Mit offenen Augen
streifen wir Schönes, Unschönes,
erfassen es mit unserem Blick.
Schauen vor und zurück.
Schaffen Bilder.
Schaffen Illusion.
Können Menschen, die nicht sehen,
wenn Sehende erzählen, verstehen?
Mit offenen Ohren, leise, laute, liebliche, stille,
schrille Geräusche, Klänge hören.
Wiegen im Takt der Musik,
klangvoll im Innen und Außen, folgen der Akustik.
Schaffen Räume
Schaffen Welten.
Doch was macht der Mensch ohne ein Hören,
wenn Hörende singen in ihren Chören?
Schreien, Sprechen, Flüstern,
Schwingungen der Bänder, gepaart mit Luft
Bilden Worte, ein Pfeifen,
Gesang, Sprechende können es begreifen.
Worte verletzen, Worte heilen
Trösten, wer sie vermag zu äußern.
der Mensch ist verwirrt,
der nie sprechen wird.
Sein Inneres durch Worte teilen?
Schöne und auch hässliche Gedanken vertonen.
Nach außen tragen gefragt oder ungefragt.
Wie geht es dem Menschen, dem es versagt?
Den Duft einer frisch gemähten Wiese mit tiefem Atemzug,
den Hauch des kühlen Nebels eines Gebirgsbaches,
die salzige Gischt einer Meereswelle inhalieren,
in sich konzentrieren.
Wer nicht riechen kann,
dem ist es versagt, der Gewürze vielfältigen Wohlgeruch,
den wohligen Hauch von frischem Brot,
nur zu erahnen, ist in Not.
Aufrecht gehen, aufrecht stehen aus eigener Kraft.
Wandeln durch diese schöne Welt.
Wem es vorenthalten, es nicht vermag,
dass Schreiten durch den sonnigen Tag.
Wenn uns bewusst, wir dies alles können.
Sehen, hören, rennen.
Riechen und singen.
Demut und Dankbarkeit verbinden sich.
Kommentar:Harald,
dein Gedicht hat eine stille Kraft, die sich erst beim zweiten Lesen richtig entfaltet. Du führst uns durch all die Sinne, die wir im Alltag so selbstverständlich benutzen – und erinnerst daran, wie zerbrechlich dieses Geschenk eigentlich ist. Besonders stark finde ich, wie du nicht nur das Wahrnehmen beschreibst, sondern auch das Nicht‑Können, das Fehlen, das oft unsichtbar bleibt.
Es ist ein Text, der Demut weckt, ohne moralisch zu werden, und Dankbarkeit, ohne kitschig zu klingen. Eine schöne, klare Erinnerung daran, wie reich wir sind, wenn wir sehen, hören, riechen, sprechen und gehen dürfen.
berührt durch das Lesen Deiner emphatischen Worte, welche Du im Zusammenhang, mit Deiner Wahrnehmung meiner "Offene Augen..." zurück spiegelst, möchte ich Dir ganz warm und herzlichst danken... Du hast es ...sehr fein geschrieben...!!!
Kommentar:Hallo, dazu fällt mir eine Geschichte ein als wir mal für eine Kinderklinik in dem Krebskranke Kinder ihre letzte Aufenthaltsstätte hatte, weil unheilbar krank ein Werbung gemacht haben um Spendengelder locker zu machen haben wir kurzum die Clowndoktoren erfunden. Sie sollten dazu beitragen dass eine gewisse Empathie nach außen getragen wurde und so eben mehr Spendengelder einzusammeln. Die Aktion war für uns eine Ehrensache. Wir haben nichts dafür genommen. Mir ging das so nahe dass ich Monatelang an diese Kinder denken mußte die bald gar nix mehr können und das schon sehr früh in ihrem Leben. Es ist schlimm das Augenlicht zu verlieren oder auch das Gehör aber das Leben..........und schon so früh dass ist nicht gerecht. Es gibt keinen Gott, denn würde es einen geben würde er sowas nicht zulassen! Es hat eine Zeitlang gedauert bis ich das verwunden habe. Noch heute kommt das ab und zu zurück, gerade wenn ich solche Texte lese wie Du sie geschrieben hast. Und dann gibt es Menschen die führen mit Absicht Kriege und führen abertausende in den Tod. Was ist das nur für eine Scheiß Welt in der wir Leben! Manchmal kann ich nur noch fluchen aber es hilft eben nix. Augenklappen hoch und durch oder wie überlebt man das noch Moralisch??? Guter Text hat mich voll erwischt! Danke trotzdem !
ein warmes Dankeschön, für dein Teilen einer mich berührenden Geschichte aus Deinem Leben.
Eine tolle Aktion, die Du da beschreibst. Ich beteilige mich nicht mehr daran ob es einen Gott gibt oder nicht, doch scheint es ihn zugeben, denn er hat den Menschen die Fähigkeit gegeben, Empathie und Liebe anderen Menschen gegenüber zu zeigen. Und dies hast Du mit deine Weggefährten in der Kinderklinik zum Ausdruck gebracht.
Nicht über dem NICHT-SEIN verzweifeln, sondern für das SEIN dankbar.
Dir alles Gute.
Herzlichst Harald (Tom)
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In staubigen Archiven, zwischen Namen und Jahreszahlen,
flüstert Geschichte aus brüchigem Papier.
Alte Zeitungen berichten von fernen Tagen
und von Leben, die längst vergangen sind.
Wem gehört die Fantasie?
Seepferdchenkuschelig dehnt sich mein Geist in den Raum hinein.
Mein Geist sitzt am blaumuschelfarbigen Ozean.
Mein Körper sitzt sanft ruhend am kurkumazitronengelben [ ... ]
Ob beim Schreiben, beim Malen, beim Musizieren, beim Spazieren gehen...
Dann, wenn ich ganz "leer" bin, meine Gedanken still stehen,
wenn ich irgendwo in einem "freien Raum" bin,
undefinierbar [ ... ]