(nach „Der Mond ist aufgegangen“ / Matthias Claudius)

Mein Geld ist ausgegangen,
Die Mahnungen, sie prangen,
Im Briefschlitz klipp und klar –
Das Haus steht starr und schweiget,
Und aus den Treppen steiget
Der Pleitegeier und will bar.

Wie ist die Welt so stülle
Und in der Leere Hülle
Mir so vertraulich-hold!
Drum sucht in meiner Kammer,
Was ihr bei all dem Jammer
Gerichtlich noch vollziehen wollt.

Da staunt ihr denn, ihr Brüder,
Und kratzt die Kurve wieder,
Von Bimbes nicht ein Hauch -
Verschon’ mich, Gott! mit Strafen
Und lass’ den Kuckuck schlafen!
Und meine leeren Konten auch!


© Jenno Casali


© Jenno Casali


5 Lesern gefällt dieser Text.







Beschreibung des Autors zu "GERICHTSVOLLZIEHER-LIED"

ORIGINAL:

ABENDLIED
(Matthias Claudius)

Der Mond ist aufgegangen,
die gold'nen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

(...)

So legt euch denn ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon' uns, Gott! mit Strafen
und lass' uns ruhig schlafen!
und uns'ren kranken Nachbarn auch!

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Kommentare zu "GERICHTSVOLLZIEHER-LIED"

Re: GERICHTSVOLLZIEHER-LIED

Autor: Sabine Müller   Datum: 27.01.2016 21:26 Uhr

Kommentar: Genial!
LG, Sabine

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