Im Rundumuns

© Uschi Rischanek

Im Rundumuns

Es ist das Rundumuns, das oftmals uns bestimmt.
Egal dabei warum und auch zu welcher Zeit.
Einzig als Kind erscheint selbst Kleines uns so weit.
So vieles was für uns dabei doch unbestimmt.

Im Lauf von all den vielen Jahren die vergehn,
macht manchesmal uns auch so manche Türe dicht.
Was eminent scheinbar noch kurz zuvor nun schlicht,
denkt man dabei vielleicht im Stillen, wenn besehn

Dass alles offenbar irgendwann auch endlich.
Denn ist nicht alles in sich selbst vergänglich?
So reflektiert und selektiert man wohl dabei.

Und ist das Leben selbst, niemals nur einerlei?
Das Tor durch das wir kamen einstmals ganz allein,
wird irgendwann noch einmal zu durchschreiten sein....

* * * *


Worte fallen wie leise Schritte
durch das Rundumuns, das du beschreibst.
Sie öffnen Türen, die man nicht sieht,
aber spürt — wie Wind, der durch ein altes Haus geht.

Du sagst, dass alles vergeht,
und doch bleibt etwas zurück,
ein feiner Abdruck im Staub der Jahre,
ein Atemzug, der nicht verstummt.

Ja — wir kommen allein,
und wir gehen allein,
doch dazwischen trägt uns ein Gewebe,
gesponnen aus Wegen, Wunden, Wundern.

Manchmal schließt sich eine Tür,
und wir stehen davor wie Kinder,
die nicht wissen, ob dahinter Dunkel wartet
oder ein neuer Raum voller Licht.

Und irgendwann,
wenn das Tor, das du erwähnst,
noch einmal vor uns steht,
werden wir hindurchgehen
wie durch einen vertrauten Gartenpfad,
den wir längst kannten,
bevor wir ihn das erste Mal betraten.

Ein stilles Nicken
aus einer Welt,
die weiß,
dass alles vergeht
und gerade deshalb bleibt.

© Uschi Rischanek & Johann Grafeneder
Music: mcanden
Bild/Rezitation: Uschi Rischanek


Danke Johann - welch schöne spontane Symbiose!


© Uschi Rischanek Johann Grafeneder


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Kommentare zu "Im Rundumuns"

Re: Im Rundumuns

Autor: humbalun   Datum: 25.05.2026 17:29 Uhr

Kommentar: Hallo

In meiner Kindheit gab es noch die
lebendige Poesie. Das war Arbeit.
Und hin und wieder ein Fest. Und
wenn im Herbst alles eingelagert war. Da war dieses Rundumuns die pure
echte Freude. Diese Kraft und
Zuversicht. Und das klare und wahre
Wissen um was es im Leben geht.
Da gab es Augenblicke voller Freude.
So himmlische erhebende Zeiten. Im
Winter hatten die Bauern so sechs Wochen wie Urlaub. Mussten nur das Vieh versorgen. Und sonst war Ruhe. Da hat sich die Familie getroffen. Und es gab das Palaver. Spass und Lachen. Und das Wissen du gehörst zu Jemand. Und das war wahnsinnig schön. Und mein Grossvater mit 84 Jahren, der konnte richtig druckreife Geschichten erzählen. Richtig klar im Kopf. Eine echte Persönlichkeit. Ich
glaube der war nie in seinem Leben bei einem Arzt. Krankheiten wurden da mit Suppe, einer Bettflasche und Liebe geheilt. Und das hat funktioniert. Da hat auch keiner einen Psychologen benötigt. Da das Rundumuns voller Schönheit und Poesie war. Echt bezaubernd. Ja! Ein wunderbares Gedicht. Ich liege im Bett. Und geniesse den blauen Himmel. Und die Sonne. Und die Tatsache das alle Zeiten wertvoll sind.
Egal was sie an komischen Komplikationen bringen. Ich sende liebe Grüsse nach Wien. Und freue mich das es deinen Kanal gibt. Ich lerne da eine Menge. Bis dann.
MfG Klaus

Re: Im Rundumuns

Autor: Uschi Rischanek   Datum: 25.05.2026 17:54 Uhr

Kommentar: Lieber Klaus,

vieles war früher wohl anders, einfacher aber nicht weniger intensiv als heute. Wenn ich mit meinem Tantchen spreche, und sie mir dann sogar von ihrer Großmutter erzählt ist es schon erstaunlich, welche Dinge da zu hören sind.

Vielleicht hätte ich schon längst ihr so aufregendes Leben in den vergangenen beinahe hundert Jahren festhalten sollen. Vermutlich mache ich das auch noch.
Die Einstellungen der Menschen, so wie Du schreibst, waren früher weniger komplex, auch geradeheraus und nicht so verschnörkelt unaufrichtig wie manchmal heutzutage.

Viele lassen sich einfach mittreiben, ohne großartig zu hinterfragen, warum und wieso... Es ist einfacher als gegen den Strom zu schwimmen. Ich werde jedoch niemals aufhören, ein wachsamer kritischer Geist zu sein, es sei denn, ich wäre irgendwann einmal nurmehr Geist.... ;-))

So danke ich Dir für Dein Hiersein und Dein ausführliches Reflektieren.
Es war ein spontanes Antwortsonett bei Johanns Phantasiegeschichte zum Riss im Gewebe der Zeit und sein schöner Rekommentar veranlasste ich dann einzusprechen und zu vertonen.

Hab einen schönen Abend, an dem ich auf der Terrasse bei nunmehr angenehmen Temperaturen sitze und dem Amselsang auf der alten Birke gleich nebenan zuhöre!

Liebe Grüße zu Dir
Uschi

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