Mein Ahne...

© Oma Malchen und Opa Gotthold ( Urgroßeltern )

Mein Ahne...

Er schaut
mich an,
von der Wand.
Der Ahne
mit der Ahnin
an der Hand,

Gesichter -
eingefroren
wie verloren,
tragen sie
umgeben von
Erinnerung,
die Gewissheit
der Vergangenheit,
gefangen in
der Zeit,
in Einigkeit.

Ohne Klagen
Sorgen ertragen.
Kinder geboren,
verloren.
Schicksal
angenommen,
darüber
hinweggekommen,
haben gelitten
gestritten
geliebt
manchmal
geirrt.

Gefangenschaft,
schmerzhaft
im Blick zurück.
Heimfahrt,
Herz bewahrt,
mit Zuversicht
sich aufgemacht,
Neues zu
erkunden,
gefunden.

Wegbereiter,
Geschichte
geschrieben,
geschuldet
jener Zeit.
Etwas von ihm
ist geblieben,
überdauert
die Vergangenheit.
Er schaut mich an,
der Ahne
an der Wand.


© Soso


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Kommentare zu "Mein Ahne..."

Re: Mein Ahne...

Autor: anschi   Datum: 28.07.2022 14:39 Uhr

Kommentar: Findest Du, Sonja?

Mir kommt, wen ich heute die sekundenlang belichteten Glasplatten-Abzüge der damals vor gemalte Hintergründe platzierten Ehepaare betrachte, der ganz und gar unfreie Geist der vergangenen Zeit hoch, in der sich Ehepartner noch nicht öffentlich berührten und weder sich noch dem Fotografen wirklich ins Auge sahen.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, was unsere Vorfahren alles angerichtet und nicht verhindert haben, singen wir zwar mit Dir, dass sie "Wegbereiter" waren - aber Geschichte geschrieben haben so brav vor der Kamera sitzende Urgroßeltern wie diese hier wahrscheinlich nicht. Es waren - nolens volens - Untertanen eines Feudalstaates, in dem es für die Jugend "dulce et decorum est, pro patria mori" hieß, wo die Frau weniger als nichts zu sagen hatte, für alles beim Ehegatten um Erlaubnis betteln musste und im Falle einer Trennung völlig mittellos dastand.

Es war keine "gute alte Zeit", sondern eine Scheißzeit, die im Chaos endete. Wir haben nichts daraus gelernt, sondern sind auf dem besten Wege, wieder alles vor die Wand zu fahren. Falls wir in hundertfünfzig Jahren noch Nachkommen haben sollten, werden die sich vielleicht an farbigen Digitalbildern ergötzen, auf denen wir in Badekleidung Hand in Hand an einem Sandstrand entlanglaufen, ohne zu wissen, dass es den bald nicht mehr geben würde.

Ich glaube, es gäbe schon lang keine Nachfolgegenerationen mehr, die ihren Ahnen für irgendetwas dankbar wären. Das klingt schlimm, und das ist schlimm.

lg

anschi

Re: Mein Ahne...

Autor: Sonja Soller   Datum: 28.07.2022 15:03 Uhr

Kommentar: Danke fürs Lesen.
Du hast Dir viel Zeit für Dich genommen. Ich habe auch Geschichtsbücher!!!!

LG
Sonja

Re: Mein Ahne...

Autor: anschi   Datum: 28.07.2022 16:07 Uhr

Kommentar: Geschichtsbücher gab's immer und zu allen Zeiten, liebe Sonja, so wie Feiertage, Denkmäler, Orden oder Straßennamen. Sie sind etwas sehr zeitgeistiges und ändern sich rasch. Meist nichts anderes als in Schönschrift geschriebene Poesiealben!

Welche Geschichtsbücher Du in Deinem Bücherschrank sammelst und auf welchem Stand sie sind, kannst nur Du wissen.

Wie man Zeit für sich selbst nehmen soll, wenn man anderen was ins Poesiealbum schreibt, weiß ich nicht. Ich glaub, Du bringst da was durcheinander. Macht aber nix.

lg

anschi

Re: Mein Ahne...

Autor: Sonja Soller   Datum: 28.07.2022 16:11 Uhr

Kommentar: Ich glaube du bringst da etwas durcheinander!
Du biegst Dir das zurecht, wie Du es haben willst. Lass es!!!!

Re: Mein Ahne...

Autor: anschi   Datum: 28.07.2022 20:05 Uhr

Kommentar: Keine Sorge, Sonja!

Ich hab Dich von meiner Liste gestrichen und werde Dich ganz bestimmt nicht wieder kommentieren.

Ich wünsch Dir viel Erfolg mit Deinen "sonstigen Gedichten"!

lg

asnschi

Re: Mein Ahne...

Autor: Angélique Duvier   Datum: 28.07.2022 22:31 Uhr

Kommentar: Liebe Sonja,

Genealogie ist etwas wunderbares, ich habe es auch eine lange Zeit betrieben, habe Aufzeichnungen aus alten Kirchenbüchern und auch von den Mormonen, sie haben die größten Archive der Welt. Bei mir war es durch die Hugenotten etwas schwierig, aber sehr spannend. Dein Gedicht über Deine Vorfahren ist wirklich sehr gut, lass Dir etwas anderes nicht einreden.

Liebe Grüße,

Angélique

Re: Mein Ahne...

Autor: Alf Glocker   Datum: 29.07.2022 7:51 Uhr

Kommentar: Ein gutes Gedicht liebe Sonja!

Die Menschen haben gelebt und gelitten - ihr Schicksal hatten sie nicht selbst ausgesucht.

Herzl Grü aus dem ahnenden Süden
Alf

Re: Mein Ahne...

Autor: Sonja Soller   Datum: 29.07.2022 11:22 Uhr

Kommentar: Liebe Angèlique, ob Bauer, Magd oder Edelmann, alle hinterlassen bei/in uns ihre Spuren, sie werden von Generation zu Generation weitergetragen. Genau das will mein Gedicht sagen.

Lieber Alf, genau so ist es, wir können uns nicht aussuchen wo hinein wir geboren werden, so war es und so wird es auch weiter sein. Es gibt Tatsachen, die ändern sich nicht. (Vielleicht in ganz, ganz ferner Zukunft, wenn der Mensch, das Menschsein verloren hat).

Herzlichen Dank für die durchblickenden Kommentare!!:-)

Liebe Grüße aus dem ahnenreichen Norden, Sonja

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