Die Lichtgestalt

Das Morgenrot war heute glasig
Und der Tag war gar zu lau
Ich fühlte mich irgendwie dasig
Wurde aus mir selbst nicht schlau.

Dann kam die Nacht herein ins Zimmer
Dunkel, drohend, mit Gewalt
Mein Zustand wurde immer schlimmer
Da sah ich dich als helle Lichtgestalt.

Du bist ein Trugbild meiner Seele
Dachte ich im Augenblick
Findet das Jenseits den Kanäle
Die anmuten wie Zaubertrick?

Seit ich dich hängend fand am Strick
Ich spür das Zittern in den Beinen
Kehrt nächtens die Erinnerung zurück
Ich muss die Augen wund mir weinen.

Dein entschiedenes Nein zum Leben
Das auch mir als Gatte galt
Zerstörte mich wie ein Jahrhundert Beben
Nahm mir den Glauben an eine höhere Gewalt.

Kein Schutzengel hat dir geholfen
Und auch keine Therapie
Ich war damals weg zum Golfen
Das verzeih ich mir wohl nie.

Jetzt diese Aura voll von Licht
Erhaben schwebst du in der Luft
Du trägst ein Lächeln im Gesicht
Den Raum erfüllt ein zarter Blütenduft.

Du hast keine Schuld, mein Gatte
Sprichst du zu mir mit zarter Stimme
Im Jenseits ich nun auf dich warte
Wo ich in Ewigkeit dir nicht entrinne.


© Herbert Kaiser


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Kommentare zu "Die Lichtgestalt"

Re: Die Lichtgestalt

Autor: Michael Dierl   Datum: 25.10.2020 19:57 Uhr

Kommentar: Ja, das ist natürlich extrem jemand in solch einer Situation zu finden. Schlimm einen Menschen zu verlieren egal auf welche Weise!

Gruss Michael

Re: Die Lichtgestalt

Autor: Jens Lucka   Datum: 25.10.2020 20:34 Uhr

Kommentar: Zeilen, die mich öfter zum Nachdenken brachten ,beginnend, als man nach und nach einen lieben Menschen nach dem Anderen gingen sah. Ich glaube da gibt es Einiges zwischen Himmel und Erden , welches uns Wundersam erscheint, beginnend mit eigenartigen ,spontanen telepathischen Gefühlen oder gegenseitiges aneinander Denken.
LG Jens

Re: Die Lichtgestalt

Autor: Eleonore Görges   Datum: 26.10.2020 9:56 Uhr

Kommentar: Zeilen, die in mir etwas in Erinnerung bringen und ich sie deswegen sehr gut verstehen kann.
Meine Mutter war es, die uns einst ähnlich verließ. Man hat sehr lange daran zu verdauen und doch verdaut und verkraftet man es nie so ganz.
Irgendwie muss man seinen Frieden damit schließen, du hast die Lichtgestalt und ich die Wolken, in denen ich sie sehe.
Ein wertvolles Gedicht, da sehr viel Inhalt!

Lieber Gruß, Eleonore

Re: Die Lichtgestalt

Autor: Bluepen   Datum: 26.10.2020 10:36 Uhr

Kommentar: Lieber Herbert,

eine Erinnerung an einen Menschen der freiwillig aus dem Leben scheidet, gut und ohne Groll beschrieben.

LG - Bluepen

Re: Die Lichtgestalt

Autor: Verdichter   Datum: 26.10.2020 18:04 Uhr

Kommentar: ...und alle Fragen bleiben ohne Antwort und Schuldgefühle ohne Möglichkeit zur Buße.
Bei allem, was der Verstand sagt, entgegnet der Bauch mit einem "aber". Kein schönes Erbe.

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