Im Spätherbst, so Ende Oktober, Anfang November, durfte ich wieder meine Bayern-Oma besuchen.
Es war immer eine sehr schöne Zeit bei ihr.
Wir saßen gemütlich beim Frühstück, als mir plötzlich das kleine Salzfässchen aus den Fingern rutschte.
Es zerschellte auf dem Boden und das ganze Salz verteilte sich in der Küche.
Oma, die sonst die Ruhe in Person war, rief laut:
„Himmel Herrgott Sakrament, strei dem Deife d’Suiz in d’Agn, damit’s fürchterli brennt!“
Dann nahm sie etwas Salz, das sich auch auf dem Tisch verteilt hatte, und warf es sich über die linke Schulter:
„Schnell Madl, mach d’Augn zua, sonst gibt’s an fürchterlin Streid!“
Ihr könnt euch denken, dass ich vor Schreck mit offenem Mund dasaß und wie in Trance eine Prise Salz über meine Schulter warf.
Dann stellte ich mir vor, wie ein kleiner roter Teufel darauf saß und das ganze Salz in die Augen bekam. Er musste furchtbar weinen und die Englein vom Herrgott, der auf der anderen Seite saß, brachten ihm ein blütenweißes Taschentuch.
Der Herrgott meinte dann zum Teufel, er sollte nicht immer so ungeschickt sein.
Oma war ganz aufgeregt und mir tat das Ganze furchtbar leid.
Eine Träne lief über meine Wange und landete salzig in meinem Mund.
Oma kam zu mir und nahm mich in ihre Omatränenfängerumarmung, die nach Oma und Rosen duftete, und drückte mich, bis mir fast die Luft ausging.
„Ned traurig sei, Dirndl, du bist ned schuid, des war des kloane Deifele, des ungschickte. Desweng hod’s d’Suiz in d’Agn kriagt, dass’es dro erinnert, dass’s besser afbassen muass.“
Ich traute mich nicht zu fragen, was das Salz jetzt damit zu tun hatte und ob das Teufelchen jetzt immer noch weinen musste.
Wahrscheinlich hätte es auch eine Omatränenfängerumarmung gebraucht?
Oma und ich machten die Küche sauber und füllten neues Salz in das Fässchen.
„So, ez freit se da Herrgott und am kloan Deifele werd’s a Lehr g’ween sei."
Niemals werde ich dich hassen,
oder dir an die Gurgel fassen,
du,Neger,Edeljude oder Ultrachrist,
weil du mein ewiger Bruder bist;
Sie wollen,dass wir uns bekriegen,
und das wir für sie mordend [ ... ]
Die Poesie des Summ! Summ!
Summ der Bienen. Das Tralalala
als die Wahrheit der Welt. Der
Urschrei der Wolken als Weckruf
für den Kaffee. Die Sonne, die „Alle
meine Entchen“ singt. Und [ ... ]