Kristall der Begegnung

Zwei Gluten, die sich suchen,
zwei Stimmen, die sich schlagen –
der Druck, der Felsen bricht,
die Glut, die Nächte tagt.

Doch mitten in der Hitze,
wo kein Entrinnen scheint,
beginnt das Kohlen-Gitter
sich formen, still vereint.

Die Narbe wird zur Kante,
die scharf, doch rein, zerbricht –
sie schneidet nicht die Bande,
sie bricht nur das Gericht.

Die Sehnsucht, heiß und roh,
verdichtet sich zu Strahlen –
die Funkenspur, der Floh
der Angst, beginnt zu strahlen.

Kein Trübung mehr, kein Dunst,
kein Kalkül, das da irrt –
es leuchtet nur die Brunst,
die nicht mehr zwingt, sondern führt.

Der Geist, der zwischen beiden
sich niederlässt als Haus,
wird selbst zum reinen Beobachter –
und sieht im Andern sich hinaus.

So steht der harte Kristall,
aus Schweiß und Zorn gebor'n,
doch funkelt er im Fall
der Stille, unverloren.

Er trennt nicht, was sich liebt,
er bricht nicht, was da war –
er zeigt, was übrig bleibt,
wenn Kampf zu Klarheit ward.


© 2025 Johann Grafeneder . Alle Rechte vorbehalten.


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