Darf ich mich kurz vorstellen?
Ich bin eine Heidelbeere mit dem Namen Heide, zumindest nennen mich meine Freunde alle so. Gemeinsam sind wir an einem Heidelbeerstrauch aufgewachsen. Wir hatten eine lustige, schöne Kindheit und Jugend. Nun sind wir reif im Alter und gehen unsere Wege jede für sich.
Da mich mein Weg in einen Haushalt mit Kindern führte, will ich die Gelegenheit gleich mal beim Schöpfe packen und mit euch eine Reise starten....weiß nur noch nicht genau, wessen Körperreise es sein wird, also lass ich mich überraschen....
Da kommt auch schon so ein kleiner Steppke und greift in meinen Heidelbeerbecher. Hilfe, er hat mich ebenfalls am Schlawittchen gepackt. Jetzt wird mir doch ganz mulmig, von wegen Körperreise. Ich weiß, der Stippi wird Andi gerufen und genau so schreie ich ihn an: „Andi lass mich los, ich will nicht in deinen Schlund hinab....Lass mich endlich los.“ Meine Worte wurden in die Tat umgesetzt, er ließ mich los. Er tat das, wovor ich mich so gefürchtet habe. Ich landete mit einem Satz in seinem offenstehenden Mäulchen. Mit einem laut vernehmbaren Schmatzer schob er uns hin und her. Ich konnte nicht erkennen wer mit mir hier gelandet war und wie viele von uns, drei oder vier? Rudi rutschte gerade knapp an mir vorbei und es knackte verdächtig laut.....Rudi war auf einmal nicht mehr zu sehen. Beerit versuchte an mir Halt zu suchen....und mit einem mal wurde es immer feuchter um uns herum. Andi hatte seinen Sabber auch Spucke genannt voll auf uns losgelassen. Pfui das war nicht das was ich mir gewünscht habe. Aber dank des vielen Sabberzeugs in seinem kleinen Mundwerk musste er schlucken und ich landete zusammen mit Beerit unversehrt auf einer Rutschbahn, die die Menschen auch Rachen nennen. Das war lustig, bis wir einen mächtigen Schlenker in der Kurve verpasst bekamen um in der Speiseröhre, oder auch Ösophagus weiter zu rutschen. Nur gut auf der anderen Seite wären wir in der Lunge gelandet. Das hätte Konsequenzen für Andi gehabt. Aber wir sind in die richtige Richtung abgebogen. Ich nenne es mal die Ess - Bahnlinie. Man wird von hinten geschoben und nach vorne gedrückt, genau genommen nennt man diesen Vorgang Peristaltik. Dieser Vorgang bewegt uns durch das gesamte Verdauungssystem. Kann ja lustig werden dachte wir. Am Ende der Rutschbahn war ein Muskel, der sich öffnet um uns Einlass zu gewähren, sich aber nach uns sofort schließt, um uns nicht zurück in die Speiseröhre zu lassen. Wow, wir sind in eine Art Beutel gespült worden, dem Magen. Ein einziger Muskelproz der uns zeigt was er so kann. Angeber, schlimmer als Meister Propper. Er malt und mischt das Essen kraftvoll durch. Er versucht auch uns zu erwischen. Da müssen wir jetzt aufpassen, sonst kommen wir nicht heil aus der Geschichte heraus. In weiser Voraussicht, habe ich durch Beziehungen einen kleinen Rucksack dabei, in dem befindet sich eine Luftblase, die ich uns überstülpen kann um unversehrt zu bleiben. Ich will euch ja zeigen, was man auf einer Reise durch so einen kleinen Körper alles erlebt. Normalerweise hat kein Essen so eine Blase, das ist eine Ausnahme.
Ach du Schreck, was ist das denn, es brodelt, zischt und wird heiß unter meinem Hintern. So stell ich mir die Hölle vor. Beerit zittert schon vor Angst. Das ist Säure, Magensäure. Schnell die Blase übergestülpt und wir sind geschützt. Unsere nächste Station ist der Dünndarm, ein ellenlanger ca. 6 Meter langer Schlauch. Kann man sich kaum vorstellen so eine lange Schlange im Unterbauch des kleinen Andi, aber sie ist ja zusammengerollt, sonst hätte sie keinen Platz. Heiß ist es hier auch noch und wir schwimmen in der Luftblase Gott sei Dank sicher in grüner Gallenflüssigkeit. Sie hilft Fett zu verdauen und alle Abfälle aus dem Blut zu entfernen. Man muss also der Leber danken, wenn sie ihre Arbeit gut verrichtet und den grünen Saft produziert. Zur Seite steht ihr auch die Bauchspeicheldrüse mit guten Enzymen. Ich sehe unter der Leber eine Art Birne, die Menschen nennen es Gallenblase. Sie hält den Gallensaft fest, bis der richtige Moment kommt....Oh Mann, mir wird schon ganz schwummrig, Beerit ist nicht mehr ansprechbar, das ist zu viel für die kleine Beerendame. Ich bin da hart im Nehmen, darf nichts verpassen, ist so spannend diese Reise. Es gibt ja jetzt auch kein Zurück mehr. Die zusammenziehenden Darmwände bringen uns immer weiter nach vorne, sind schon im letzten Abschnitt des Dünndarms und kommen jetzt in den Dickdarm. Dem Wort nach zu urteilen, müssen wir da mehr Platz haben, er heißt ja Dick....Darm. Na mal sehen was uns hier erwartete. Beerit verschläft alles...Der Dickdarm ist auch als Colon bekannt, ein 1,5 bis 2 Meter langer Muskelschlauch. Buhhh, wir sind nicht alleine hier, sie umzingeln uns, lauter Bakterien. Ist Andi etwa krank, hat er Parasiten? Nein, keine Angst, die Bakterien helfen Nahrung, Vitamine und Nährstoffe abzubauen, damit Andis Körper sie nutzen kann. Da kann man nur staunen. Was ist denn das kleine lose Ding da am Eingang? Ach, der Blinddarm, der nicht wirklich was nutzt. Viele Menschen leben auch gut ohne das kleine Ding. Wenn der sich entzündet, muss ein Arzt ihn herausschneiden. Aber Andi hat seinen ja noch, schön für ihn.
Hier im Dickdarm ist es platzmäßig viel geräumiger. Wenn wir nicht in unserer Zauberblase wären, würden wir jetzt als gelber dicklicher Brei herumschwimmen. Durch die Muskelkontraktionen wäre sämtliche Flüssigkeit aus uns herausgesaugt worden, unsere endgültige Form der Stuhl, Kacke, Kacka, manche sagen auch noch anders dazu, egal wie, entsteht hier im Dickdarm. Noch immer sind Billionen von Bakterien im Darm, die nicht zu viel und nicht zu wenige sein dürfen. Sonst hätte Andi Probleme mit dem Darm. Wenn dieser zu voll wird, schiebt er einfach alles ins Rektum, da er es alleine eben nicht halten kann. Es dauert normal etwa 36 Stunden bis das was von der Nahrung übrig bleibt, das ist sehr wenig, als Abfall diesen Punkt erreicht hat. Wir sind jetzt an diesem Punkt... Holla die Waldfee... Hier geht’s rund. Das Rektum ist eine gerade Kammer von etwa 20 cm Länge mit speziellen Sensoren, die Andi wissen lassen, wenn es etwas gibt, was er loswerden sollte. Das ist auch der Zeitpunkt, wo Andi`s Gehirn gesagt bekommt: -Ich muss mal auf die Toilette-. Wenn dann der Ort der Begierde erreicht ist, kann sich der Schließmuskel entspannen und ade Stuhl, oder wie auch immer du es nennst.
Eines sei noch gesagt, jeder sollte froh sein, wenn Rektum und Schließmuskeln hart arbeiten, um das Zeug drin zu halten, wenn noch nicht der richtige Moment gekommen ist, wie zum Beispiel während der der Schulstunde, beim Spielen oder beim Schlafen.
Aber jetzt Andi, ist der richtige, perfekte Augenblick für uns gekommen, lass uns auf die Toilette gehen um Tschüss zu sagen. Ich hab noch soviel vor. In Freiheit möchte ich sprichwörtlich noch mal so richtig auf die Kacke hauen, du weist schon was ich meine...
Mit fremden Federn schmückt sich der,
der mit dem Kopf tut sich schwer.
Dabei wird es einem recht leicht gemacht,
was man mit eignem Geist nicht schafft.