Der Lenz tritt ein nach sicherem Gesetze,
nicht Zufall führt sein leuchtend Regiment;
aus Keim und Kraft, nach wohlgefügter Kette,
erhebt sich Form, die sich zur Blüte kennt.
Was schlummernd war, wird folgerichtig Leben,
kein Sprung zerreißt der Ursachen Verband;
die Wärme steigt, die Säfte aufwärts streben,
und Maß regiert des Werdens stilles Land.
Doch in der Brust, wo Trieb und Freiheit ringen,
bricht mehr als bloße Ordnung sich hervor:
ein Drängen will das enge Maß durchdringen,
und sprengt das bloß Gedachte kühn empor.
So eint der Frühling, was sich sonst bestreitet:
Gesetz und Drang, die Kraft, die Form verleiht.
Was klar gedacht, wird fühlend ausgeweitet –
und Ordnung wird zur gelebten Möglichkeit.


© TIMO ERTEL


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