Unauffällig, grau die Hülle,
gefühlte 100 Jahre alt.
Ein Neuer mußte her - auf der Stelle,
und das recht schnell als bald.

Der Neue sah nach Litfaßsäule aus,
übersät mit abertausend Sprüchen!
Wollte mal nicht als nur graue Maus,
in was neumodisches flüchten!

Schick, meinte einer der Kunden,
der mit mir an der Theke stand.
Sein Blick war sehr profunden,
als er sich zu den Sprüchen wand.

In Verwunderung all der Sprüche,
ging er genüsslich um mich einmal rum.
Fragte, was zu dieser Wahl mich brächte,
lachte sich dabei fast kaputt und krum!

Plötzlich stand ich im Mittelpunkt,
eine Anziehung wie ein Magnet.
Man sprach über mich als Unikum,
über die massiven Aufkleber und „Hieroglyphenalphabet“.

2 Brötchen und 2 Milchhörnchen, sagte ich,
als ich war an der Reihe.
Plötzlich umjubelte man mich,
und fragte wer ich seie?

Ich war verblüfft, als ich aus dem Laden kam,
eine Menschentraube umrankte mich.
Als ich auf mein klappriges Fahrrad schwang,
umjubelte man noch mich!

Jemand hielt einen Kugelschreiber,
direkt vor meine Nase.
Um ein Autogramm bat er mich,
einige waren euphorisch, rasend wie in Ekstase!

Dann schwang ich meine Hufe,
und trat in die Pedale.
Jubel überrannte mich – Schreie, Rufe,
als wär ich in einem Finale!

Unauffällig, grau die Hülle,
er, gefühlte 100 Jahr betrug.
Mein Neuer muß nicht mehr auf der Stelle,
strample mit dem alten Trainingsanzug!


© Michael Dierl


3 Lesern gefällt dieser Text.


Unregistrierter Besucher

Diesen Text als PDF downloaden




Kommentare zu "Kleider machen Leute"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Kleider machen Leute"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.