Die Uhren ticken, doch wer hört sie noch?
Ihr Klang verweht wie Atem unterm Dach,
die Zeiger drehn sich, langsam, Woche für Woch,
und was war gestern, ist heut schwach und ach –
wie schnell die Bilder blassen, Farben fliehn,
als hätte nie ein Tag im Licht geglüht.
Doch manchmal, spät, wenn alle Lichter glimmen
und draußen nur der Regen rhythmisch fällt,
dann spür ich, wie die Sekunden schwimmen
nicht vorwärts, nein – in mir, im Raum, im Zelt
der eignen Brust, da sammelt sich die Zeit
zu einem See aus Licht und Dunkelheit.
Die Jahre, die ich lebte, sind nicht fort.
Sie lagern tief, wie Steine unterm Fluss,
und jedes Wort, das ich an falschem Ort
gesagt, bereut – es wird zum Kuss
der mich verfolgt, der mich zugleich umfängt,
weil erst, wer irrte, weiß, wohin es drängt.
Und du, du fragst: Was bleibt von alledem,
wenn Uhren schweigen und der Regen stockt?
Ich sag: Die Liebe ist ein Diadem,
das jeder trägt, der einmal echt erschrockt
vor seiner eignen Tiefe stand und sah:
Die Zeit in uns – sie ist immer da.
Sie ist kein Pfeil, der nur nach vorne zielt,
sie ist ein Kreis, der sich um Herzen schlingt.
Was einmal war, ist, was uns heute hält,
und was wird sein, ist, was die Seele zwingt,
nicht aufzugeben, wenn der Zeiger fällt,
weil jede Stunde neue Lieder singt.
So lass die Uhren ticken, lass sie gehn.
Wir tragen unsre Zeit in uns – und sie
wird niemals stillstehn, niemals untergehn,
solange einer flüstert: Ich bin wie
der Augenblick, der ewig bleiben will –
ein Herzschlag noch, und dann das große Spiel.
Kommentar:Hi Johannes,
ja, die Zeit in uns sie graust ohne Unterlass, ohne Erbarmen, ohne Ruh, ohne Stillzustehen, drängend und permanent! Der Fluch der Schöpfung! Gut geschrieben, da wird's einem mulmig und das je älter man wird so ab 50.
danke dir für deine Worte. Ja, die Zeit hat etwas Unbarmherziges an sich – je älter man wird, desto deutlicher spürt man dieses ständige Drängen, das du beschreibst. Und gleichzeitig ist es genau dieses Gefühl, das uns bewusster macht, wie viel in uns gespeichert ist: Erinnerungen, Fehler, Lichtmomente, all das, was uns geformt hat.
Vielleicht ist es gerade dieses „mulmig werden“, das zeigt, dass man noch lebt, noch fühlt, noch hinschaut. Die Zeit graust, ja – aber sie trägt auch. Und manchmal, wenn man stehen bleibt, merkt man, dass sie nicht nur nimmt, sondern auch bewahrt.
Liebe Grüße
Johann
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