Radieschen-Gezupfe

© Harald (Tom) Gressel

Radieschen-Gezupfe

In Grenzach, unten beim freien Bad,
die Gärtnerei, sie war nicht klein,
ein Schweizer Chef, er lud uns ein,
zu zupfen, was im Beet dort stand parat.

Um vier Uhr dreißig – welch ein Graus!
Die Frauen, flink wie nur die Bienen,
konnten Radieschen blind bedienen,
wir aber zählten lahm hinaus.

„Genau fünfzehn, das ist das Ziel!
Nicht vierzehn, nicht sechzehn, hört genau!“
Doch unser Zählen war recht mau,
der Stundenlohn ein schlechter Deal.

Da kam uns eine List sodann:
„Wer zählt denn nach? Das merkt doch keiner!“
Mal zwölf, mal siebzehn – immer reiner,
Akkord, und wir legten fleißig an.

Die Bündel wuchsen, Kisten voll,
der Stundenlohn schien fast famos,
wir fühlten uns schon fast ganz groß,
die Arbeit plötzlich halbwegs toll.

Doch ach, der Chef erschien sodann,
hob eine Kiste, schaute schlau:
„Da stimmt was nicht, ich seh’s ganz genau!“
Und lächelte verschmitzt uns an.

Wir taten gleich sehr unschuldig fein:
„Das waren wir nicht, sicher nicht!“
Doch sah man klar in seinem Gesicht,
dass er uns längst durchschaute rein.

Noch einen Tag – dann war es aus,
die »Turbo-Technik« flog uns auf.
Bezahlt wurd’ trotzdem, welch ein Lauf,
und heimwärts ging es froh nach Haus.

Radieschen-Bündeln, das war nichts,
wir blieben schlechte Zupfer eben.
Doch eines hat uns’s stets gegeben:
Den Spaß am roten Wurzelwitz!


© Harald (Tom) Gressel


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Beschreibung des Autors zu "Radieschen-Gezupfe"

...Lausbuben Anfang der Siebziger...




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