sektflasche, bis Bea sie hochnahm, umdrehte, etwas verpeilt dabei schaute und sagte:“ Scheiße, ich glaube, der Alkohol ist leer!. . . . Aber, meinte sie dann leicht angesäuselt, . .. Ich habe ja noch eine 2. Flasche da. . . .. Und wenn Kevin nicht mit mir trinken will, dann ist er eben selber schuld! Dann trinken eben wir zusammen, Silvia!“

Und schon verschwand Bea wieder und kam kurz darauf mit der 2. Flasche zurück.

Doch man möchte es kaum glauben, denn dann drang plötzlich wieder eine angesäuerte Stimme durch das Headset:“ Ach, Kinder! Ich freue mich ja für Euch, dass Ihr Spaß habt! Aber jetzt mal ehrlich! Nicht noch eine 2. Flasche!“

Bea verdrehte die Augen und meinte dann bloß zu mir:“ Hör nicht auf diesen Spießer, Silvia! Prost!“

Und mir ging dieses ständige Einmischen von ihm echt auf den Geist und dann antwortete ich bloß grinsend:“ Bea, du meinst ja wohl nicht, dass ich mir von diesem nervigen Kerl irgendetwas sagen lasse, oder? Wenn er mich weiter nervt, brauche ich ja bloß einmal drauf zu treten! Und dann ist erst mal Ruhe!“

„ Das wagst du nicht!“ – kam es wutschnaubend von Matthias zurück.

Ich lachte laut auf. „ Das wirst du dann schon sehen, mein Freund! Oder soll ich einfach noch ein wenig Feldforschung betreiben und probieren, wie lang ich deine Arme und Beine ziehen kann, bevor etwas kaputt geht, du winziges Gummibärchen?“


Oh Mann, war ich gut drauf nach dem Sekt! Aber Bea sogar noch besser! Und deshalb beschlossen wir, uns doch mal selbst davon zu überzeugen, wer alles hier wohnte und warum.- Und ob die sich dann vielleicht besser benehmen konnten, als Matthias.

Also begannen wir, an dem ersten Straßenzug, aus dem Matthias gekommen war, das erste Häuschen hochzuheben. Bea fragte dann leicht angesäuselt:“ Ist da jemand drin? Wenn ja, sag’s besser gleich. Denn sonst schüttele ich dich gleich raus!“

Und schon schüttelte und rüttelte sie an dem Häuschen.

Matthias sah das und fuhr beinahe aus der Haut:“ Bea, bist du jetzt komplett durchgedreht? Da wohnt doch Gernot! Hör sofort auf damit!“

Bea lachte teuflisch:“ Ach, der liebe Gernot wohnt also da? Schön! Dann kann ich also getrost weiter schütteln! So, mein liebster Gernot, dann bring mir doch mal den Gegenbeweis, dass 1 geteilt durch 0 nicht unendlich ergibt! Damit hast du mich bei meiner letzten Prüfung durchfallen lassen, du miese kleine Ratte!“

Oh Mann, dachte ich: Die Kleine läuft ja zur Höchstform auf!

Und plötzlich hörte ich eine weitere Stimme ins Headset brüllen:“ Schluss jetzt! Ach, die kleine Bea ist also auch da? Das Mädchen, das zu blöd ist, einen ganz einfachen Beweis in Analysis darzustellen? Naja, ist eben bloß eine Frau! So etwas ist ja nur etwas für uns intelligente Männer! Quod errat demonstrantum!“

Hatte das dieser Kerl gerade wirklich von sich gegeben?- fragte ich mich selbst. Dann nahm ich das Häuschen, stocherte mit einer Pinzette links und rechts in alle Ecken, während ich es schräg über meine Hand hielt- und dann beim nächsten Rütteln, stob ein wütender Angstschrei an mein Ohr- und irgendetwas Winziges purzelte in meine Hand.

Bea stand schon neben mir, rot angelaufen vor lauter Wut, nahm ihn mit einer Pinzette hoch und fragte dann:“ Na, wie mächtig fühlen sie sich jetzt, Herr Tschierske?“

Gernot sah nur dieses riesige Gesicht und dann dieses Metall auf sich zukommen- und plötzlich fühlte er, wie er in die Luft gehoben wurde. Er begann, sich zu wehren und zu zappeln. Aber jetzt begann es- und sein Überlebenswille nahm die Überhand. Vor lauter Angst, stammelte er jetzt:“ Bitte, bitte, Bea! Ich habe das doch gar nicht so gemeint! Bitte lass mich wieder runter! Ich tue ja alles für dich, was du willst!“

Na, dachte ich, wenigstens der Typ hat jetzt verstanden, dass es eine ganz schlechte Idee ist, sich mit uns anzulegen!

Und weil mir jetzt noch eine Idee kam, fragte ich Bea:“ Sag mal, Bea, habt Ihr auch ein gutes Vergrößerungsglas im Haus? Mit meiner Brille muss ich mich nämlich echt anstrengen, nicht nur die Umrisse zu sehen!“

Bea verschwand kurz und suchte in diversen Schubladen. Und wirklich: Ihr fielen sogar 2 in die Hände. Für jeden eins.

Dann tranken wir beide noch gemütlich ein Glas Sekt, aber damit uns dieser Gernot nicht abhanden kam, packten wir ihn in eine durchsichtige alte Filmdose von früher, die wir nicht verschlossen, damit er wenigstens Luft bekam.Und ließen die Dose auf dem Couchtisch stehen.

Ich wollte jetzt aber auch mal schauen, wer da noch alles wäre. Aber ich nahm kein Häuschen, sondern ich nahm das nächste Auto, das herumfuhr hoch, nahm es mit zur Couch und da ich sah, dass sich hinter der Windschutzscheibe etwas bewegte, fragte ich betont freundlich. Aber mit einem gefährlichen Unterton:“ Ja, wen haben wir denn da?“

Und dann brüllten die beiden mir schon bekannten Stimmen von Gernot und Matthias auch schon los:“ Lass dich bloß nicht von den 2 Weibern bequatschen! Die sind ja nicht mehr bei Sinnen nach 2 Flaschen Sekt! Wer bist du überhaupt?“

Aber dieser Kerl war genauso blöd wie die anderen 2 und verriet dann gleich:“ Ich bin’s, Stefan! Und von 2 so einfältigen Weibern lasse ich mir doch definitiv nichts sagen, Jungs!“

Bei diesem Namen schrillten bei mir alle Alarmglocken:“ Das ist aber hoffentlich nicht der Stefan, den ich kenne, oder?“

Doch, der war noch nie die hellste Kerze auf der Torte gewesen- und redete weiter:“ Ach, Silvia, du bist es, meine Süße! Wer hätte denn schon Angst vor dir? Du konntest noch nie auch nur einer Fliege etwas zuleide tun!“

Dass du dich da mal nicht täuschst, du Vollidiot!- dachte ich bei mir.

Aber laut sagte ich zu ihm:“ Ach, wie ich mich freue, dich zu treffen! Bea, du musst wissen, das ist der größte Lügner und Betrüger, den du bis jetzt überhaupt getroffen hast! So, mein lieber Stefan, steig doch mal aus aus dem Auto!“

Mit diesen Worten stellte ich das Auto auf den Couchtisch. Und natürlich war er auch klein, immer noch der gleiche eingebildete und von sich selbst überzeugte Fatzke, wie vorher. Und stieg aus und stellte sich in seiner vollen Pracht neben das Auto.

Dann nahm ich das Vergrößerungsglas und flüsterte Bea zu, als ich durchsah:“ Er sieht immer noch genauso neunmalklug und eingebildet aus wie früher, nur noch ein bisschen älter! Schau du ihn dir mal genau an, Bea. Was sagst du dazu? Weißt du, was ich mal an dem gefunden habe?“

Bea nahm ihre Pinzette, nahm ihn hoch( egal wie sehr er zappelte und brüllte vor Angst, und besah ihn ganz genau durch ihr Vergrößerungsglas, lachte dann laut und antwortete bloß spöttisch:“ Also, ganz ehrlich, der Typ sieht erst einmal stinklangweilig aus. Ich weiß echt nicht, was an dem mal toll gewesen sein soll, Silvia! Das nächste Mal helfe ich dir beim Aussuchen!“

Wir tranken gleich noch ein Glas Sekt- und steckten ihn dann einfach zu Gernot mit in die Filmdose. Und dann lachten wir uns halb krank über die beiden schreienden und polternden Gestalten in der Dose!

Aber irgendwann wurden Bea und ich müde, auch aufgrund unseres Alkoholpegels.
Bea verabschiedete sich dann in ihr Bett- und ich legte mir ein Kissen und eine Decke zurecht und legte mich damit auf die Couch.

Ich war schon fast weggedämmert, da hörte ich eine Stimme im Headset:“ Könnt Ihr uns bitte da wieder rauslassen? Wir müssen aufs Klo! Bitte; bitte! Bei allem, was uns heilig ist. Lasst uns hier raus!“

Also setzte ich mich nochmal hin, nahm die Filmdose, spitzte schon halb schlafend hinein, dann ging ich rüber zur Stadt- und kippte alle beide auf die nächste Wiese. Mir egal, was die jetzt machen würden.

Da ich mich dann total geschafft hinlegte- und sofort einschlief, bekam ich nicht mehr mit, wie beide sich aufregten und was sie sagten, denn im Schlaf hört man das auch nicht.

Stefan schrie vor lauter Wut:“ Die ist ja wohl vollkommen durchgeknallt! Mein Schlüssel liegt im Auto. Was soll ich jetzt denn machen? Das steht doch immer noch auf dem Tisch!“

Gernot war auch wütend, aber meinte dann beruhigend: „ Komm, dann schläfst du eben bei mir!“

Und er hatte Glück, denn wir hatten sein Haus wieder an den richtigen Platz zuückgestellt. Und beide blieben dann dort über Nacht.

Bea und ich schliefen wie die Babies- und haben bestimmt ganze Wälder abgesägt, so besoffen und aufgedreht waren wir.

Da merkte ich nicht einmal, dass auf dem Couchtisch mehrmals ein Handy vibrierte( natürlich Beas!)

Aber wir Zwei träumten bestimmt von den ganzen restlichen Tagen und überlegten uns, was wir morgen dann anfangen könnten. Denn dieses männliche Gehabe würden wir nicht noch weiter mitmachen!


© sandybt


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Beschreibung des Autors zu "Smallville- Ein Experiment, das schief lief- und seine Folgen- 3. Teil-"

Der Rest des Freitagabends nach dem Geständnis- und dann der Samstag, dann großteils ohne Kevin, aber mit einer 2. Flasche Sekt!

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