Undurchdringlich grün und dunkel branden die uralten Bäume des Mittelstreifens an den schwarzen Asphalt. Dieser Wald wie eine gewaltige Woge, die in ihrer Bewegung über dem schwarzen Ufer erstarrt.
Der Geruch nach Regen in den aufkommenden Böen ist ein Versprechen. Und hoch oben im dichten Blätterdach rauscht zornig der aufkommende Gewittersturm.
Grauschwarze Fetzen rasen über das aufgewühlte Grün, verwirbeln in wattigen Strudeln und verschlingen den Tag. Und unten schieben trotzige Gräser schmale Zungen über den grauen Randstein und lecken das schwarze Ufer. Darüber erhebt sich dichtestes Dickicht wie eine schwärzlich undurchdringliche Wand.
Und in dieser Welle, die aufgeworfen über den Asphalt rollt, die für einen Augenblick in ihrer Bewegung innehält, öffnet das Unterholz ein kleines Fenster und gewährt einen Blick auf die Andeutung eines zauberhaften Platzes. Wundersam anmutige, fein leuchtende Gräser, die ein eigenes, grünes, weiches Licht verbreiten, das der Dunkelheit zu trotzen vermag, locken mit einer sanften Verführung. Man bräuchte doch nur hindurchzuschlüpfen, ehe das Fenster sich wieder schließt.
Kommentar:Lieber Gunnar
Ein wirklich beeindruckender Text, Gunnar.
Deine Sprache wirkt wie ein Sturm, der sich langsam aufbaut – dunkel, drängend, voller Bewegung. Die Natur erscheint hier nicht nur als Kulisse, sondern als lebendiges Wesen, das atmet, rauscht, sich aufbäumt und im richtigen Moment ein geheimnisvolles Fenster öffnet. Besonders stark ist, wie du Licht und Dunkelheit gegeneinander antreten lässt: das schwarze Asphaltufer, das wogende Grün, das leise leuchtende Gras dahinter.
Und das Bild, das du dazu gepostet hast, ist wirklich sehr stark – eine perfekte Wahl zu dieser Geschichte. Es fängt genau diese Mischung aus Dichte, Geheimnis und Verheißung ein, die dein Text so eindrucksvoll beschreibt. Man spürt förmlich, wie sich für einen Augenblick ein anderer Ort zeigt, bevor er wieder im Dickicht verschwindet.
Ein wunderschönes Zusammenspiel von Wort und Bild.
Kommentar:Lieber Johann, eigentlich ist es ein alter Text aus meinem Nocturnes Schatzkästchen, aber ich habe ihn nochmal eine wenig überarbeitet. Jetzt gefällt er mir noch besser.
Was das Bild angeht, es ist mein neues Titelblatt für meine Flugblätter und verstreuten Geschichten. Aber ich werde es auch hier zum Einsatz bringen, weil ich es überaus gelungen finde und eine Textserie zu etwas mit Zusammenhang und Wiedererkennungseffekt macht. Selbst wenn es nicht immer thematisch ganz passend ist. irgendwie passt es doch immer, weil es auch Ausdruck meiner Seele ist.
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