Pferdegeflüster

© Michael Dierl

Menschen sind bisweilen chaotisch,
stolpern über ihre wenigen Beine.
Außerdem sind sie oft idiotisch,
und kommen mit sich kaum ins Reine.

Brauchen Schuhe und Klamotten,
würden im Winter sehr stark frieren.
Selbst im Sommer haben sie Marotten,
denn nackig würden sie sich zieren.

Sie schwitzen lieber - es wär’ gesund,
kein Wunder, was sie so alles fressen.
Und sie kommen erst in Schwung,
wenn man sie kann heftig stressen.

Bratwurst hat es ihnen angetan,
die brutzeln sie gern am Wochenend'.
Mit viel Ketchup und Senf daran,
nimmt ihr Schlemmen fast kein End'.

Steaks und Schnitzel sind ihr Leibgericht,
Bier und Schnaps - in rauen Mengen.
Niemals gibt es hierfür ein Verzicht,
in weiten Hosen möcht’ man sich zwängen.

Wohlig ist ihr Heim gestaltet,
wie ein übergroßes Vogelnest.
Auch ein Swimmingpool man verwaltet,
das ist „The best of the Best!“

Auf zwei Beinen langsam wie 'ne Schnecke,
und qualmen tun sie noch dazu.
Manche bringt das auch zur Strecke,
das macht auf immer ihre Augen zu.

Manche tun so streng formell,
für jeden Scheiß brauchen sie ein Gesetz.
Einige gehen in ein Bordell,
denn dort wird nicht nur geschwätzt.

Auch zu faul sind sie zu Fuß zu gehen,
fahren lieber mit Benzinkutschen.
Nur, was bringt eigentlich das Rasenmähen,
das ist doch sinnlos - ohne Nutzen!

Der Mensch, er tut mir gar nicht leid,
steckt doch selbst in seiner Schuld!
An ihm nagt zu oft die Eitelkeit,
das war an ihm schon immer Kult.

Uns Pferden überlässt er sein Denken,
er sagt, wir hätten die größeren Köpp.
Der Spruch kursiert in Gasthausschänken,
und wer weiß noch bei welch‘ Gesöff.

Sein Glück sucht er auf dem Lottozettel,
als wenn man dort hät’ was versteckt?
Anstatt er sucht sich ein nettes Mädel,
lebt er noch bei Mutti, im Imperfekt.

Mancher aber schafft sich kaputt,
die Zukunft ist ihm nicht ganz schnuppe.
So schmückt er sich mit manchem Look,
sucht eifrig nach einer Zuckerpuppe.

Fußball begleitet oft sein ganzes Leben,
für Andres gib's kein sichren Platz.
Für nix anderes war all sein Streben,
nicht mal für einen geliebten Schatz.

Der Egoismus ist seine Antriebsfeder,
fremde „Götter“ - keine Chance.
Oftmals geht er Anderen an’s Leder,
und macht dabei einen Affentanz.

Unser Stallknecht ist oft sehr schlampig,
sein Tun, die reinste Schikane.
Dazu ist er noch sehr pampig,
für ihn ist es keine gute Reklame.

Er spart mit Hafer an unsrem Fressen,
und das Wasser ist von gestern.
Morgen will ich ihn mal testen,
und ihm dann eine kräftig pfeffern.

Beim Sprung über den Wassergraben,
kloppe ich ihn glatt aus dem Sattel.
Dann geht er endlich mal baden,
dieses Elend - die verdammte Ratte!

Damit schließen sich andere gern an,
sobald andere Pferde er noch will reiten.
Denen liegt auch noch was daran,
die ließen ihn wie ein Flugzeug gleiten.

Auch Tierärzte könnt man verprügeln,
sie spritzen Tiere nur „gesund“.
Verbreiten dann auch noch satte Lügen,
in einem oberflächlichen Befund.

Dabei ist man völlig fix und fertig,
durch die tägliche Schinderei.
Das meinen wir beide wirklich ehrlich,
unsere Gelenke sind bald zu Brei.

Wir Pferde sind nicht da zum Springen,
das ist völlig gegen unsre Natur.
Affenzirkus auf Paradeplätzen bringen,
aber der Mensch der ist da stur.

Da „helfen“ nur noch Spritzen,
weil der Mensch es leider so will.
Das ist für uns leider „Science-Fiction“
so ist unser täglicher Drill.

So manches Pferd wird totgespritzt,
bei seiner tagtäglichen Dressur.
Auf Höchstleistung es dann überhitzt,
das killt einem bei dieser Tortur.

Verantwortung will keiner tragen,
das lehnen Menschen konsequent alle ab.
Man will nur Pokale haben, haben,
alles Andere ist Papperlapapp!

Absurd, so manch menschliche Idee,
Pferde zum Rückwärtslauf zu zwingen.
Am Arsch haben wir keine Augen – OK?
Unsre Anatomie sollte man schon können.

Der Mensch ist ein Trophäenjäger,
er jagt für einen falschen Stolz.
Diese Spielchen sind um so blöder,
je höher die Messlatte - je höher das Holz!

Wofür wir Pferde alles gut sind,
sogar noch für Putins Kriege.
Was für ein dumm-doof-blöder Unsinn,
man bringt sich um für dumme Siege!

Deshalb lasst uns Pläne schmieden,
für eine bessere, vernünftige Welt!
Diejenigen, die permanent lügen-betrügen,
bei vollem Galopp aus dem Sattel schnellt.

Wir Pferde haben die wahre Macht,
können siegen über die Eliten.
Wer meint uns zu demütigen,
dem lesen wir mal kräftig die Leviten!

Ihr Genick hat eine Sollbruchstelle,
die ist bei jedem Menschen gleich.
Nur ein bisschen mehr Gas im Gelände,
schon wird aus jeden Deppen ein schöner Laich!

Die herrschende Menschheit ist Geschichte,
ab heute herrschen wir die Pferde.
Nein, es ist keine Gerüchteküche,
unsere Spezies beherrscht bald die ganze Erde!

Ein bisschen Moral kann ja nie schaden,
damit wird's auch langsam Zeit.
Weg mit den selbsternannten Barbaren,
wir sind jetzt dazu bereit!


© Michael Dierl


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Beschreibung des Autors zu "Pferdegeflüster"

Eine Ansicht über uns Menschen aus der Sicht zweier Pferde betrachtet.

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Kommentare zu "Pferdegeflüster"

Re: Pferdegeflüster

Autor: Jens Lucka   Datum: 02.03.2026 22:24 Uhr

Kommentar: Dreiunddreißig Strophen lieber Michael. So viel Geduld hätte ich wohl nie, um ein Gedicht zu schreiben. Ich überlege schon immer, ob ich bereits nach der Sechsten auf den Punkt kommen möchte oder vielleicht doch erst nach der Achten. ;-)
Da hast du dir ganz schön Mühe gegeben.
Ja, da bleibt es wohl nicht nur bei den Pferden hängen, des Menschen Egoismus.
Eigentlich könnte man wohl ein Buch mit tausend Seiten darüber schreiben. Und wohl noch einen weiteren Teil...

Liebe Grüße von Jens

Re: Pferdegeflüster

Autor: Michael Dierl   Datum: 02.03.2026 23:13 Uhr

Kommentar: Hi Jens,

Danke erst mal für Deinen Kommentar und für Dein Durchhalten meinen Kram zu lesen. Meine Hochachtung vor dieser Leistung :-). Schillers Glocke hat 400 Zeilen. Ich wollte ihn eigentlich damit übertreffen aber mir ist schon viel zu früh die Luft zum Durchhalten ausgegangen. So habe ich nur 132 Zeilen geschafft. Etwas mehr als 1/4 immerhin. Und ja, es macht wirklich Arbeit und das macht man auch nicht an einem Tag. Ich habe vielleicht 2 Wochen Ideen gesammelt, wenn ich was neues wusste habe ich mich drangesetzt und es weitergeschrieben. Immerhin war es bisher mein längstes Gedicht. Dank Dir nochmals für Deine Mühe! :-)

lg Michael

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