Ein Strom von Jahren trug mich fort,
ich nannte Fleiß und Pflicht mein Licht.
Von Seminar zu neuem Ort –
doch wirklich sah man mich wohl nicht.

Mit Fleiß bestand ich jede Prüfung,
die Zeugnisse – fast wie eine Sucht.
Doch fand ich keine echte Berufung,
Anerkennung nie – nur Flucht.

Die Zeugnisse lagen Blatt für Blatt,
mit Siegel, Stempel, wohl bedacht.
Was ich errang und Wert doch hat,
ward hinterm Rücken nur verlacht.

Ich lernte weiter, spät und früh,
wenn andre längst nach Hause gingen.
Mein Streben schien für manche Müh’ –
zu hoch wohl, sich hinaufzuschwingen.

Mein Eifer war nicht gern gesehen,
zu wach, zu fragend, unbequem.
Man ließ mich still am Rande stehen,
korrekt – doch niemals angenehm.

Ich war stets da, verlässlich, klar,
trug Verantwortung und Pflicht.
Doch wer mein Vorgesetzter war,
der würdigte mein Streben nicht.

Anerkennung fiel auf fremdes Feld,
wie Sonne, die mich stets vermied.
Ich blieb im Hintergrund der Welt,
der Mann, den keiner öffentlich sieht.

Der Strom nahm mir die Lebenszeit,
doch nicht den inneren Bestand.
Was ich gelernt habe, bleibt –
auch ohne Lob aus fremder Hand.

Ich trau’re keiner Stunde nach,
kein Weg war jemals mir zu weit.
Die Abschlüsse, sie halten wach,
vereint mit Menschen jener Zeit.


© Max Vödisch


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Kommentare zu "Der Strom der Jahre"

Re: Der Strom der Jahre

Autor: Harald (Tom) Gressel   Datum: 28.02.2026 18:27 Uhr

Kommentar: Lieber Max,

Deine Geschichte ist für mich nach fühlbar.

Herzliche Grüße in den Abend

Harald (Tom)

Re: Der Strom der Jahre

Autor: Max Vödisch   Datum: 01.03.2026 9:36 Uhr

Kommentar: Hallo Tom,

danke für den Kommentar. Was meine Aus- bzw. Weiterbildungen betreffen, so habe ich mit 63 Jahren meinen letzten Abschluss absolviert. Bei meinen ehemaligen Arbeitgebern wurden diese Weiterbildungen im Prinzip nicht zur Kenntnis genommen und waren teilweise sogar unerwünscht.

Herzliche Grüße

Max

Re: Der Strom der Jahre

Autor: Harald (Tom) Gressel   Datum: 01.03.2026 12:55 Uhr

Kommentar: Oh Max, das tut mir leid.
Mir wurde einmal vor Urzeiten mit auf den Weg gegeben, was ich lange vergaß ..."Du lernst für Dich und das Leben und nicht für....."
Mit 63 viel es mir durch einen Lebensschlag - wie ein Schlag - wieder ein und vollkommen erwünscht und 100% zu meiner Kenntnis genommen.

Herzlich Gegrüßt in den sonnigen Tag

Harald (Tom)

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