Im Rascheln der Blätter zwitschern die Meisen.
Zum Hinterhof ruft eine Mutter ihr Kind.
Ein zischender Herd teilt den Duft seiner Speisen.
Meine Nase erahnt, welche diese wohl sind.
Der Schatten des Hofes schickt kühlende Lüfte.
So schunkelt im Takt die Gardine im Wind.
Mein Magen sagt mir, dass ich auch essen müsste.
Eine Dose muss reichen, ich greife sie blind.
Vom Fenster zum Hof klappern Teller und Töpfe.
Es klingt wie Musik aus dem Speiselokal.
So spiele ich mit, da ich rühre und schöpfe,
bis mein Schüsselchen voll ist, vom bescheidenen Mahl.
Mein Inneres jauchzt mir, vom Gaumen zur Seele
und ich lade die Nachbarn im Geist zu mir ein.
Gemeinschaftlich füllt sich vergnügter
die Kehle.
Ein Tisch auf dem Hof könnt ein Ziel dafür sein.
Ich lächle zufrieden, nach Suppe und Brot,
die Stille vom Fenster spricht Bände.
Ich lausche dem Lüftchen, dessen Hauch sich mir bot
und schon bald hat die Ruhe ein Ende.
Ein Kätzchen miaut zu den Meisen hinauf.
Ein Kind ruft erfreut ihren Namen.
Mein Fenster zum Hof winkt mich rufend hinaus
und es schickt mir lebendige Gaben.
Kommentar:Lieber Jens,
deine Zeilen und dein Bild strahlen Geborgenheit aus.
Hat für mich mehr künstlerisches Potential als der Film von Hitchcock.
Liebe Grüße Wolfgang
Kommentar:Hi Jens, sehr plastisch gedichtet bzw. auch erzählt. Man könnte nach soviel Harmlosigkeit am Anfang des Gedichtes fast schon auf die Idee kommen dass in den nächsten Sätzen etwas schreckliches passieren würde aber es kam nichts. Ich komme deswegen auf diese "krumme" Idee weil Wolfgang den Alfred Hitchcoch erwähnt, denn er hat auch meist seine Filmgeschichten ganz belanglos und harmlos anfangen lassen, so wie der Mord im Zug der nur von einem der Passagiere aus einem anderen Zug zu erkennen war. Zuvor aber stiegen Passagiere zu Hunderten im Bahnhofsgelände aus und ein. Ich komme nicht auf den Filmnamen aber auch egal. Du weißt was ich meine!
Kommentar:Einfach klasse! So sieht ein zufriedener Alltag aus! Das schöne am Hinterhof ist das Leben darin. Ich wohnte in Essen direkt am Klinikum. Anfangs hatte ich Angst, dass es mir zu laut sei - war gar nicht so! Ich habe mich sehr wohl gefühlt dort. So wie ich es bei dir auch empfinde.
Einen schönen Tag dir
Angelika
Kommentar:Ihr Lieben, herzlichen Dank für euer Lesen und eure Kommentare ;-)
Als ich mich für den Titel entschied, kam mir auch die Erinnerung an den alten Alfred. So hoffe ich aber doch eher auf ein friedliches Dasein jedes Hinterhofes.
Liebe Grüße, euer Jens ;-))
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