Der rotbacksteinige Bahnhof
Wartet gelassen seit Kaisers Zeiten
Sah viele zieh‘n und viele nie wieder
Und vierer Staaten Pleiten
Hier ist nichts modern, nur das Gleisbett ist frisch
Zähe tropft Teer vom Dach
Das Licht funkelt munter durch die Pappeln am Löschteich
Und bricht sich darin tausendfach
Das Gitter zur Straße ist schmiedeeisern
Oben gekrönt mit Spitzen
So keck und bedrohlich wie auf Bismarcks Helm
Das Gras wächst durch die Ritzen
Ich lass meinen Finger über‘s Gatter gleiten
Die Stangen klingen beklommen
Ich fühle mich in die Kindheit versetzt
Da hätt‘ ich 'nen Stock genommen
Und hätte gerattert bis an‘s Ende der Welt
Oder bis zum Bahnsteigende
Ich hätte gerattert so laut wie Zug
Und am Prellbock wäre die Wende
Ich wär balanciert auf dem Mäuerchen
Ich hätt die Laternen gezählt
Ich wär auf der eisernen Waage gehopst
Am Fernsprecher hätt ich gewählt
Ich gehe versonnen am Gitter entlang
Mach Rattermusik bis ans Ende
Sie weht hinfort in die Kinderzeit
Ich nehme am Prellbock die Wende
Der Zaun, über den ich vor ein paar Tagen meinen Finger rattern ließ war nicht am Bahnhof, sondern an einer Kirche. Ich wurde aber an den Bahnhof bei meinen Großeltern erinnert, der eng mit meiner Kindheit verbunden ist.
Kommentar:Solche Örtlichkeiten oder Zäune kenne ich auch noch, bei denen mich die Erinnerungen meiner Kindheit besuchen. Man hat den Eindruck, die Fuß- und Fingerabdrücke jener Zeit befänden sich noch immer dort versteckt und man möchte sie in alter Vertrautheit berühren.
Tolle Idee, die du hier mit deinen Zeilen beschreibst.
Liebe Grüße von Jens
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Ich und mein Schatten, wir zieh’n durch die Zeit,
mit Falten im Gepäck und Gelassenheit.
Die Haare dünn, das Knie mal schwach –
doch unser Witz bleibt hell und wach.
Sterben ist das neue Leben
Blätter, Menschen ,Wälder, Länder, Kontinente, Planeten sterben, und bilden den Mutterboden für neues Leben.
Aus diesem Grund gibt es kein wirkliches Sterben. [ ... ]