Ich stelle die rosa Turnschuhe und die Atombombe zurück in die Zimmerecke zu dem Saxofon und zu dem ausgestopften Elefanten und bemerke, dass geklonte Mini-Spione im Elefanten hausen und sich zudem auch noch stark vermehren. Vielleicht sollte ich die Atombombe morgen im Verwaltungsviertel hochgehen lassen. Wir wollen doch mal sehen, wie sich die Gesellschaft entwickelt, wenn sie nicht mehr verwaltet und ausspioniert wird. Möglicherweise fangen die Leute selbstständig zu denken an. Vielleicht wird aber auch allen ganz langweilig, weil man dann keine Kreativität mehr dazu aufwenden müsste, völlig irrsinnige Regeln zu umgehen und kommunistische Regierungsvorgaben zu erfüllen. Man könnte sich verhalten, wie es einem beliebt, wenn man nicht mehr ausspioniert würde und man müsste sich nicht mehr selbst zu rechtskonformen Gedanken zwingen, wenn draussen nicht mehr diese Fahrzeuge mit den Gedankenscannern herumschleichen, wie metallische Haifische auf der Suche nach Beute.

Ich habe gerade im Moment Lust dazu, meinen Lieblings-Kaktus anzubeten. Nicht, dass ich an irgendeinen Kakteen-Gott glauben würde, oder dass mir Religion wirklich wichtig wäre. (Nur Donnerstags und Samstags.) Es ist nur so, dass draussen vor dem Haus tatsächlich schon wieder Gedankenscanner herumkurven und ich sie gerne austricksen möchte. Es muss ja keiner wissen, dass ich morgen eine Atombombe im Verwaltungsviertel zünde, das ja eigentlich das Regierungsviertel ist. (Auch wenn gern behauptet wird, dass Regierung und Verwaltung strikt getrennt operieren, was natürlich völlig widersprüchlich ist). Am besten kann man Gedankenscanner austricksen, indem man betet. Das Einzige, was in unserem fiktiven kommunistischen Musterland völlig frei von Kontrolle ist, ist die Religionsfreiheit. Wobei jeder jederzeit seine eigene individuelle Religion erfinden und anmelden darf. Es ist lediglich das Formular 1602 auszufüllen und anonym einzureichen. Da die Registrierung anonym vonstatten geht, ist es völlig egal, zu wem oder was man welche Wünsche betet, während Gedankenscanner in der Nähe sind. Sinn und Zweck der Sache ist es beim Beten auf das Gebet fokussiert zu denken. Damit vermeidet man im Moment des Gedankenscans irgendwelche revolutionären Gedanken zu denken. Gesetzeslücke.

Atombombe mit Wackelkontakt part II - Gedankenscanner austricksen

© by Björn Coen


© by Hartmut Holger Kraske


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Beschreibung des Autors zu "Atombombe mit Wackelkontakt part II - Gedankenscanner austricksen"

Aus meinem ewig unfertigen Roman DIE REVOLUTION DES ZUFALLS - Aus den Memoiren des Doppelgängers eines kommunistischen Diktators.

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Kommentare zu "Atombombe mit Wackelkontakt part II - Gedankenscanner austricksen"

Re: Atombombe mit Wackelkontakt part II - Gedankenscanner austricksen

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 15.02.2020 15:20 Uhr

Kommentar: Lieber Hartmut Holger,
naja, so ein bisschen Monty Python und ein Auge zudrücken. Aber deine künstlerische Freiheit hat mir hier und da ein Grinsen abverlangt. Und das belohne ich mit einem "Gefällt mir".
Liebe Grüße Wolfgang

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