Flüstern des Windes

© Harald (Tom) Gressel

Flüstern des Windes

Im Flüstern des Windes, uralt und sehr klar,
ruft eine Stimme von weitem und ganz fernem Jahr:
„Sei frei, sei frei“, trägt sie mich fort,
hinaus aus Ketten, hinaus von dort.

Ich löse die Bande aus Schatten und Zeit,
trete ins Ungewisse, allein und bereit.
Ein letzter Blick, ein leiser Schmerz,
wie Glas zerbricht ein liebendes Herz.

Doch tief in mir glimmt ein sternhelles Licht,
das flüstert: „Verweile, verliere dich nicht.
Denn jeder Abschied, so schwer er auch sei,
webt neue Pfade aus Schicksal und Mai.“

Es ist nie zu spät, sagt der nächtliche Raum,
wenn das Ende erwacht wie ein sterbender Traum.
Wo Wege zerfallen im dämmernden Schein,
darfst du ein Wanderer neuer Welten sein.

Ich folge dem Ruf, der durch Nebel mich zieht,
wo die Seele sich selbst in der Stille ersieht.
Dort lern ich mein Wesen, mein inneres Sein,
im Spiegel der Sterne – und bin doch allein.

Du bist ohne Schuld, sanftes Licht meiner Zeit,
doch mein Geist trägt die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Kein Halten der Hände, kein bittender Blick
holt einen Wanderer jemals zurück.

Denn Flügel aus Träumen, vom Wind berührt,
werden von Fernweh und Wahrheit geführt.
Sie tragen mich weiter, durch Räume und Nacht,
wo das Unbekannte nach mir erwacht.

Und so geh ich fort, durch Schleier und Tor,
verliere mich selbst – und finde mich neu davor.
Denn irgendwo jenseits von Ende und Weg
wartet mein Anfang… und flüstert: „Geh.“


© Harald (Tom) Gressel


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