von wegen herbst, denn über nacht ist schnee gefallen
in diese bunte graue welt
wer diese zeit noch für den sommer hält
der irrt, es wintert in uns allen

weh dem, der jetzt schon ganz alleine ist
dem, dessen glück schon längst zerronnen
der winter hat gerade erst begonnen
und kommt mit kälte, die sich in die herzen frisst

ein letztes buntes blättchen hängt verloren
und überrascht verschneit an seinem baum
die angst friert fest, flucht lohnt sich kaum
und auch die weizenfelder sind längst kahl geschoren

von wegen herbst, das bunt ist kaltem weiß gewichen
weh dem, der jetzt noch kein zuhause hat
wer noch nach wärme hungert, wird nicht satt
die sonne hat sich still und heimlich fortgeschlichen

die schwalben sind längst fort die welt fängt an zu schweigen
und wird es lange tun, der winter fängt erst an
das bunte laub verblasst, verstummt und dann
vergeht die zeit zwischen den zweigen.


© Anne Ladgam


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Kommentare zu "von wegen herbst"

Re: von wegen herbst

Autor: Karl Heinz Ratzesberger   Datum: 28.10.2018 16:29 Uhr

Kommentar: Ja....und doch kommt immer wieder nach all den Entbehrungen der nächste Frühling... in diesem Sinne... :-)

Liebe Grüße
Kalle

Re: von wegen herbst

Autor: Santos-Aman   Datum: 28.10.2018 17:12 Uhr

Kommentar: ein berührendes Gedicht, das mich mitnimmt und dem ich gerne folge.

Lieben Gruß, Santos

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