Als ich eines Morgens aufwachte stellte ich fest, dass die ganze Welt aus schlampigen und vergesslichen Menschen bestand. Das war so?:

Es war der erste Januar 2008, ich bemerkte sofort, dass etwas in der Luft war, etwas war heute Nacht geschehen.
Als ich aus dem Fenster schaute machte mein Herz einen kleinen Hüpfer, es schneite. Der Schnee kommt zu spät, dachte ich, weiße Weihnacht, dass wäre schön gewesen! Dann bemerkte ich etwas, dass mich stutzig machte, auf der anderen Straßenseite stand eine Nachbarin im Morgenmantel. Hatte sie etwa vergessen sich umzuziehen? Die Arme musste doch frieren! Ich beobachtete, dass rege Treiben, zog mich dann an und ging nach unten in die Küche. Meine Mutter stellte mir meinen allmorgendlichen Tee hin. Ich setzte ihn an die Lippen und verschluckte mich vor Überraschung! Nicht nur, dass meine Mutter den Teebeutel vergessen hatte, sie hatte auch vergessen das Wasser heiß zu machen! Doch dies sollte nicht der letzte Schock an diesem Morgen sein. Die Tür ging auf und mein Vater kam in Unterhose herein. Waren denn alle über Nacht total vergesslich geworden? Erst die Nachbarin, dann der Tee und jetzt mein Vater! Meine Schwester setzte dem allen noch einen drauf, in dem sie mich ernsthaft fragte, was ich mir denn zu Weihnachten wünsche, Weihnachten war bereits vor acht Tagen gewesen! Immerhin haben wir Gestern Nacht ins neue Jahr gefeiert! Ich wollte so schnell wie möglich hier weg, also beschloss ich einen kleinen Neujahrsspaziergang zu machen. Ich zog meine Stiefelchen an und ging zur Türe hinaus. Auf meinem Spaziergang begegnete ich ein paar Bauarbeitern. ?Ey, wisst ihr was Jungs??, fragte einer der Arbeiter die anderen, ?Lass uns das Loch hier einfach zu machen und in die Kneipe gehen, ich hab keinen Bock mehr zu arbeiten!? Schlimm genug, dass alle so vergesslich waren, nun waren sie auch noch schlampig! Meine Füße trugen mich weiter. Ich wusste nicht wohin ich ging und ehe ich mich versah, war ich an meiner Schule angekommen. Ich blickte zum Gebäude empor und wunderte mich, wie schon so oft an diesem Tag. Aus der Schule entwich rosa Dunst. Und innerhalb weniger Minuten entdeckte ich noch etwas sehr merkwürdiges: Unser Chemielehrer saß vor dem geöffneten Eingang der Schule und blickte traurig in die Leere.

?Was machen Sie hier??, fragte ich meinen Lehrer, ?Warum sind Sie nicht zu Hause, bei Ihrer Familie? Es sind Ferien!? ?Ich weiß es nicht!?, antwortete er, ?Ich weiß es einfach nicht mehr!? Er strich sich das wirre Haar aus dem Gesicht. ?Aber Sie müssen doch wissen warum Sie hier sind!?, sagte ich irritiert. ?Wer bist du überhaupt??, fragte er mich. ?Ich bin Britta, ich habe bei Ihnen Unterricht.?, antwortete ich. ?Ach ja, Kristin!? Ich überlegte, ob es nötig sei einen Arzt zu rufen, entschied mich aber dagegen. ?Ich bin Britta, Kristin ist meine Schwester!?, sagte ich entnervt und meinte dann: ?Heute scheint aber auch jeder alles zu vergessen!? ?Das ist alles meine Schuld!?, heulte der Lehrer plötzlich, ?Ach ich hätte es nie ausprobieren dürfen!? ?Was ausprobieren??, fragte ich interresiert, dann dämmerte es mir, ?Hat das etwas mit diesem rosa Zeug zu tun, das aus der Schule aufsteigt?? ?Der Nebel, der Nebel!?, schrie er, ?Überall rosa Nebel!? ?Sie müssen ja etwas Grausames erlebt haben! Am besten. Sie bleiben hier und ich wird mal nach diesem Nebel schauen.? Nach diesen Worten holte ich tief Luft und ging mit einem letzten Blick auf den verwirrten Mann durch die geöffnete Tür in die Schule hinein, auf der Suche nach diesem ominösen, rosa Nebel.

Auf Zehen spitzten schlich ich zu dem Gebäudekomplex, in dem sich die Fachräume befanden, da der Nebel aus dieser Richtung gekommen war. Ich redete mir immer wieder ein, dass hier nichts sei, vor dem man Angst haben musste, doch dann viel mir wieder mein Chemielehrer ein. Was war bloß mit ihm passiert? Ich ging durch den Korridor, rauf in den zweiten Stock, wo sich die Räume für die Chemie und die Physik befanden. Oben angekommen sah ich auch schon eine rosa Wolke auf mich zu schweben. Ach, wenn ich doch bloß etwas dabei hätte, mit dem ich mich verteidigen konnte, dachte ich, aber wie soll man sich gegen eine rosa Wolke zur Wehr setzen? Die Wolke war nur noch wenige Schritte von mir entfernt. Plötzlich war ich starr vor Schreck, mein Herz raste, ich hatte noch nie solche Angst verspürt. Ich wollte wegrennen, doch meine Füße gehorchten mir nicht mehr. Die Wolke umkreiste mich, es gab kein entrinnen mehr, die Ausgänge lagen hinter einem Hauch von Rosa. Was würde gleich passieren? Dann war die Wolke über mir, alles war rosa und dann spürte ich etwas, es war Zorn, doch er kam nicht von mir, es musste die Wolke sein. Und ich rannte. Wohin? Ich wusste es nicht. Dann blieb ich stehen. Ich stand vor dem Steinpult im Chemieraum, dort stand ein Bunsenbrenner. Dieser erhitzte einen Kessel, aus dem der rosa Dunst entwich. Ich streckte die Hand aus und drehte die Gaszufuhr des Bunsenbrenners aus. Ein Schmerzensschrei ertönte und als ich mich umdrehte hatte sich eine riesige Wolke hinter mir aufgebaut. Ein Schrei entfuhr meiner Kehle, die Wolke fuhr durch mich durch, ich wurde nach hinten geschleudert, mein Kopf schlug hart gegen das Steinpult, meine Schmerzen waren unerträglich. Rosa, überall Rosa meine Gedanken schweiften?dann war plötzlich alles schwarz und ich fiel in dankbare Ohnmacht.

?Was ist passiert??, flüsterte ich. Meine Kehle war trocken, ich hatte keine Ahnung, wo ich war. ?Das wissen wir nicht, ein Lehrer hat dich gefunden. Du bist im Chemieraum Ohnmächtig geworden, du weißt doch, dass Aquarium.?, sagte eine Stimme die unheimlich fern klang, so als käme sie aus einem anderen Universum. ?Wo bin ich??, fragte ich, langsam konnte ich einen schemenhafte Umriss erkennen, als die über mir gebeugte Gestalt sprach, erkannte ich, dass es meine Schwester war. ?Du bist im Krankenhaus, bleib liegen, du musst dich ausruhen. Übrigens der Lehrer, der dich gefunden hat, ist auch da!? ?Kann ich mit ihm sprechen??, fragte ich, meine Sinne waren wieder hellwach, ich konnte mich wieder an alles erinnern, die Wolke, dieses Gebräu auf dem Bunsenbrenner im Chemieraum. Ich wusste unser lieber Lehrer musste etwas ausprobiert haben, nur er konnte mir diesen Vorfall erklären. ?Hier ist er!?, meine Schwester riss mich aus meinen Gedanken, ?Ich geh dann mal und ruf unsere Eltern an.?
?Was ist passiert??, fragte ich wieder, doch dies Mal jemand anderen, ?was haben Sie da gemacht? Diese Wolke hätte uns alle umbringen können! Habe Sie eigentlich mal daran gedacht?? Der Chemielehrer starrte bedrückt zu Boden. Sein wirres Haar stand mal wieder zu allen Seiten. Nach einer Weile antwortete er: ?Ich hätte dies nicht tun dürfen, aber ich war da auf etwas gestoßen und wollte es sofort ausprobieren? also ging ich in das Labor der Schule und probierte es aus. Es klappte, doch dann vergaß ich, was ich eigentlich machen wollte. Es war der Nebel, der Nebel des Vergessens. Er basiert darauf, dass wenn ihn jemand zerstören will diese Person vergisst, was sie eigentlich tun wollte, oder es zu schlampig macht, so dass er weiterleben kann. Durch die kaputte Luftzufuhr im Chemieraum konnte der Nebel entweichen, deswegen haben die Menschen hier heute alles vergessen, oder ihre Arbeit nur schlampig verrichtet!? ?Aber ich, ich hab nicht vergessen, dass ich den Nebel zerstören wollte, wie kann das sein??, fragte ich ihn. ?Du scheinst eine Immunität dagegen zu haben.? ?Das kann nicht sein, ich vergesse ständig meine Sachen!? ?das hat nichts mit Vergesslichkeit zu tun, du warst gegen den Nebel immun, gegen unsere Vergesslichkeit kann Niemand etwas, alle Menschen sind vergesslich, dass hat nichts mit dir zu tun!? ?Wenn das so ist?, dann darf man theoretisch Niemanden bestrafen, der etwas vergießt? oder??, fragte ich und erinnert mich an eine Strafarbeit, die ich vor gar nicht allzu langer Zeit in Deutsch machen musste, da ich einen Zettel nicht mit hatte. Er lachte und meinte: ?Es kommt immer noch auf die Sicht des Betrachters an!? Mit diesen Worten verließ er das Zimmer. Während ich auf die Ankunft meiner Eltern wartete, wiegte ich mich in dem Gedanken, die Welt vor dem bösen Nebel und einer unnatürlichen Schlampigkeit gerettet zu haben...


© Feenstaub


3 Lesern gefällt dieser Text.





Beschreibung des Autors zu "Nebel des Vergessens"

so, diese Geschichte habe ich mal geschrieben, weil ich meine Zettel vergessen hatte. Zur Strafe wurde all jenen welchen ein Satz gesagt, der weitergeschrieben werden musste. Minimum war 2Seiten und das ist das Ergebniss:




Kommentare zu "Nebel des Vergessens"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Nebel des Vergessens"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.