Eigentlich hat Jennifer alles....einen treuen und fleißigen Mann an ihrer Seite,sie haben zusammen drei lebhafte, gesunde Kinder. Ihr Lebe könnte perfekt sein, wenn - ja wenn nicht eine Sache wäre - oder besser: wenn es nicht 25 Lebewesen gäbe, die ihr über die letzten 8 Jahre immer wieder das Kraut ausschütteten...
Ja, Jennifer war eine Bäuerin. Aber nicht wie ihre anderen "Arbeitskolleginnen" eine Vollblutbäuerin, nein eher eine Pseudobäuerin, die sich über die Jahre völlig niederraggerte und den letzten Tropfen an Energie im Kuhstall verschwendete. Natürlich war es auch der Schwiegervater im Haus, oder auch die drei Geburten so nebenbei, die ihr alles abverlangten. Das Traurige dabei war es aber immer, dass es danach nie einen Mutterschutz oder eine Karenzzeit gab - nein - es hieß jedes Mal: Kind hinausgetaucht und zurück in den Stall: "da Baua braucht di, tua net schwächln!"
Ja, und genau dieses Spiel spielte Jennifer mit! Sie war einfach zu schwach und zu pflichtbewusst, um diesem Treiben, das ihr offensichlich irgendwann täglich schaden wird, ein Ende zu setzten. Der Schlafmangel war dann immer das aller Schlimmste, denn irgendwann war ein Abschalten nicht mehr möglich und die Stillerei in der Nacht trug natürlich auch immer ihren Teil bei.
Wie sehr wünschte sie sich in dieser Zeit, dass ENDLICH jemand käme und sie wegtragen würde! Ein Mann, der sie nicht nur als Arbeitskraft mochte und als Mutter sah - nein - sie träumte von einem Verehrer, der es GUT mit ihr meinte, der wieder ihre Schönheit entdeckte, den sie verzaubern konnte und der sie attraktiv fand. Denn mit all der Arbeit am Hof sah sie sich lediglich als Stallknecht, der täglich mit dieser Drecksarbeit zu tun hatte. Den Rindviechern war es egal, wer und vor allem WIE die Person aussah, von denen sie das Futter forderten. Irgendwann fühlte sie sich nur mehr als unscheinbarer Krapfen, blad und träge.Leider stimmte es mit dem Bladsein wirklich, denn durch die Tabletten, die sie nehmen musste, fraß sie sich wirklich fas 10 Kilos rauf. Ihr Mann sagte schon immer in den Schwangerschaften: "Wuzl"zu ihr, da sie immer sehr viel zu nahm. Das verletzte sie immer sehr. Nur ihr Mann war der Meinung, wenn sie es weiß, dass sie mir zu dick ist, dann nimmt sie sicher wieder ganz schnell ab....Er war schon oft ein richtiger Kotzbrocken!
Doch jetzt war sie nicht mehr schwanger. Und trotzdem war sie fast so schwer, wie damals. Jegliche Versuche abzunehmen scheiterten. Dabei wusste sie, ihr Mann mag NUR schlanke Frauen! Es kam sogar soweit, dass sie sich schämte, sich vor ihm auszuziehen! Über die Monate schaukelte sich das so sehr auf, dass sie sogar jegliche Zärtlichkeiten mied, aus Scham, Angst vor Ablehnung und Selbsthass. Das tägliche Kuh-Thema, die oft alleinige Verantwortung und Betreuung der Kinder...sie wusste, irgendwann würde sie platzen!
Und so sehr sie sich auch wehrte, von zu Hause weg zu fahren - denn sie war noch nie länger weg vom Hof - umso besser meinte es das Leben mit ihr, als sie auf Kur fahren durfte....


© Traudi


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Gedanken uns Sehnsüchte einer Bäuerin

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