Narkos

Der Flur ist hell erleuchtet. Flirrende Muster huschen wie Schatten von etwas Unbestimmten über die Wände, immer wieder einmal unterbrochen von Aufblitzen wie Lichtreflexe auf einem träge sich bewegenden Wasser.
Mit den Fingerspitzen streiche ich über die Wand, gerade lange genug, dass das Licht ein wenig abgedunkelt wird.
Dann stehe ich am Ende des Flures vor der Tür. Ich zögere. Vor mir die Tür, schimmernd wie das Innere einer Muschel und in mir dieses Kribbeln, Vorfreude, Erwartung, etwas nicht greifbares, geheimnisvolles. Ich weiß nicht, was mich erwartet.
Wie wird er sein? Wird er sich auf mich einlassen? Er könnte auch erschrocken sein und sich gegen mich wehren. Ich müsste ihn dann wieder betäuben, aber das möchte ich eigentlich nicht.
Er ist schön. Selten habe ich so jemanden gesehen. Ich weiß, dass es mittlerweile verboten ist, aber ich habe es trotzdem getan und ich hoffe, dass es nicht bemerkt wurde. Sonst würde mir ein zeitweiliger Ausschluss aus der Gemeinschaft durch den Ethikrat drohen und das wäre wirklich schlimm für mich. Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, ist ungefähr das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.
Aber das Kribbeln in meinem Körper wird übermächtig und so gebe ich mein Zögern auf. Meine Fingerspitze berührt die Tür. Ganz leicht nur, aber sie öffnet sich beinahe lautlos.
Der Raum liegt da in einem rosigen Halbdunkel. Nur das Bett in der Mitte ist von einem diffusen Licht beleuchtet. Man kann nicht sagen, woher es kommt. Beinahe so, als würde das Bett selbst leuchten.
Hinter mir schließt sich die Tür und ich tauche in das Halbdunkel des äußeren Raumes, verschmelze mit dem dunklen Rosé.
Da liegt er. Die Decke hat er zurückgeschlagen. Er hat sich zusammengerollt wie ein Embryo. Ich betrachte seine Muskeln, die sich unter seiner Haut bewegen. Eine langsame Bewegung. Er träumt und ich wüsste zu gerne was. Und ich spüre, dass er keine Angst hat. Das hatte ich gehofft.
Die Betrachtung lässt eine leichte Wärme in mir aufsteigen, eine Unruhe, die ich nur schwer beruhigen kann. Mir wird warm und langsam knöpfe ich meine Bluse auf, berühre unwillkürlich meine Brust. Meine Finger scheinen ein Eigenleben zu führen und streichen wie zufällig über meine Brustwarzen, die sich fest gegen meine Finger stellen, als ich die Bluse abstreife. Der leichte Stoff schwebt zu Boden und ich sehe hinterher.
Genau dieses Schweben fühle ich auch. Es hebt mich ein wenig an. Der Boden scheint sich unter mir aufzulösen, doch als ich meine Hose zu Boden rutschen lasse, spüre ich ihn unter meinen Füßen.
Ich beobachte ihn. Er scheint meine Anwesenheit zu spüren und rollt auf den Rücken, blinzelt in die rosige Dunkelheit.
Er wird wach. Ich hätte ihn gerne wachgeküsst. Doch er muss meine Anwesenheit gespürt haben. Verunsichert sieht er sich um.
„Wo bin ich?“, fragt er leise ins Dunkel hinein. Ich antworte nicht.
„Ist hier jemand? – Warum bin ich hier?“ Seine Stimme klingt tief und fest, mit einer Spur Unsicherheit darin.
Seine Stimme jagt mir einen Schauer über den Rücken. Er ist mein. Ich will ihn haben, aber ich lasse mir Zeit. Ich möchte diese Begegnung auskosten, nichts überstürzen.
Mit den Händen streiche ich über die Wand hinter mir, und dunkle Muster wandern über die Wand, die sich als ein perfektes Rund um den Raum schließt. Vor diesem Muster werde ich erkennbar. Und dann löse ich mich aus dem Dunkel, tänzelnd bewege ich mich auf ihn zu und im Gehen lasse ich meinen Slip zu Boden gleiten.
Er hat mich entdeckt und ungläubig starrt er mich an. In seinem Gesicht Furcht und Erregung gleichermaßen.
Er richtet sich ein wenig auf, stützt sich auf die Ellenbogen und blinzelt. Langsam, wiegend, tänzelnd komme ich näher. Ich spüre seinen Blick auf meinen Brüsten, und als ich sehe, wie sein Glied fest wird, rauscht eine Welle aus Hitze durch mich hindurch, pulsiert auf meiner Haut und wandert in mein Vlies. Mit einer Hand berühre ich meine weichen Haare, spüre die warme Feuchte und diesen unbezähmbaren Drang in mir, ihn vollends zu besitzen.
Er beobachtet mich noch immer. Die Betäubung hat noch nicht ganz nachgelassen und er kann sich nur schwer bewegen. Ungelenk, ein wenig puppenhaft versucht er sich aufzurichten, fällt aber zurück auf das Bett, das seine Erregung aufnimmt. Wellen aus Stoff wogen um ihn, als wollten sie ihn verschlingen und ein leiser Ausruf des ungläubigen Erstaunens und einer aufsteigenden Panik hallt durch den Raum wie ein fernes Echo.
Ich glaube, ich sollte ihn erlösen. Und dass die Betäubung noch nachwirkt, gibt mir noch einen zusätzlichen Spielraum, den ich zu gerne auskosten werde.
Als ich vor dem Bett stehe, sieht er mich an. Ich stehe jetzt in dem rosigen Licht, das das Bett umspielt. Aus seinem Mund dringt ein Laut zwischen Angst und Erregung, ein leises Stöhnen. Er kann sich nicht bewegen, ist mir hilflos ausgeliefert. Ich werde mich um ihn kümmern, mich an ihm berauschen, werde ihn trinken, diesen süßen, berauschenden Nektar. Aber ich möchte, dass sich seine Erregung noch ein wenig steigert, und ich bin neugierig, wie er sein wird, wenn die Betäubung aus seinem Körper verschwunden ist. Ich stelle mir vor, wie ich ihn reite und er meinen Po mit seinen festen Händen fasst. Die Vorstellung beschert mir schon beinahe einen Orgasmus in meinen Gedanken. Meine Fantasie explodiert in einem Feuerwerk in meinem Kopf. Ich spüre Feuchte an meinen Schenkeln herunterrinnen. Ich kann nicht mehr warten und krieche langsam aufs Bett. Meine Hände fahren an seinen Beinen entlang. Ich spüre, wie sich die weichen Haare aufrichten, Schauer von Gänsehaut über ihn hinweggehen.
Vor mir seine pralle Erregung, doch ich berühre sie nicht. Meine Hände spielen sich tastend vorbei und verwickeln sich in seinem Brusthaar. Und dann ist mein Gesicht über seinem. Ich schaue in diese tiefen Augen. Dunkle Seen, in denen ich versinken möchte und mein Mund nähert sich seinem. Seine Lippen sind geschlossen. Ich lasse die meinen suchend um seinen Mund tasten. Sein Mund ist fest, doch als ich ihn mit meinen weichen Lippen sanft berühre, spüre ich ein Zucken, das durch ihn fährt und er öffnet seine Lippen ganz leicht, genug, dass ich meine Zunge zwischen seine Lippen gleiten lassen kann. In seinen Augen ist die Furcht einem Verlangen gewichen, das mich mutiger werden lässt.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der Raum sich zusammenrollt und in Wellen auflöst. Das Geräusch von Brandung hüllt uns ein. Das Bett schwankt in sanfter Bewegung bis der Wellengang stärker wird. Die rosige Decke überspült uns und vermischt sich mit den drängenden Berührungen seiner Hände. Sie sind überall auf mir, in mir, die seidene Bettdecke fließt um uns, wie ein Wildbach, irgendwo zwitschern Vögel und der Geruch von frischem Grün und Waldboden breitet sich aus. Das Licht ist einem sanften Grün gewichen, ein lauer Windhauch weht über uns und endlich spüre ich ihn in mich eindringen. Seine Hände halten mich mit fester Zärtlichkeit, bewegen mich und ich lasse mich in dieses Gehaltenwerden, in seine Bewegung hineinfallen, genieße die Hitze, die sich in mir ausbreitet und meine Gedanken auslöscht, dass ich nur noch ein einziges, pulsierendes Feuer bin, Pulsschlag bis hoch in den Hals, als seine Bewegungen schneller werden, er mich fest umschlingt, ich mich ihm entgegendrücke, um ihn völlig in mich aufzunehmen. Der Raum zerstiebt in einem Feuerwerk, löst sich auf, die Seidendecke zerspritzt in rosigem Aufbranden an unsere Körper, die ineinanderfließen. Ich fasse in ihn, meine Hände wühlen tief in seinem kochenden Blut und ich fühle einmal seine Zunge an meiner Brustwarze, wie sie ein weiteres Feuer entzündet, das sich meiner bemächtigt, dass ich vollends von Sinnen bin, als es mich wie ein Sturm verschlingt und von der rosigen Brandung zugleich gelöscht wird.
Erlöst, erschöpft und von einem seltsamen Glücksgefühl, wie ich es noch nie hatte, überwältigt, sinke ich auf ihn nieder. Ich spüre ihn immer noch warm und fest in mir und bewege mich träge, es noch ein wenig auszukosten.
Der Fluss der rosigen Seide fließt gemächlich nun an uns entlang. Ich schaue auf und hohe Bäume sind um uns. Fernes Vogelzwitschern und der schrille Ruf eines Raubvogels, doch ich habe keine Furcht. Ich lasse mich in ihn sinken und fühle eine seltene Geborgenheit in seinen großen Händen, die mich sanft und liebevoll halten.


© Gunnar Buchheister


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Beschreibung des Autors zu "Narkos"

Ich wollte mich einmal nicht nur für die erotischen Geschichten anderer interessieren und eine Autorin bzw. ihre Geschichten haben es mir besonders angetan, sodass sich in meiner Fantasie die Idee eine erotische Geschichte einmal selbst zu schreiben und schließlich auch selbige entwickelte.
Die Idee zu dieser Geschichte entstand durch einen Ausspruch, als ich mich über solche Autoren mokierte, die einem gleich die ganze Sahnetorte ins Gesicht schleudern und einem nicht die Muße lassen erst einmal zu kosten.

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Kommentare zu "Narkos"

Re: Narkos

Autor: HorstSchelm   Datum: 15.06.2026 17:07 Uhr

Kommentar: Selbst zu schreiben finde ich gut. Ich muss zugeben das ich deine Geschichte nicht ganz verstehe. Die ganze Sahnetorte bekomme ich nicht ins Gesicht. Ich kann deine Geschichte nicht kritisieren, da ich sie nicht verstehe. Aber bitte schreib weiter. Ich habe mich auch schon von anderen Inspirieren lasen. Weiter so.

Re: Narkos

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 15.06.2026 17:21 Uhr

Kommentar: Hi Horst, es ist mir durchaus bewusst, dass einige Leser mit der Geschichte nicht unbedingt etwas anzufangen wissen, zumal ich sie ja unter dem Label - erotische Geschichten - veröffentlicht habe. Da erwartet man doch eigentlich etwas anderes. ;-D
Die Erotik ist der Ausgangspunkt, der Motor für diese Geschichte, die aber eigentlich eine traumvisionäre Verwandlung ist. So wie die Puppe zum Schmetterling wird und sich dazu erst einmal auflösen muss, löst sich in meiner Darstellung der Raum auf und sogar die Akteure, um sich schließlich woanders wiederzufinden. Und gleichzeitig wird aus einer, wenn man es aus der Perspektive des Mannes sieht, bedrohlichen Situation eine, die Sanftheit und Vertrauen ist.

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