„Was macht den die Banane hier auf der Toilette?“
Saskia kam mit besagter Banane zwischen zwei Fingern haltend in die Küche. Ihr Gesicht drückte deutliches Entsetzen aus. Ihre Mutter stand kochend am Herd. Ihr Vater schneidete Gemüse klein. Ihre Mutter blickte kurz auf; erst zu ihrer Tochter und dann auf die Banane.
„Die wird Juli dort hingelegt haben. Der hat doch dauernd solche Einfälle.“
„Einfälle? Der ist verrückt. Was will der mit einer Banane auf dem Klo. Bestimmt hat er die ins Wasser getaucht und wollte wissen, ob ich sie jetzt noch esse.“
„Du kannst sie abwaschen, mein Schatz, und danach kannst du sie noch essen. Oder leg sie zurück zu den anderen Bananen“
„Iiih, ihr seid eklig.“
Angewidert nahm Saskia die Banane, dass man dachte das weiche Mark quillt gleich durch die aufplatzende Schale, und stampfte hinaus. Ihre Eltern verkniffen sich das Lachen, bis sie draußen war.
Saskia war klar, dass ihr Bruder dafür verantwortlich war. Er war jetzt sechs und hatte andauernd solche komischen Einfälle, doch sie wollte wissen warum. Manche Leute behaupteten, sie sei zu erwachsen und ernst für ihr Alter. Sie glaubte nicht, dass das stimmt.
Juli war in seinem Zimmer. Er saß am Boden und hatte große Kopfhörer auf. Saskia erschien in seinem Gesichtsfeld und schien zu schreien. Er konnte sie nicht hören, da die Geräusche im Kopfhörer zu laut waren.
Sie zog ihm den Kopfhörer vom Kopf. Sogleich ertönte eigentümliches gekreische und gegackere aus den kleinen Lautsprechern.
„Was ist das denn?“, kreischte sie. Sie schaute schon wieder angewidert, ähnlich wie bei der Banane gerade eben.
Juli sah neugierig zu ihr hoch.
„Was machst du denn schon wieder, Juli? Du warst das mit der Banane am Klo, oder?“
Juli störte es gar nicht, das Saskia so stürmisch auf ihn einredete. Das machte sie andauernd.
„Jetzt sag schon, was hast du vor? Hast du sie da vergessen?“
„Nein, habe ich nicht“, sagte er ruhig und stand auf. Dann ging er zu dem Kassettenrekorder und schaltete ihn aus. „Du störst mein Experiment“, sagte er zu ihr.
„Experi-was? Mach doch mal was, was andere Kinder in deinem Alter so machen. Du machst mich noch verrückt.“ Theatralisch strich sie sich eine nicht vorhandene Strähne aus der Stirn. „Außerdem ist das mein Kassettenrekorder.“
„Du hast ihn in meinen Zimmer liegen lassen. Also dachte ich, es wäre ok.“
„Nein, ist es nicht.“
„Du weißt, dass ich mir nichts von dir nehme, wenn du es mir nicht erlaubst.“
Das stimmte allerdings. Ihr Bruder war immer sehr genau.
„Und was sollte das mit der Banane. Ich bin fast darauf ausgerutscht“, schimpfte Saskia weiter.
„Das war nicht meine Absicht. Ich wollte nur dem Parasaurolophus eine neue Batterie einlegen.“
„Parasauro-was?! Du spinnst doch!“, schrie Saskia. „Du willst mich nur ärgern.“
„Nein, das will ich nicht.“ Juli ging zu seinem Tisch und holte ein paar Zettel hervor. Mit vielen verschiedenen Buntstiften waren dort verschiedene Sachen aufgemalt. Eine Leiter, Kopfhörer, eine Batterie und auch die Banane. In grün und blau mit roten Punkten.
„Und wofür brauchst du eine Banane, wenn du deinem blöden Spielzeugdino die Batterie einlegen willst?“, fragte Saskie. Sie beruhigte sich langsam wieder und wurde auch ein bisschen neugierig.
„Soll ich es dir erklären?“, fragte er ruhig.
Saskia nickte.
„Wirst du wieder schreien?“
Saskia schüttelte den Kopf.
Also gut, dann erzähle ich es dir. Es ist nämlich so. Ich habe letztes Jahr zum Geburtstag diesen Parasaurolophus bekommen, den man mit der Fernbedienung bedienen kann.“
„Ja, den kenne ich.“
„Bei dem ist die Batterie leer, also will ich sie wechseln.“
„Und dafür brauchst du eine Banane?“
„Ja.“
Saskia schaute skeptisch.
„Auf dem Klo?“, fragte sie zweifelnd.
„Auf dem Klo“, bestätigte Juli.
„Wolltest du damit einen Affen fangen?“
Juli nickte, „einen Gorilla um genau zu sein. Einen Gorilla beringei. So heißt der auf Wissenschaftlich.“
Saskia schüttelte den Kopf. Warum konnte er sich all diese komischen Namen merken.
„Und warum auf dem Klo?“
Du weißt doch, das Onkel Eduard letzte Woche zu Besuch war? Er hat den Spülkasten ausgewechselt.“
„Als mein Vater reinkam hat er dann geschrien: „Hey, was machst du denn da, du Gorilla.“
„Ok, ich glaube er hat Eduar…“
„Somit muss es auf dem Klo einen Gorilla geben, habe ich mir gesagt und den will ich mit der Banane anlocken.“
„Aber du brauchst doch keinen Gorilla um eine Batterie für deinen Pachasaurodingsdsa zu wechseln.“
„Doch.“
„Dann erzähl weiter. Wofür sind die Kopfhörer. Sind die auch für deinen Plan.“
„Gut das du fragst,“ sagte Juli. „Das ist affisch.“
„Affisch? Das gibt es gar nicht“, sagte Saskia rechthaberisch.
„Die KI sagt ja.“
„KI“, fragte Saskia verwirrt?
„Ich habe die KI gebeten mit den Satz: „Gib mir eine Batterie, bitte.“ auf affisch zu übersetzen und das hat sie getan. Das habe ich mir gerade angehört, als du reinkamst.“
„Auf einer Kassette?“
„Ich musste das gestern schon machen und auf eine Kassette spielen. Gestern hat Mama ihr Handy nicht abgesperrt liegen lassen.“
„Und warum soll gerade ein Affe, eine Batterie für dich haben?“
„Als Onkel Eduard fertig war, ging er ganz verschwitzt in die Küche und hat zu Papa gesagt, seine Batterien sind jetzt leer.“
„Keine Sorge, wir haben schon das richtige für dich. Du schwitzt ja ganz schön, du Gorilla“, hat Papa gesagt. Dann haben beide gelacht.
„Du weißt schon, dass Papa den Onkel Eduard immer Gorilla nennt. Weil er so haarig ist. Der hat sogar Haare auf den Händen.“ Saskia verzog angeekelt das Gesicht.
„Auf jeden Fall frage ich den Gorilla auf affisch und der holt mir dann eine Batterie.“
„Wenn du meinst“, gab Saskia wieder.
„Aber er wird mir die Batterie nicht freiwillig geben“, erklärte Juli weiter.
„Und warum nicht?“ Saskia verdrehte die Augen. Hätte sie doch nur nicht gefragt.
„Also muss ich ihn fangen. Dafür brauche ich eine Leiter und darauf kommt ein Eimer mit Wasser und wenn er dann die Tür aufmacht um wegzulaufen – wusch – fällt der Eimer Wasser auf seinen Kopf und ich kann mir die Batterie nehmen.“
„Das ist der blödeste Plan, den ich je gehört habe“ gab Saskia von sich. Sie war doch wieder verärgert. Das ging so leicht bei ihr.
„Und gib mir mein Kassettenrekorder wieder.“ Sie schnappte ihn sich und rannte damit aus Julis Zimmer. Dieser sprang auf und rannte ihr hinterher.
„Gib den wieder her…“
„Niemals, und Hände weg von meinen Sachen.“
„Ich hab ihn doch nur geliehen…“
„Pech gehabt. Wenn du mich schnappst, kannst du ihn haben.“ Sie wusste das sie schneller war und sie war schon bei ihrem Zimmer. Mit einem Ruck stieß sie die Tür auf und – wusch – war sie klitschnass von oben bis unten. Ihr Kassettenrekorder fiel auf den Boden. Saskias Kopf war unter einem Eimer verschwunden und eine Leiter fiel knallend zu Boden.
Ganz ruhig ging Juli an Saskia vorbei. Das Batteriefach vom Kassettenrekorder war aufgesprungen und zwei Batterien kullerten über den Boden.
„Danke, ich brauche nicht den ganzen Rekorder, aber ich nehme mir die hier.“
Langsam und ruhig stolzierte er wieder aus ihren Zimmer, wobei er mit einem großen Hüpfer über die Pfütze hüpfte, die sich am Boden gebildet hatte. Saskia, klitschnass, hatte es die Sprache verschlagen.
„Weißt du“, sagte er noch, bevor er verschwand, „du sagst immer ich darf es haben, wenn ich dich fange und heute hat es geklappt.“
Die Kälte lockt den Willen, meine Kindlichkeit zu leben,
wenn der Winter seine Pracht mir vor die warme Haustür legt.
Wie ins Geheim, im Stillen, tanzen Flocken mir entgegen,
dass mein pochend [ ... ]
Warum ist mein Leben so voller
Wahrheit? Ich trinke Morgens
für Stunden Kaffee. Denke an
Märchen, Engel, Wunder und
Paradiese. Und Musik spielt im
Kopf. Und Tänze wecken den Tag.
Und [ ... ]