Es blies ein kühler Wind auf Punta Amer,
'ne schmale Halbinsel zum Glück noch nicht bewohnt.
Wir machten einen kleinen Ausflug nur zu zweit.
Poröse Steine ragten aus dem Boden hie und da.
Welch' karge Landschaft: Gräser längst getrocknet.
Nur einzelne Aleppokiefern strömten Harz empor...
Des Phönizische Wacholder knorrige Gebüsche
bewucherten die mageren Kalkbrocken.
Bald fanden wir ein Anhaltspunkt fürs Auge:
Da an der Küste, wo ein flacher Hang
zur Meeresbrandung führte, da schimmerten zart-weiß
ein paar bizarrer Blümlein. "Narzissen," sagte ich
"Das ist unmöglich," du entgegen, "im Frühling
blühen sie und jetzt ist schon August".
"Das mag ja sein, trotzdem sind dies Narzissen!"
Ich nährte mich, kniete zu den Blumen
und musterte genau: Die Trichterkelche
mit Honigduft - kein Zweifel!
Mir folgte meine Frau und gab mir recht.
"Tatschlich ist dies was besonderes:
die Trichternarzissen im blassen festen Sand".

Nun schauten wir uns gegenseitig an.
Es funkte neuer Blickkontakt. Unglaublich!
Man braucht nicht unbedingt den Frühling,
um in den wilden Dünen aufzublühen...


© Heinrich_Rahn


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